BAP

Greatest Hits Tour 2007

11.08.2007 Roncalliplatz / Köln

Von: Thomas Kröll

BAP Köln

Was kann es für einen Kölner Schöneres geben als ein BAP-Konzert auf dem Roncalliplatz direkt im Schatten der Domtürme? Eine Deutsche Meisterschaft mit dem FC vielleicht... Am 10. und 11. August lassen Wolfgang Niedecken & Co. hier ihre Greatest Hits Tour zum 30jährigen Bandjubiläum, die im Januar des vergangenen Jahres in der Kölnarena begann (Review), standesgemäß ausklingen. Sogar der erste Fussballclub der Stadt gibt sich mit versammelter Mannschaft, Trainern und Betreuern die Ehre und mit ihnen sorgen 8.000 Fans für eine restlos ausverkaufte Kulisse. Diesmal zeigt sich auch das Wetter im Gegensatz zum gestrigen Konzert von seiner strahlendsten Seite. Es ist also alles angerichtet. "Wir rocken den Dom" lautet das Motto.

Das Bühnenbild wird beherrscht von einer überdimensionalen umgedrehten Dompostkarte, dem Cover des ersten BAP-Albums "...rockt andere kölsche Leeder" von 1979. Quasi als Vorgruppe gibt es zunächst minutenlanges Glockengeläut aus den Höhen des echten Domes, ehe als Ouvertüre zarte Walzerklänge vom Band erklingen. BAP eröffnen den Abend mit "Nix wie bessher" und die nächsten dreieinhalb (!) Stunden werden zu einer musikalischen Reise bis zurück in die Steinzeit einer Band, die die kölsche Mundart bis nach China und Nicaragua hoffähig gemacht hat. Von der Originalbesetzung ist zwar nur noch Wolfgang Niedecken übrig und nicht wenige vermissen Gitarrist Klaus "Major" Heuser, aber ebenso viele halten das aktuelle Line-Up mit Werner Kopal am Bass, Helmut Krumminga an der Gitarre, Keyboarder Michael Nass und Schlagzeuger Jürgen Zöller für das Beste seit Gründung der Band. Handwerklich sind die Fünf jedenfalls perfekt aufeinander eingespielt und auch der Sound ist makellos.

Weiter geht es im Set mit "Alexandra, nit nur do" und "Ahl Männer, aalglatt" vom gleichnamigen Album von 1986, das einen Imagewandel zur Folge hatte, der nicht jedem gefiel: Weg von der Jeanshemden-Fraktion hin zur gereiften Rockband. Dass auch Niedecken inzwischen durchaus selbstironisch auf manche Phase seines Schaffens zurückblicken kann, beweist er mit "Dreimohl zehn Johre". Zu den Uralt-Klassikern aus diesen drei Jahrzehnten BAP gehören zweifellos das wunderbare "Helfe kann dir keiner" oder "Stell dir vüür" zur Melodie von Bob Dylans "Hurricane". Die Band hat die Songs entstaubt und neu arrangiert, was teilweise etwas überproduziert und fremd klingt. Schließlich sind das alles Songs, mit denen wir gross geworden sind und in denen wir uns auch heute noch zum x-ten Male wiederfinden. Unterstützung erfahren BAP dabei von Anne de Wolff an der Geige. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung unter den Fans, von denen viele mit Kind und Kegel gekommen sind. Man wird eben gemeinsam älter. Da wird gesungen und getanzt. Die Texte kennt hier sowieso jeder auswendig (und versteht sie auch).

Was für immer bleiben wird, sind viele schöne Erinnerungen. An "Ne schöne Jrooß", die Gänsehaut-Ballade "Do kanns zaubre", die unplugged noch um einiges intensiver rüberkommt als ohnehin schon oder an "Frau, ich freu mich". Für wieviele kleine und grössere Begebenheiten in unserem Leben waren das die Soundtracks? Während "Aff un zo" huldigt Niedecken dann seiner dritten grossen Leidenschaft neben Musik und Malerei. Dem Fussball. Als er dem FC, wie es sich in Köln gehört, nach dem erfolgreichen Saisonauftakt am Abend zuvor auf St. Pauli gleich den Durchmarsch in die Champions-League prophezeit, erntet er einen Hagel aus Fanschals. Darunter auch einer von Borussia Mönchengladbach. Da beweist jemand echten Humor! Ernster geht es bei den beiden Anti Nazi-Hymnen "Kristallnaach" und "Arsch huh, Zäng ussenander" zu, letzteres veredelt durch Vassilios Nikitakis an der Bouzuki und Kalau am Saxophon, BAP-Mitstreiter der ersten Stunde. Zwischendurch gesellt sich mit Joo Kraus (Trompete) ein weiterer Gast auf die Bühne ("Diss Naach ess alles drin" und "Amerika"). "Wie ne Stein" beendet das reguläre Set eines bis dahin herrlichen Abends. Auch der Dom ist mittlerweile beleuchtet, so als hätte sein Chef ganz oben selbst genauso viel Spass an der Geschichte wie wir.

Und es ist ja noch nicht Schluss. BAP geben mit "Wahnsinn", "Waschsalon" und "Nemm mich met" nochmal so richtig Gas. Bei "Maat et joot" versammeln sich dann alle Gäste auf der Bühne und sorgen für einen furiosen Ausklang. Denkste! Als ich persönlich meine Beine schon nicht mehr spüre und sich meine Arme aufgrund des Dauerklatschens längst in zwei Holzstücke verwandelt haben, setzen BAP erst zum Höhepunkt an. Und der besteht aus dem obligatorischen "Verdamp lang her", "Jraaduss", dem himmlischen "Wellenreiter" und einem Cover von Bruce Springsteens "Hungry Heart" als Sahnehäubchen. 30 Songs, mehr geht nicht. Für jedes Jahr einen...

Zugegeben, Niedeckens Ansagen wirken manchmal etwas langatmig. Auch die Setlisten könnten die eine oder andere Variation mehr durchaus vertragen (bis auf vier Ausnahmen waren es an beiden Abenden dieselben), besonders wenn ich an Stücke wie "Jupp", "Eins für Carmen un en Insel" oder "Bahnhofskino" denke. Aber okay, da bräuchte es wahrscheinlich vier oder fünf Abende hintereinander, damit BAP auch den letzten Wunsch erfüllen könnten. In dreißig Jahren kommt halt einiges zusammen. Trotzdem hätte man sich wohl kaum einen würdigeren Abschluss und einen imposanteren Ort für das Ende der Jubiläumstour als diesen denken können. Bevor ich meinen Beinen befehle sich Richtung Heimat in Bewegung zu setzen, erhebe ich mein letztes Kölsch, proste zufrieden dem Dom zu und freue mich jetzt schon auf die nächsten dreißig Jahre mit BAP. Bess demnähx! 

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