15 Jahre Bang Your Head Festival - A Tribute To DIO
Ja - zum 15. Mal jährt sich das Bang Your Head Festival also dieses Jahr… für mich wird es das siebte BYH und die Vorfreude steigert sich (gefühlt) von Jahr zu Jahr. Ich bin auch begeistert davon, dass das ganze Festival diesmal im Gedenken an Ronnie James Dio, der uns leider am 16. Mai 2010 verlassen musste, veranstaltet wird. Er war einer meiner persönlichen Helden und ich durfte ihn dreimal live erleben. Er hat die Musik und die Szene geprägt wie kein anderer! Er war vielleicht körperlich einer der kleineren, stimmlich jedoch einer der Größten! Ruhe in Frieden, Ronnie - long live Rock and Roll!! Bereits im Vorfeld habe ich mir Gedanken gemacht – wie genau man Seiner wohl gedenken mag…dann aber beschlossen mich einfach überraschen zu lassen.
Das Auto gepackt, habe ich meine Ladung nochmal auf Vollständigkeit geprüft - denn bei einem Festival vergisst man grundsätzlich mindestens drei Dinge. Etwas ganz wichtiges, etwas ganz unwichtiges und etwas, das man gar vergessen hatte auf die Liste zu setzen – glaubt mir, es ist immer so. Nachdem ich mit meiner Ladung zufrieden bin, geht es auf die Autobahn in Richtung Süden. Tolle Musik im Auto, die Sonne am Himmel, die Sonnenbrille auf der Nase steigt die Laune doch gleich noch einmal. Denn es ist klar – es wird wieder ein geniales und unvergessliches Wochenende im "Schwabeländle"! Nach fast 3,5 Stunden in Balingen angekommen, geht es Richtung MetalCamp, was es seit, glaube ich, jetzt drei Jahren gibt. Ich persönlich finde die Aufteilung/Lösung mit den verschiedenen Campingplätzen von früher besser (Camp4 forever!), habe mich aber damit angefreundet – die Organisation war bis jetzt wirklich immer super! Aufgrund der guten Beschilderung sollte jeder ohne Probleme ans Ziel gelangen. Auf dem Camp dann angekommen habe ich auch gleich einen tollen Platz gefunden, Zelte, Pavillons, Bierzeltgarnituren, Matratzen, Feldbetten, Musikanlage (gaaanz wichtig), Grill, und was weiß ich nicht alles wird aufgebaut, dick mit Sonnenmilch eingecremt, Musik an, Bier aufgemacht und Füße hoch. Toll, so lässt sich’s leben! Nach der ersten, guten Stärkung steht immer "Nachbarschaft erkunden" auf dem Plan… und es gab in all den Jahren noch NIE einen Nachbarn, der nicht verdammt cool war! Ich war mittlerweile auf vielen Festivals in Deutschland und Europa unterwegs aber das BYH ist einfach einmalig was dieses fröhliche, harmonische, freundliche, ja einfach familiäre Gefühl angeht – hab ich bis jetzt nirgendwo anders gefunden!!
Das auf dem MetalCamp befindliche Partyzelt ist abends mein Ziel. Dieses Jahr kleiner als sonst und auch ohne an Stangen tanzende Frauen, aber der Stimmung tut dies nichts – es ist gut gefüllt und die Lieder, die der DJ auflegt werden lautstark mitgesungen. In der Messehalle auf dem Festivalgelände findet parallel das Warmup mit Saxon als Headliner statt. Ich habe die Jungs schön öfters gesehen und die zusätzlichen 28 € (!) waren mir dann doch zuviel für den Spaß. Was mir zu Ohren gekommen ist war aber durchweg positive Resonanz. Wie gesagt wird Donnerstag im Partyzelt die Nacht zum Tag gemacht, ich treffe zahlreiche Bekannte aus den vorherigen Jahren und die Vorfreude auf das Festival selber steht jedem auf die Stirn geschrieben. Kurz bevor es hell wird, begebe ich mich dann doch zu meinem Zelt um eine Mütze Schlaf zu bekommen.
