BAP

Greatest Hits-Tour 2006

14.01.2006 Kölnarena / Köln

Von: Thomas Kröll

BAP Köln

Dreimal zehn Jahre BAP! Nach der Jubiläums-CD und –DVD jetzt also die „Greatest Hits“-Tour. Und wo könnte die besser beginnen als in der heimischen Kölnarena?! Im Frühjahr rocken Wolfgang Niedecken und Co. dann quer durch den Rest der Republik. Nach einer kurzen Sommerpause beginnt im Herbst der Tour zweiter Teil, welcher sich bis weit ins Jahr 2007 erstrecken wird. Ich persönlich mache mich an diesem Abend mit durchaus gemischten Gefühlen auf in Richtung Köln, bevorzuge ich was BAP angeht doch eher kleinere Lokalitäten. Ob sich auch in der riesigen Kölnarena die typische Intensität eines BAP-Konzertes einstellen wird? Der weitere Verlauf wird zeigen, dass meine Zweifel diesbezüglich unbegründet sind.

Geschätzte 12.000 Fans sind der Einladung zur Zeitreise durch 30 Jahre BAP-Geschichte gefolgt. Beim Zusatzkonzert am darauffolgenden Tag sind es nochmal 11.000. In ihren Anfangszeiten brauchte die Band noch eine komplette Tour um solche Zahlen zu erreichen. Sogar der WDR gibt sich die Ehre und zeichnet beide Shows für`s Fernsehen auf. Die Höhepunkte sollen dann am 11. März im Rahmen der „Rockpalast“-Reihe ausgestrahlt werden. Doch soweit sind wir noch nicht.

Im Hier und Jetzt herrscht bereits vor Konzertbeginn beste Stimmung im weiten Rund, die zum Orkan ausartet als es um kurz nach 20 Uhr losgeht. Auf den beiden Videowänden erscheint ein altes Röhrenradio, das sich durch Songsnippets von Springsteen, den Beatles oder The Mama`s and Papa`s knackt. Eine Radioreportage vom EM-Halbfinalspiel 1976 Deutschland – Jugoslawien (bei dem Dieter Müller vom ersten Fussball-Club der Stadt drei Tore gelangen!) folgt nicht von ungefähr. Schließlich finden auch BAP 1976 mit „Helfe kann dir keiner“ erstmals Erwähnung in den Annalen der Rockmusik.

Dann ertönt „Wild Thing“, das Radio verschwindet und BAP übernehmen live mit ihrer Interpretation des The Troggs-Klassikers: „Wahnsinn“. Ein Opener der halten soll was er verspricht! Nahtloser Übergang in den „Waschsalon“. Bereits jetzt wird bis in die letzte Reihe Oberrang getanzt und gesungen. Der Sound ist, entgegen anderer Erfahrungen mit der Kölnarena, wundervoll fett. Die Band versprüht pure Spielfreude, allen voran Keyboarder Michael Nass (alias MC Wet) und Helmut Krumminga an der Gitarre. Es folgt „Ahl Männer“, danach – gleichsam als Motto des Abends – „Diss Naach“. Niedecken begrüsst zwischendurch Fans aus Norwegen, der Schweiz, Holland, Luxemburg, ja selbst aus Liverpool sollen welche angereist sein. Die obligatorische Frage „Sind Rheinländer anwesend?“ kann er sich heute sparen.

Weiter geht es mit „Fortsetzung folgt“ (das mir in der gefühlvolleren Originalversion deutlich besser gefällt) und „Helfe kann dir keiner“. Herrlich! Die Fans singen minutenlang den Refrain. Hier will, inklusive Band, heute abend jeder nur eines: Feiern bis zum Umfallen! Sehr schön auch die Mundharmonika-Einlage von Niedecken. Dann der Blick zurück: „Dreimohl zehn Johre“. Anschließend betritt in Anne de Wolff aus Berlin der erste musikalische Gast die Bühne und begleitet mit ihrer Geige ein Medley aus Bob Dylans „Hurricane“ und „Stell dir vüür“ (auch schon ewig nicht mehr gehört), „Rita, mer zwei“ sowie „Ahnunfürsich“.

