Die Klassiker - Tour 2011
BAP im Amphitheater Trier. Das hat immer was von Nach-Hause-Kommen, dem Wiedersehen mit alten Bekannten. Dabei ist es erst zwei Jahre her, dass die Band um Wolfgang Niedecken sich an gleicher Stelle einfand und ein gut durchmischtes Publikum faszinierte. So ist es auch diesmal: ältere und jüngere Semester, viele Eltern mit kleinen Kindern. Ein Treffen der Generationen, das zeigt, wie BAP immer noch unterschiedlichste Altersklassen begeistern.
Die 2011er Tour trägt den Titel "Die Klassiker". Das lässt darauf hoffen, dass es viele Songs aus den 80er Jahren zu hören gibt. Vielleicht auch den ein oder anderen, den es seit längerem nicht mehr live gab. Niedecken ist momentan sowieso in Rückschau-Stimmung: Am 30. März feierte er seinen 60. Geburtstag und brachte kürzlich die Autobiographie "Für ‘ne Moment" raus. Dass es mit "Halv su wild" auch ein neues BAP-Album gab, ist da gar nichts Besonderes sondern regelrecht Standard im üblichen Veröffentlichungs-Reigen.
Da im Amphitheater immer um 22.30 Uhr Schluss sein muss, hat man den Konzertbeginn gleich mal auf 19.30 Uhr festgelegt. Schließlich müssen BAP-Konzerte mindestens drei Stunden dauern. Diesen Standard hat Niedecken schon lange gesetzt. Das Publikum ist trotz strömenden Regens guter Dinge. Wetterfeste Kleidung – hier und da ein Regenschirm. Pünktlich um halb läuten die Domglocken – nicht die vom Trierer Dom, sondern die kölschen vom Band. Niedecken betritt mit seiner Band die Bühne, wird mit tosendem Applaus empfangen und obwohl es weiter regnet, schließen alle Zuschauer die Schirme, was ebenfalls mit Applaus quittiert wird. Eine sehr familiäre Stimmung.
Das Konzert startet mit "Nemm mech met", dem ersten Klassiker. Fußballschals fliegen auf die Bühne, und obwohl der Regen inzwischen einer leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit gewichen ist, hadert Niedecken mit dem Fußball- und dem Wettergott. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Allerdings muss man schon sagen, dass die Tour namens "Die Klassiker" eine Augenwischerei ist und vielleicht nur dazu dient, den ein oder anderen Besucher zum Konzert zu locken, der die Band in den letzten Jahren aus den Augen verloren hat. Niedecken erklärt das so: "Wir singen ein Drittel alte Klassiker, ein Drittel mittelalte Klassiker und ein Drittel neue Klassiker." Okay – so kann man’s auch umschreiben. Heißt aber, dass es eine Tour ist, wie jede andere auch, auf der das aktuelle Album (mit insgesamt neun Songs) vorgestellt wird und sich der übliche Querschnitt dazu gesellt. Mich persönlich stört’s nicht.
Die Stimmung schwappt bei jedem Song aus den 80ern regelrecht über und man feiert die Band durch die Reihen ab. "Alexandra, nit nur do", "Bahnhofskino", "Kristallnaach", "Verdamp lang her" und kurz vor dem langen Zugabenblock "Waschsalon" – tanzende Menschen allerorten. Auch die sanften Balladen kommen nicht zu kurz. Meine absoluten Highlights des Abends: "Do kanns zaubre", "Jraaduss" und "Helfe kann dir keiner". 29 Songs auf der Setliste – man sollte meinen, da sei für jeden was dabei. Ich muss aber feststellen, dass mein Lieblings-BAP-Album "Da capo" überhaupt nicht vertreten ist. Schade.
An Gästen haben sich zwei eingefunden. Wobei – Anne de Wolff kann man schon gar nicht mehr als Gast bezeichnen. Sie gehört seit sechs Jahren mehr oder weniger fest zur Liveband und verschönert fast die Hälfte der Stücke mit virtuosem Violinenspiel. Zudem ist sie noch hübsch anzuschauen. Und dann gibt es gar ein englisches Lied im Programm – nein, kein Dylan-Cover, sondern die Eigenkomposition einer jungen Dame aus Trier. Die 12jährige Lilly hatte bei der Show "Dein Song" im Kinderkanal (Kika) die Finalrunde erreicht und Wolfgang Niedecken war ihr Pate. Jetzt darf sie das Stück "Fill My Life" mit BAP live präsentieren. Hört sich in den Strophen etwas düster an und lässt Assoziationen zum Sprechgesang von Anne Clark aufkommen, der Refrain ist aber eine frische Gute-Laune-Nummer, die auch textlich hervorragend in den Abend passt.
Was bleibt nach drei Stunden Musik? BAP machen immer noch Spaß, erzeugen Stimmungen, laden zum Träumen ein. Wolfgang Niedecken hat nichts von seinem Charisma eingebüßt. Man würde ihm auch noch viel länger zuhören. Er könnte sich hinsetzen, aus seiner Autobiographie vorlesen – egal was. Die Zuschauer feiern eine Band, die ihnen über die Jahrzehnte ans Herz gewachsen ist, auch noch lange nach dem letzten Ton. Vielleicht gibt’s ein Wiedersehen in 2013? Wir kommen. Egal wie die Tour heißt.
Setlist
Nemm mich met
Aff un zo
Halv su wild
Nix wie bessher
Et Levve ess en Autobahn
Alexandra, nit nur do
Unger Krahnebäume
Verjess Babylon
Leopardefellhoot
Noh Gulu
Bahnhofskino
Rita, mir zwei
Fill my life (feat. Lilly)
Keine Droppe mieh
Enn Dreidüüvelsname
Kristallnaach
Diego Paz wohr nüngzehn
Verdamp lang her
Karl-Heinz
Waschsalon
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Wat für e‘ Booch!
Drei Wünsche frei
Ne schöne Jrooß
Du kanns zaubre
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Chlodwigplatz
Woröm dunn ich mir dat eijentlich ahn?
Jraaduss
Noh all dänne Johre
Helfe kann dir keiner