Die frühen Sonnenstrahlen und das warme Wetter machen es aber bereits kurz nach 07:00 Uhr unerträglich im Zelt, sodass die Nacht dann doch recht kurz ausfällt. Also raus und Richtung Duschen/Waschplatz/Supermarkt – liegt alles am Ein-/Ausgang Richtung Bushaltestelle. Seit es das 100.000 m² große MetalCamp gibt, wird der Transport zum Festivalgelände mit Busshuttle organisiert. Der ein oder andere mag vielleicht beim Lesen die Nase rümpfen (hab ich übrigens vor drei Jahren auch), jedoch ist alles (wie bei BYH gewohnt) wirklich bestens organisiert! Wenn man zur Bushalte läuft, steht bereits ein Bus mit offenen Türen da und wartet… meistens sogar zwei. Und ist wirklich mal der eine schon voll und die Türen geschlossen, fährt schon der nächste ein. Wirklich ein Lob, das dies immer reibungslos funktioniert. Aber jetzt ist erstmal Körperpflege angesagt, mit den Bussen wird später gefahren. Frisch und gut gelaunt geht es zurück zum Camp, wo der Grill schon zum Frühstück bereit steht. Der Tag wird in einem typischen Festival-Camp Tag enden. Das Programm wird allerdings erst am späten Nachmittag für mich interessant.
Dafür, dass BYH Jubiläum feiert, ist das Programm eigentlich etwas schwächer als sonst – zumindest finde ich, dass es schon ein besseres Billing gegeben hat. Das liegt aber natürlich immer im Auge des Betrachters. Entscheidender Punkt für mich sind eindeutig Twisted Sister, die setzen dem Festival wieder das Sahnehäubchen auf. Da ich ihn schon relativ häufig gesehen habe, war geplant nur einen kleinen Abschnitt von Jon Olivia’s Pain mitzunehmen. Aufgrund einiger Konversationen auf dem Camp hat es dann aber doch nur für "Hall Of The Mountain King" gereicht. Dem letzten Song in seinem Set – und ich habe mich sofort geärgert, dass ich so getrödelt habe! Die Leute sind super dabei und Jon Olivia macht seine Sache toll, was mich nur erahnen lässt, was ich gerade verpasst habe. Das bedeutet, das nächste Mal bin ich wieder von Anfang an dabei. Das Festivalgelände ist gut gefüllt und ich verschaffe mir einen ersten Überblick der Essensstände, kaufe meine Getränkebons und schaue mich im hinteren Teil, bei den diversen Metalshops um. Die Umbaupause für Doro vergeht wie im Flug und bei den ersten Klängen ist ein deutliches Bewegen der Menschen Richtung Bühne zu erkennen. Und schon befinde ich mit mittendrin – Frau Pesch legt los - mit "You’re My Family", "I Rule The Ruins" und "Earthshaker Rock" startet sie perfekt in ihr Set. Gekonnt spielt sie mit der Menge und es wird einmal mehr deutlich, dass alle auf der Bühne ein eingespieltes Team sind. Es macht einfach Laune ihr zuzuschauen – wobei mir jedes Mal auffällt, wenn ich sie live sehe, dass sie sich etwas mehr bewegen könnte. Ein Bangen in Richtung Menge, Hände nach vorne und ein "Baaalingen, ihr seid super!"… ok, das genügt eigentlich bei ihr auch schon – ich will sie doch gar nicht anders haben. Doro gehört seit langem schon zu den alten Hasen, aber es ist immer wieder auf’s neue beeindruckend, wie sie die Truppe anheizt und die Menge mitgeht. Aber gut, mit "Burning Down The Witches" kann man nicht viel falsch machen. Danach kommt "Egypt (The Chains Are On)" für Ronnie! Sie hätte meiner Meinung nach zwar ein besseres Lied wählen können, hat ihre Sache aber gut gemacht. Das Lied ist übrigens auch auf der vor einigen Jahren erschienenen Tribute-CD "Holy Dio" zu finden. Weiter geht es mit "Für Immer", welches wieder lautstark mitgesungen wird. Es bleibt aber auch die einzige Ballade und so peitscht Doro stattdessen weiter im Programm. Mit "Metal Racer" und "Always Live To Win" weiter über das Priest-Cover "Breaking The Law" bis hin zum finalen "All We Are", logischerweise unverzichtbar für jeden Doro Gig. Die 80er Hymne wird lautstark und aus jeder Kehle mitgesungen und so würdigt man einen tollen BHY Auftritt von Frau Pesch. Wow, verdammt gelungene Sache würde ich sagen!
