BAP

Extratour 2010 - Einziges Konzert in Deutschland!

29.05.2010 Museumsmeile / Bonn

Von: Thomas Kröll

BAP Bonn

BAP bilden den Auftakt der diesjährigen Open Air-Saison auf der "Solarworld Summer Stage" zwischen der Bonner Bundeskunsthalle und dem Kunstmuseum. Ihr heutiger Auftritt ist das einzige Deutschland-Konzert und gleichzeitig der Abschluss ihrer "Extratour", die Wolfgang Niedecken & Co. in den vergangenen Wochen quer durch die Schweiz, Österreich und Luxemburg geführt hat. Die Kölner sind schon zum siebten Mal seit 1997 zu Gast unter dem charakteristischen Zeltdach. Aber auch das restliche Programm, das die Veranstalter um Ernst Ludwig Hartz für 2010 auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen. Zwischen Juni und September geben sich Acts wie Alice Cooper, Joe Cocker, Patti Smith, Norah Jones, Billy Idol, Foreigner, Status Quo oder Culcha Candela im ehemaligen "Bundesdorf" die Klinke in die Hand.

Heute abend ist ausverkauft gemeldet. Ich schätze die Menge auf etwa 5.000 Leute aus allen Altersklassen. Darunter auch einige Prominenz, wie zum Beispiel Schauspieler Joachim Król. Den besten Blick haben dabei zwei Drachenflieger, die während des Konzertes für kurze Zeit in luftiger Höhe über dem Platz kreisen und fleißig winken. Petrus hat offensichtlich ebenso ein Einsehen, das Wetter ist freiluftfreundlich warm und vor allem trocken. Die Wartezeit bis zum Beginn können sich die Fans an den üblichen Fress-, Trink- und Merchandising-Ständen, aber auch bei einem Info-Point von Amnesty International vertreiben. Da auf dem Museumsplatz aufgrund des Anwohnerschutzes traditionell spätestens um 22 Uhr der letzte Ton verklungen sein muss, starten BAP ungewöhnlich früh, nämlich schon um 19 Uhr in ihr Set.

Nach dem Intro aus "Zo Foos noh Kölle" (im Original vom Kölner Liedermacher Willi Ostermann) fällt der Opener mit "Psycho Rodeo" durchaus ungewöhnlich aus. Die beiden Videowände rechts und links der Bühne bieten auch für die Fans ganz hinten beste Sicht aufs Geschehen. Der Museumsplatz ist zwar zweifelsohne eine wunderschöne Location, nur leider versperren die Bäume und Stelzen des Zeltdaches vielen Besuchern den Blick. Hinzu kommt, dass BAP im ersten Drittel ihrer Show mit massiven Tonproblemen zu kämpfen haben. Der Sound ist selbst angesichts der Tatsache, dass es bei der Lautstärke für den Museumsplatz ebenfalls eine offizielle Begrenzung gibt, viel zu leise und Helmut Krummingas Gitarre bei Stücken wie "Musik, die nit stührt", "Band enn der Stadt" oder "Alexandra, nit nur do" kaum zu hören. Leider fällt dem auch "Ne schöne Jrooß" zum Opfer. Die Fans machen ihrem Unmut darüber deutlich Luft und auch Wolfgang Niedecken wirkt leicht angesäuert ("Ich frage mich warum wir vorher stundenlang Soundcheck machen").

Spätestens bei "Nix wie bessher" hat der Tonmann dann glücklicherweise doch noch die richtigen Regler gefunden. Der Sound kommt jetzt zwar etwas matschig rüber, aber immerhin laut. Und mit dem besseren Sound steigt auch gleich die Stimmung. Songs wie "Et ess wie`t ess" oder "Aff un zo" werden entsprechend abgefeiert. Niedecken feiert mit, indem er sich einen FC-Schal umhängt. Auch viele Fans sind mit Schals des ersten Fussball-Clubs der Domstadt gekommen, sogar eine FC-Fahne wird gesichtet. Recht so! Wie es sich für ein zünftiges Abschlusskonzert gehört, haben sich BAP einige Gäste nach Bonn eingeladen. Allen voran die drei Damen von Ganes, Marlene und Elisabeth Schuen sowie Maria Moling, allesamt Sängerinnen in der Band von Hubert van Goisern. Sie unterstützen BAP gesanglich bei "Schluß, Aus, O.K." und geben dann mit "Da Sóra" (zu Deutsch: "Allein") auch noch einen eigenen Song auf "ladinisch" zum Besten. Ladinisch ist quasi das Südtiroler Pendant zum Kölsch. Ebenfalls mit von der Partie sind Ulrich Rohde ("Chippendale Desch") und Julian Dawson, der das Dylan-Cover "Like A Rolling Stone" singen darf, aus dem zwischendurch BAPs "Wie ne Stein" wird. Nicht zu vergessen natürlich Anne de Wolff an Geige und Banjo. Überhaupt erweist Niedecken seinem Idol Bob Dylan einmal mehr die Ehre, denn auch dessen "Hurricane" (auf Kölsch: "Stell dir vüür") findet sich im Set wieder, dazu Bruce Springsteens "Hungry Heart", bei dem Niedecken den Publikumschor dirigiert, getrennt nach Frauen und Männern. Wie gewohnt erzählt der fast 60-jährige zwischen den Stücken lustige und ernste Geschichten über deren Entstehung.

Emotionaler Höhepunkt ist der Block aus "Noh Gulu", "Bahnhofskino" (herrlich!), "Kristallnaach" und "Diego Paz wohr nüngzehn". Gänsehaut pur! Dummerweise fängt es mit Beginn der Zugaben dann doch noch an zu regnen, was die ausgelassene Stimmung jedoch kaum dämpfen kann. Nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika intoniert Wolfgang Niedecken "Für ne Moment", das der geneigte Fussballfan auch als "FC, Jeff Jas" kennt. Dem folgen "Wat für`e Booch", "Domohls" und das unvermeidliche "Verdamp lang her". Wunderbar auch "Do kanns zaubre" und "Jraaduss", bei denen die Fans ihre Textsicherheit ein letztes Mal unter Beweis stellen können. Mit "Songs sinn Dräume" entlassen uns BAP schließlich in die inzwischen dunkle Bonner Nacht und zum Schluss verabschieden sich noch einmal alle Protagonisten des Abends gemeinsam auf der Bühne. "Et woor schön, et woor joot" un am Eng och nit ze koot, denn BAP überziehen den Curfew - Anwohnerschutz hin oder her - um eine Viertelstunde. Nach 29 Songs gibt es dann wohl auch niemanden, der hier trotz der technischen Anlaufschwierigkeiten unzufrieden nach Hause geht.

Es war mal wieder eine gelungene musikalische Erinnerungsreise und Gegenwartsfeier zugleich. Dazu der erneute Beleg, dass BAP selbst nach über dreißig Jahren kaum etwas von ihren Live-Qualitäten eingebüßt haben. Und dabei muss man noch nicht mal die lokalpatriotische Brille anziehen. Dem Vernehmen nach geht das Quintett jetzt erstmal ins Studio. Das neue Album wird ab Oktober aufgenommen, die Veröffentlichung ist für März 2011 geplant. Bess demnähx also!

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