BAP

Tour 2004

05.09.2004 Museumsmeile / Bonn

Von: Thomas Kröll

BAP Bonn

Vor gut 20 Jahren habe ich BAP das erste Mal live gesehen. Das muss im November 1983 gewesen sein und es war mein erstes Rockkonzert ever. Sowas verbindet! Damals noch in einer kleinen Sporthalle irgendwo im Westerwald vor weniger als 500 Leuten. Der Schweiß lief von den Wänden, ich war hinterher fix und alle und verspürte den dringenden Wunsch, die Welt zu verändern und alles zum Guten zu wenden. Hat nicht geklappt!

Aber BAP habe ich mir trotzdem immer wieder gerne „gegeben“, wenn auch mit zunehmendem Realitätssinn. Also pilgere ich, wie geschätzte 4.999 Andere auch, auf den Bonner Museumsplatz, um die „Ahl Männer“ nochmal abrocken zu sehen.

Ich stelle fest, dass BAP wohl mittlerweile zu den wenigen Bands im Lande gehören, auf deren Konzerte die Enkel ihre Oma mitschleppen können, ohne gleich einen Hörsturz zu riskieren. Generationsübergreifend sozusagen...

Die Sonne strahlt passend dazu und um 19 Uhr geht`s überpünktlich mit „Jedenfalls vermess“ los. Ein verhaltener Beginn von beiden Seiten, Band und Publikum tasten sich ab. Auch der Sound ist noch merkwürdig vermatscht. Dann aber spricht Wolfgang Niedecken das aus, was für den Rest des Abends zur Parole werden soll: „Wir spielen heute Songs aus der Gegenwart, dem Mittelalter und der Steinzeit“. Wobei sich im weiteren Verlauf zeigt, dass Mittelalter und Steinzeit bei den Fans immer noch am angesagtesten sind. Die Gegenwart („Unger Krahnebäume“ oder „Rövver noh Tangar“) wird immerhin freundlich beklatscht. Doch Party machen fast ausschließlich die Klassiker. Erst „Nemm mich met“, dann „Diss Naach“ – Erinnerungen kommen hoch, wie es war, damals, mit dem ersten Auto über die Ringe zu brettern. Schön! Auch „Helfe kann dir keiner“ (Niedecken als Solist an der Mundharmonika) passt dazu. Lange Abende an der Theke mit immer den gleichen Gestalten...

Spätestens mit „Aff un zoh“ geht dann unter dem Zeltdach voll die Post ab. Plötzlich stimmt auch der Sound. Niedecken erstickt fast unter einem halben Dutzend Fussballschals, die auf die Bühne fliegen, wobei der „FC jeff Jas“-Schal natürlich (und mit Recht) am lautesten bejubelt wird.

Dann ein kurzes Break, Barhocker werden auf der Bühne plaziert und plötzlich fühlte ich mich seltsam an „MTV Unplugged“ erinnert. „Suwiesu“, „Ich wünsch mir“ und „Paar Daach fröher“ werden im Sitzen gespielt. Naja, wir werden alle nicht jünger...

Dafür treten BAP anschließend das Gaspedal noch mal bis zum Anschlag durch. „Ne schöne Jrooß“, „Kristallnaach“ und „Alexandra nit nur do“ folgen. Helmut Krumminga spielt ein geiles Solo im Mittelteil und Jürgen Zöller trommelt sich langsam aber sicher in einen Rausch. Zum Abschluß gibt es noch das unvermeidliche „Verdamp lang her“, das in minutenlange „Oh, wie ist das schön“-Gesänge übergeht. Das ist es in der Tat! Fast wie 1983...

Nach 21 Songs ist erst mal Luftholen angesagt (oder wahlweise ein frisches Bier). Der erste Zugabenblock mit „Do kanns zaubre“ läßt auf dem Museumsplatz ein Meer von Wunderkerzen erstrahlen, mit „Wie ne Stein“ gibt`s eine Hommage an Bob Dylan obendrauf. Das war`s aber jetzt? Denkste!

BAP müssen wieder auf die Bühne, genauer gesagt, erst mal Wolfgang Niedecken alleine. Er stimmt „Wellenreiter“ an und das Publikum singt für ihn den kompletten (!) Text. Meine Gänsehaut ist inzwischen ungefähr zwei Meter dick! Anschließend gibt`s mit „Maat et joot“ noch eins auf die 12, aber Schluss ist immer noch nicht. „Helden“ (hier wird David Bowie die Ehre erwiesen) und „Jraaduss“ schaffen BAP noch, ehe sie nach drei Stunden (Saisonrekord für den Museumsplatz!) und 31 Songs fast schon widerwillig dem Schlafbedürfnis der Anwohner Tribut zollen müssen.

In dem befriedigenden Bewusstsein, ein großartiges Konzert erlebt zu haben, mache ich mich auf den Heimweg. Unterwegs grübele ich darüber nach, ob ich die Welt nicht doch wenigstens ein bisschen hätte retten können. Wenn ich mich nur etwas mehr angestrengt hätte in den letzten 20 Jahren...

 

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