So, wie geht’s weiter? Zum ersten Mal findet in der Messehalle während der Festivaltage abends ein Alternativprogramm statt. Auf der BYH-Homepage durfte man vorher abstimmen wer oder was gerne verpflichtet werden soll. Nun ja, da ich eigentlich nur auf dem Festivalgelände bin, wenn "meine" Musik spielt, brauche ich das Alternativ Programm nicht. Allerdings bin ich auch kein wirklicher Krokus Fan, die aber wiederum als nächstes (hoffentlich genauso wie Doro) die Bühne stürmen werden. Da ich die Alpenländler aber noch nie live gesehen habe, haben sie eine Chance verdient und ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Die Herren standen 2005 schon auf der Bühen aber damals war ich zu sehr im "White Lion-Fieber" und hatte für (fast) nichts anderes Gedanken. Also blickte ich gespannt Richtung Bühne. Auch mal toll einfach alles zu beobachten – wie die Leute reagieren und man selber nicht "emotional" mit dabei ist. Ich persönlich finde nicht, dass der Start wie ein Feuerwerk rüberkam, jedoch war die Menge gut mit dabei. Ich finde mit jedem Blick mehr begeisterte Gesichter. Auf einmal kommt mir ein Lied doch sehr bekannt vor… kenn ich etwa doch ein paar mehr Lieder als erwartet von Krokus? Nein, denn es handelt sich um eine Coverversion des Klassikers "American Woman" – allerdings eine echt gelungene Version. Danach ist allerdings wieder mit dem Kopf wippen, klatschen, Bein im Takt bewegen und Leute beobachten angesagt, da mir doch die meisten Lieder fremd sind. Jedoch stellen sich alle Häärchen auf, als die ersten Töne von "Screaming In The Night" erklingen. Eine tolle Power-Ballade, die meiner Meinung nach von zu wenigen Leuten mitgesungen wird, ist es doch ein Schmankerl aus den 80ern. Bei den nächsten Liedern ist wieder rocken angesagt und das Volk zieht mit – die Stimmung ist echt gut und ich kann mich mittlerweile schon sehr gut mit Krokus anfreunden. Trotz allem habe ich bereits Hammerfall im Hinterkopf und freue mich mit jedem Lied, was Krokus beenden, mehr auf die Schweden. Und schon verlassen die Alpenländler auch die Bühne um gleich noch mal für ihre Zugabe auf die Bühne zu kommen. Und die hat es mit "Hoodoo Woman" – einem Hit vom neuen Album – in sich. Das Lied läuft regelmäßig auf RockAntenne (unschlagbarer Radiosender!), sodass nicht nur die eingefleischten Krokus Fans mitsingen können, sondern auch ich! Beendet wird ihr Set mit einem weiteren Cover – "Born To Be Wild". Finde ich sehr gelungen und die Menge dankt es, indem jeder die vier Worte lautstark Richtung Bühne schreit. Ich weiß jedoch nicht ob man, wenn man auf eine so lange Bandgeschichte zurückblicken kann, unbedingt zwei Lieder covern muss?! Zuguterletzt wird noch kurz "Long Live Rock’n’Roll" im Gedenken an Ronnie James Dio angespielt – was sie auch hätten lassen können, denn einmal kurz was angespielt ist für mich keine Hommage – und gut rüber gebracht war es auch nicht wirklich. Aber alles in allem bin ich Krokus ein bisschen näher gekommen, aber ein perfekter Co-Headliner ist dann doch was anderes.