Danach ist wieder abrocken angesagt: „Ne schöne Jrooß“. Die Kölnarena tobt! Schlag auf Schlag folgen die Ray Davies-Nummer „Hollywood Boulevard“, „Nix wie bessher“ und „Aff un zo“. Wolfgang Niedecken präsentiert den neuen Fanschal mit einem am Vereinsemblem des 1.FC Köln angelehnten BAP-Logo. Sehr geschmackvolles Teil! Bei „Rövver noh Tanger“ und „Widderlich“ gesellt sich ein weiterer Gast hinzu: Henning Wehland von den H-Blockx. Und er bringt eine Goldene Schallplatte für „Dreimal zehn Jahre“ mit! Niedecken ist sichtlich überrascht. Ich bin mir sicher, dass er davon vorher nichts wusste.

Dass drei Jahrzehnte Rock`n`Roll ihre Spuren hinterlassen zeigt sich, als die Band, quasi zum Verschnaufen, einen Unplugged-Block einstreut. Der geht mit „Jupp“ gleich gänsehautmäßig los. Ich entschwebe kurz zu einer Runde durch die Halle. Anne de Wolff hilft erneut bei „Paar Daach fröher“ aus, indem sie den Gesangspart von Meret Becker übernimmt. Die Frau spielt nicht nur toll Geige, sie hat auch eine klasse Stimme. Der „Chippendale Desch“ treibt mir endgültig die Tränen in die Augen. Anne de Wolff räumt ihren Platz für die quirlige Marta Jandova (Die Happy), die BAP für „Lena“ begleitet. Voll elektrisch gibt es dann noch „Nemm mich met“, „Unger Krahnebäume“, „Kristallnaach“ (geil!) und „Alexandra nit nur do“. Nach zweieinhalb Stunden gibt es die erste Pause. Uff!

Doch wer BAP kennt ahnt, dass es das noch lange nicht gewesen ist. Der Zugabenteil startet mit „Für ne Moment“. Niedecken widmet das Stück Ewald Lienen, der auch irgendwo in der Halle ist. Kein Wunder, gibt es doch nach der Melodie auch eine Hymne für die in zwei Wochen beginnende Rückrunde der Fussball-Bundesliga: „FC jeff Jas“! Die Kölnarena vollends zum Überkochen bringt „Frau ich freu mich“. Erst recht „Verdamp lang her“ in einer Mischung aus Hochdeutsch (mit Thomas D von Fanta 4) und Vollkölsch (Niedecken), stimmgewaltig unterstützt von den Fans. Den Abschluss der Reihe bildet „Do kanns zaubere“, das in einem Meer von Wunderkerzen untergeht.

Und immer noch kein Ende! Ich bin zwar inzwischen fast komplett heiser, aber BAP kommen trotzdem noch einmal zurück. „Jraaduss“, „Wellenreiter“ (das alle in der Halle außer mir vollständig mitsingen) und „Nähxte Stadt“ bilden den zweiten Zugabeblock. Als Abschluss gibt es noch „Hungry Hearts“ von (aber leider nicht mit) Bruce Springsteen. Unter „Oh wie ist das schön“-Gesängen ist schließlich nach fast vier (!) Stunden und 32 Songs endgültig Finito. Ein krönendes Ende für ein fulminantes Konzert!

Als ich ohne Stimme, dafür aber bestens gelaunt, wieder durch die eiskalte Nacht zurück zu meinem Auto marschiere, strahlt der Vollmond über Köln. So als hätte er genauso viel Spass gehabt wie wir! In der Form von heute dürfen BAP jedenfalls gerne nochmal 30 Jahre weitermachen. Ganz nach ihrem Motto „Alles riskiert, jewonne, verloore, dozojeliert“ (Alles riskiert, gewonnen, verloren, dazugelernt)! Ich bin schon jetzt gespannt, wie ihre Geschichte weitergeht...

Wahnsinn
Waschsalon
Ahl Männer
Diss Naach
Fortsetzung folgt
Helfe
Dreimohl zehn Johre
Hurricane / Stell dir vüür Medley
Rita
Ahnunfürsich
Schöne Jrooß
Hollywood Boulevard
Nix wie bessher
Aff un zo
Tanger
Widderlich
Jupp (unplugged)
Paar Daach (unplugged)
Chippendale Desch (unplugged)
Lena
Nemm mich met
UKB
Kristallnaach
Alexandra

Moment
Frau ich freu mich
Verdamp
Zaubre

Jraaduss
Wellenreiter
Nähxte Stadt
Hungry Hearts

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