Jetzt sind alle Zeichen auf Hammerfall gerichtet. Eine Band, die schon seit 1997 mit am Start ist – damals fand das Bang Your Head noch in der Halle statt. Mit weiteren Auftritten beim Festival, dem steigenden Erfolg und (heutzutage fast am wichtigsten) mit der Beständigkeit in der Szene hatten sich die Jungs es verdient als Headliner den Freitag zu würdigen. Für mich sind Hammerfall die Band, die das Ende der Grunge Zeit (Danke!) eingeläutet haben und der Welt zeigten, dass Heavy Metal still alive ist!! Und das ganze kombiniert mit melodischen Hymnen und stimmgewaltigen Refrains haben sie etliche Ohrwürmer erschaffen. Also auf geht’s weiter nach vorne Richtung Bühne. Während der Umbauarbeiten fällt sofort auf, dass das Bühnenbild wohl etwas mager ausfällt. Also mager für sonstige Hammerfall Gigs oder -Touren. Ganz schlicht zwei Treppen sind zu sehen. Aber hey, man muss nicht mit größer oder besser überzeugen – eine gute Darbietung braucht keine Aufmachung im Hintergrund. Kurz darauf geht es los und die Jungs stürmen die Bühne und eröffnen mit "Punish And Enslave", einem Song vom neuen Album "No Sacrifice, No Victory", die Show und zeigen sofort in welche Richtung der Abend gehen wird – Headbangen, Party, Stimmung und Heavy Metal! Nach kurzer Verwirrung – Oskar Dronjak ist blond… strohblond… hallo? – geht es sofort weiter mit "Dragon Lies Bleeding" von der Debut-Scheibe "Glory To The Brave" – was genau widerspiegelt, wie man dem Grunge in den Allerwertesten getreten hat! Danach geht es mit "Crimson Thunder" etwas mühsam weiter im Programm – hierbei darf jedoch natürlich in keinem Fall die rote Bühnenbeleuchtung fehlen. Somit ist der Einstand perfekt und mit "Hallowed Be My Name" präsentiert man einen weiteren Song vom neuen Silberling. Spätestens ab "Renegade" ist jeder dabei und die Menge brettert fleissig und ausgelassen mit. Über "Last Man Standing" geht’s weiter zu "Blood Bound" von der "Chapter IV" – welcher seit der Veröffentlichung ein Live-Garant ist und einfach nicht mehr fehlen darf! Eine kleine Schleimspur hinterlässt Herr Cans dann allerdings als er verlauten lässt, dass seiner Meinung nach Deutschland die WM hätte gewinnen müssen und so weiter und so fort. Lieber Joachim, so was hast du doch nicht nötig. Viel interessanter ist doch die nächste Geschichte. Er erzählt uns nämlich, wie der englische Metal Hammer anno 1998 die zweite CD "Legacy Of Kings" verurteilte: "This sucks badly". Wir wissen, dass dem nicht so war und mit "Heading The Call" schmettern Hammerfall die Aussage einfach gegen die Wand – genial! Danach kommt mit "Rebel Inside" ein Song von der "Threshold"-Platte zum Zug. Die Arbeit am neuen Album beschreibt Mr. Cans dann wie folgt: "If you think it's going to be a hip hop album - fuck that. If you think it's going to be a nu metal album – well, fuck that too. It's going to be some more German heavy metal from Sweden!". Mit "Any Means Necessary" von der neuen Platte über "Stronger Than All" von der Legacy-Scheibe geht es hin zu "Riders Of The Storm" – was noch mal richtig einheizt und den Boden noch mal beben lässt, bevor die Jungs die Bühne erstmal verlassen. Logisch gibt’s ne Zugabe und mit "Let The Hammer Fall" wird es wieder hell und laut auf der Bühne und die schwedische Kombo rockt was das Zeug hält. Und auch sie lassen es sich nicht nehmen und huldigen mit netten Worten und "Man On The Silver Mountain" Ronnie James Dio. Unterstützt wird das ganze von Mikael Stanne (der ja ursprünglich mal Sänger von Hammerfall war) von Dark Tranquillity, die ein paar Minuten später das Alternativprogramm in der Halle headlinen werden. Jedoch wird hier sofort klar, dass der Song eindeutig Joachim Cans besser steht und liegt. Ich finde die Version toll – aber leider nichts neues, denn das Cover ist auch bereits auf der Tribute "Holy Dio"-CD zu finden – trotzdem verdammt genial und hat mit Sicherheit dem ein oder anderen Gänsehaut bereitet. Mit einem Knall geht es danach zu "Hearts On Fire", was dem Freitagabend einen tollen Abschluss beschert. Wie oben schon erwähnt lohnt es sich immer Hammerfall zu sehen – live einfach echt geil!! Kleine persönliche Kritik am Rande: Ich finde, dass das abgestimmte und synchron durchgezogene Headbangen doch manchmal einfach nur abgespielt wird. Sollen sie’s lieber lassen und jeder für sich abgehen. Klar ist es was für’s Auge, dennoch kommt anders mehr rüber, finde ich. Und weil wir gerade dabei sind – ich hätte mir doch mehr Lieder von den älteren Alben gewünscht. Was war mit "Glory To The Brave", "At The End Of The Rainbow" oder natürlich "Templars Of Steel"? Aber das nimmt der Darbietung im Ganzen nichts – es war ein gelungener Hammerfall-Auftritt!
Tag eins ist rum – zumindest der Tag auf dem Festival Gelände – auf dem Camp beginnt er jetzt erst. Und dahin treibt es mich jetzt auch – direkt ins Partyzelt und mitten ins Getümmel. Auf dem Weg dahin zeigen sich Blitze am Himmel und auch ein paar Tropfen. Es wird doch nicht? Nein, wird es nicht – kein Regen! Abgefeiert und diesmal etwas früher als die Nacht zuvor suche ich meinen Schlafsack auf. Jedoch wiederholt sich das Szenario der schon in den frühen Morgenstunden strahlenden Sonne und macht ein längeres Verweilen im Zelt unmöglich. Etwas grummelig aber dennoch gut gelaunt (denn heute ist Twisted -fucking- Sister Tag!) stehe ich auf, packe meine Sachen und begebe mich zur Bushaltestelle. Die Busse fahren jeden Tag bis 12:00 Uhr das städtische Freibad mit an, bei dem man als Festivalbesucher ermäßigten Eintritt bekommt, plantschen kann und zu einer warmen Dusche kommt. So habe ich mir das zumindest vorgestellt. Aber die Duschen sind kalt (sogar das Wasser in den Schwimmbecken ist wärmer), da hätte ich auch auf dem Camp duschen können. Aber egal, die Sonne strahlt und als ich zurück am Camp bin, ist schon wieder jeder am grillen, sonnen, Musik hören und natürlich beim (Konter-?) Bier trinken. Während eines fröhlichen Plauschs bei meinen Nachbarn (die tatsächliche eine Waschmaschine dabei haben und gerade ihre frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen aufhängen!) fallen mir dunkle Wolken am Himmel auf. Warten wir mal was kommt – es ist noch relativ früh am Tag und bis zur ersten interessanten Band sind es noch ein paar Stunden. Zurück auf meinem Stuhl fallen die ersten Tropfen schon vom Himmel. Jedoch ist das keine Sache für ein paar Minuten, es regnet allen ernstes bis 18 Uhr durch, mal heftig und in Strömen, mal nur ein Tröpfeln. Kurzerhand habe ich mich dann entschieden mir nur den Abend mit Bands zu versüßen. Was wäre Bang Your Head, wenn es nicht regnen würde? So vertreiben wir uns am Camp die Zeit und machen eben unsere eigene Party. Und in Partylaune schlüpfe ich am frühen Abend in meine Festivalgelände-Ausrüstung und auf geht’s!
Queensryche stehen bald auf der Bühne!! Queensryche – die Band, die 2008 das Festival mit "Operation Balingen" geziert hat und eine tolle Musical-Performance mit dem "Mindcrime"-Album (ja, auch mit "Mindcrime 2" – aber reden wir hier mal nicht drüber) ablieferten. Die "Mindcrime"-Scheibe ist eine der Scheiben, die auch in 20 Jahren noch einen ganz besonderen Ruf genießen werden und das zu Recht!! Die Vorfreude auf das angekündigte Best Of-Set lässt meine Augen glänzen und während der Umbaupause schwirren alle großen Hits in meinem Kopf umher und ich könnte jetzt schon Luftsprünge machen, wenn ich an die ganzen Perlen denke, die mich erwarten! Und ich bin mir sicher, ich bin nicht die Einzige, die es kaum erwarten kann "Take Hold Of The Flame", "Walk In The Shadow" oder "Eyes Of A Stranger" ins Ohr geschmettert zu bekommen. Und auf einmal ist es soweit – es geht los. Ich habe mich gut zur Bühne vorgearbeitet, aber was steht da denn auf der Bühne? Ok, es ist Geoff Tate, soviel hört mein Ohr – aber mein Auge weigert sich noch ein bisschen dies zu erkennen. Eine schicke Weste, Hut, Sonnenbrille – rein äußerlich könnte man meinen U2 steht auf der Bühne. Die mit Muskeln bepackten Oberarme (oder Oberkörper) sowie das kahlgeschorene Haupt bringen meine Augen dann doch zur Überzeugung, dass nicht nur stimmlich sondern auch körperlich Herr Tate auf der Bühne steht. Dann aber gleich das nächste "ohh" – Queensryche beginnen ihr Set doch mit dem eher schwachen "Hit The Black". Ich tröste mich und denke mir, dann legen sie jetzt aber los. Aber nichts da – "Sacred Ground" stammt, wie wir wissen, auch nicht aus der ersten Schaffensphase, ich seufze ein weiteres "ohh" und warte geduldig und immer noch fröhlich auf die großen Juwelen. Und was macht die Band? Das nächste Stück ist eins vom letzten Album ("American Soldier"): "Man Down". Ich stelle mir die Frage ob ich hier richtig bin und nachdem mit "The Hands" von der "Mindcrime 2" wieder ein Song kommt, den (zumindest heute) hier so gut wie keiner hören will, vernehme ich auch ein Murren und Seufzen der Menschen um mich herum. Dem ganzen setzt Mr. Tate mit seiner Darbietung noch einen drauf – versucht er lustig zu sein oder will er den ansteigenden Unmut überspielen? "Ach es hat geregnet, ich weiß – meine Haare sind ein bisschen platt. Aber ihr habt wenigstens Haare". Wo ist der Geoff Tate von früher, der mit seiner Ernsthaftigkeit wie verbissen war, eine tolle Show abzuliefern und die Leute von Anfang bis Ende mitgerissen hat?? Stattdessen kommt er rüber wie ein Entertainer, der mit einem etwas arroganten Grinsen von links nach rechts auf der Bühne herumschlendert. Soviel zum Unmut – sobald die Hits kommen, gerät dieser hoffentlich wieder in den Hintergrund. Bestimmt – jedoch ist es noch nicht soweit, denn mit "Damaged" folgt ein Song von der "The Promised Land"-Scheibe und ich frage mich ein weiteres Mal: "Wieso verschwendet ihr so eure und vor allem unsere Zeit? Ihr habt doch alles wovon wir hier träumen – gebt es uns doch verdammt noch mal einfach!!". Hab’ ich das jetzt laut gesagt oder können die Jungs Gedanken lesen? Denn kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht ertönen die Klänge von "The Thin Line". Wir sind bei "Empire" angelangt – DANKE!! Und wie erwartet schwenkt meine Stimmung und Laune rasend um und die der Leute um mich herum genauso. Jeoff Tate begleitet das ganze mit dem Saxophon – weiß nicht, ob es nötig ist, in jedem Falle aber interessant anzuschauen. Und an der Stimmung ändert sich nichts – außer sie steigert sich ein weiteres Mal und die Menge ist ausgelassen mit dabei als mit "Breaking The Silence" ein Stück von der "Mindcrime"-Platte angespielt wird. Wowwowow, ist das toll - es macht einfach nur Spaß!! Es wird doch ein toller Abend! Selbst für einen Blinden oder Tauben muss der immense Qualitätsunterschied sofort erkennbar sein - genau SO wollen wir euch!! Und so geht es weiter und zwar mit dem ruhigen aber unverzichtbaren "Silent Lucidity". Und in dieser Stimmung schwelge ich noch vor mich hin, denn mit "The Right Side Of My Mind" folgt ein weiterer Song, der in die Schublade "Zeitschinderei" eingeordnet werden muss. Unmittelbar danach folgt ein Gänsehaut-Moment. Geoff Tate wird ernst und spricht mit dem Publikum über Ronnie James Dio. Und er macht es toll, nicht nur dieses "He was our inspiration", er macht Dio weniger zur Legende, sondern zum Menschen und Gentleman, der auch einen guten Wein zu schätzen wusste. Die Würdigung unterstreichen sie mit einer megagenialen Version von "Neon Knights", was Ronnie mit Sicherheit stolz gemacht hätte. Krönender Abschluss des Co-Headliners sind "I Don’t Believe In Love" (ein Lied was man einfach lieben muss), gefolgt von dem – egal wie oft man es hört – einfach tollen "Jet City Woman" und dem finalen "Empire". Wow, what a blast!! Jedoch muss man im gleichen Moment schmerzhaft feststellen, was wir alles hätten haben können und auf welchem Niveau die Show hätte laufen können. Wo war denn "The Lady Wore Black" oder das live so tolle "Another Rainy Night"? Oder die bereits erwähnten Songs, von denen man vor der Show geträumt hat oder überhaupt etwas von den ersten beiden Platten?? Somit ist leider der Unmut und etwas bittere Beigeschmack, trotz des absolut krönenden Endes geblieben. Bitter vor allem, weil es nicht hätte sein müssen – jede andere Band wäre glücklich, wenn sie mit solchen Songs in ihrem Repertoire auftrumpfen könnte.
Na gut – Knall auf Fall geht es weiter und ich lecke mir bereits schon die Finger nach Twisted Sister. Denn hier ist sicher, auf die ist Verlass – immer und überall!! Twisted fucking Sister könnten von mir aus jedes Jahr kommen. Verrückt was für einen Status die Herren nach wie vor genießen und das obwohl seit Jahrzehnten keine neue Platte mehr veröffentlicht wurde – sieht man mal von Live-, Best Of- oder der X-Mas-CD ab. Und haben sie das verdient? Verdammt noch mal JA, das haben sie!! Und ich bin mir sicher, dass sie es heute wieder unter Beweis stellen werden. Wer sich erinnern kann und dabei war, dem ist der Auftritt von Dee Snider 2001 bei strömendem Regen bestimmt noch im Gedächtnis, was hat der für ne Show abgezogen! 2003 stand dann, nach der Reunion wieder die gesamte Fraktion als Twisted Sister auf der Bühne und wurde frenetisch gefeiert. 2005 (im Jubiläumsjahr) war es nicht anders – sie führten einen Siegeszug auf, indem sie die komplette "Stay Hungry"-Platte von vorne bis hinten durchspielten. Zurück in der Gegenwart wird die Bühne grünlich ausgeleuchtet und aus den Speakern tönt ein "Twisteeeeed Sisteeeer – come out and plaaaaayyy…" und die Helden laufen zu ihren Plätzen, während Dee Snider regelrecht auf die Bühne stürmt, als "Come Out And Play" richtig losgeht. Heiliges Kanonenrohr, die ballern vielleicht los, und die Menge tut es ihnen gleich. Bereits mit dem zweiten Song "The Kids Are Back" ist ein weiterer Siegeszug bereits so gut wie besiegelt – alles ist egal – heute geht’s steil! Genau das Gegenteil von Queensryche passiert hier – Dee Snider ist einfach ein göttlicher Frontmann. Weiter geht es im Programm mit "Stay Hungry" vom gleichnamigen Album sowie "Captain Howdy", ebenfalls von der Platte. Somit wird der Song, der für mich der schwächste ist, sogar gefeiert. Mit "Shoot Em Down" vom Debut "Under The Blade" geht es ohne Pause weiter – die Meute sowie die Band rocken, als ob es keinen Morgen gibt und die Spielfreude der Band steht ihr ins Gesicht geschrieben – nicht zuletzt aufgrund der Publikumsreaktionen. Dee Snider überzeugt wie kein anderer – er ist überall und immer präsent, schüttelt seine tolle, blonde Lockenmähne, spielt mit dem Publikum, haut den Mikroständer in die Luft, wirbelt umher, wirft sich selber auf den Rücken – Jesus – Dee Snider ist ein Gott!! Nach einem grandios und dermaßen kraftvoll abgefeuerten "You Can’t Stop Rock’n’Roll" ist es Zeit für Mr. Jay Jay French – der Gitarrist, der seine mittlerweile schon obligatorische Rede hält. Er lässt sich über die Casting-Stars aus und berichtet einmal mehr, dass sie in ihrer Heimat Amerika so gut wie keinen Zuspruch mehr bekommen und man dort nicht glauben mag, wie begeistert man von ihnen hier in Europa ist. Und er verspricht, dass sie so lange kommen, so lange wir es wollen. Hell Yeah wir wollen euch! Und damit daran auch keiner zweifelt bekommen wir "The Fire Still Burns" und das melodische "I Am (I’m Me)" präsentiert und Herr Snider glänzt in stimmlicher Höchstform. Im Anschluss steht mit den ersten Schlagzeugklängen fest – der Einzug in den Olymp naht – denn mit "We’re Not Gonna Take It" kommt die BYH-Hymne schlechthin. Seit dem Hurricane 2005 ("I Survived The Balingen Hurricane") ist sie nicht mehr vom Gelände wegzudenken. Ich höre noch heute die Gesänge aus der kleinen Unterführung Richtung Campingplätze (bevor es das MetalCamp gab), die noch lange nach dem Feuerwerk anhielten und genau dieses Lied immer und immer angestimmt wurde. Eigentlich wird es seitdem immer und überall und zu jeder Gelegenheit angestimmt, sei es in den Duschen, im Bus oder im Partyzelt. Somit gibt es an diesem Abend mit Sicherheit keinen, der nicht in den Chor mit einstimmt und die ultimative Party mitfeiert! Als der Song eigentlich vorbei ist, stimmen Twisted Sister - dank des nicht enden wollenden Chors der Menge - noch dreimal wieder in den Song ein. Wahnsinn! Um wieder etwas runter zu kommen, stimmen die "Bad Boys Of Rock And Roll" ganz ruhig "The Price" an. Eine Powerballade vom Allerfeinsten, die fast schon gefühlvoll vom Publikum angestimmt wird. Dee beweist einmal mehr seine stimmliche Hochform. Glück für mich, denn ich darf den Song in den Armen von meinem Hintermann genießen! Bei "I Believe In Rock And Roll" geht es wieder etwas mehr zur Sache und bei "Burn In Hell" ist es um mich geschehen – Dee Snider ist Gott, es gibt keine Zweifel mehr! Der Song beginnt, rote Beleuchtung an den Speakern vorne an der Bühne und "mein" Dee auf seinen Knien am Boden, seine blonden Locken samt Kopf bewegen sich im Takt, bis er dann Richtung Lautsprecher und rotem Licht robbt/kriecht, wie auch immer. Dort angekommen stimmt er, sein Gesicht höllenrot erleuchtet, mit einer tiefen und rauen Stimme – einfach genau wie es sich gehört - perfekt den Song an, um dann ein paar Sekunden später komplett auszubrechen. Es ist einfach nur der Hammer, was sich auf der Bühne abspielt. Zum kurzen Verschnaufen für Mister (Gott) Snider folgt ein Drumsolo von A.J. Pero bevor es dann beim vorerst letzten Song mit "I Wanna Rock" noch mal abgeht. Jeder wirft seine Faust bei "Rock!" gen Himmel, springt, singt und Twisted Sister vollenden ihren Siegeszug, der vom ersten Song bis hierher eine verdammt noch mal geile Vorstellung war. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Band (Dee Snider logisch ausgenommen) einen relativ kleinen Bewegungsradius hatte – nicht dass es von Wichtigkeit wäre, aber ganz so viel ist mit den anderen Jungs halt nicht los gewesen. Alles halb so schlimm, denn (falls ich es noch nicht erwähnt habe) Dee Snider ist Gott und hey, es kann nur einen Gott geben...
Etwas mitgenommen aber geflasht stehe ich da und warte auf die Zugabe und bin gespannt ob und was sie für Dio bereithalten. Und "hell yeah!" da sind sie wieder und – ich werd’ verrückt – sie machen mit "Under The Blade" weiter. Ein ziemlich aggressiver Song, der ihnen vom textlichen Inhalt vor fast 30 Jahren einige Schwierigkeiten einbrachte. Doch alles vergessen und Dee merkt an, dass der Song für die "Die Hard Twisted Sister" Fans ist – ich danke und lecke mir gedanklich einmal mehr meine Finger, während ich gleichzeitig mit der Zunge schnalze. Nun spricht auch Dee Snider ein paar Worte zu Ronnie und ist sich sicher, dass er heute von oben bei uns ist und zuschaut. In diesem Sinne bekommen wir und Ronnie eine grandiose Version von "Long Live Rock And Roll" vor den Latz geknallt, Gänsehaut inklusive sowie die ersten Knaller vom anstehenden Feuerwerk. Demnach wissen wir alle, was jetzt noch kommt – genau – wir lassen uns als "sick motherfuckers" beschimpfen und hören nicht auf abzufeiern bis jeder "SMF" mehrfach Richtung Twisted Sister geshoutet hat. Das Feuerwerk startet während die Jungs auf der Bühne sich verbeugen und sich von der tosenden Menge verabschiedet haben. Heilige Scheisse, war das ein Abend – what a lovely way to end a day würde ich sagen. Und nicht zu vergessen – es wurde angekündigt, dass man das Ganze gefilmt hat und man es für eine kommende DVD verwenden will – ein weiteres Schnalzen der Zunge und gedankliches Ablecken der Fingerspitzen und ich hoffe inständig Twisted fucking Sister noch mal zu Gesicht zu bekommen. Je früher desto besser! Und jeder der die Möglichkeit mal haben sollte sie zu sehen – TUT ES!
Alles in allem – trotz des verregneten Samstags – ein absolut gelungenes und wieder unvergessenes Bang Your Head – schade, dass es jetzt wieder ein ganzes Jahr dauert bis es wieder soweit ist. Naja, oder ein ganzes Jahr Vorfreude – hört sich vielleicht besser an. Und zu guter letzt noch mal – Dee Snider ist Gott!