Baroness

Tour 2010 - Support: DŸSE & Nebra

30.01.2010 Gebäude9 / Köln

Von: Thomas Welsch

Baroness Köln

Fangen wir mal mit dem Ende eines langen Konzertabends im fast ausverkauften Kölner Gebäude 9 an: Baroness-Sänger John Baizley richtet hörbar außer Atem das Wort ans Publikum. Der mitteleuropäische Winter sei hart für Südstaatler wie ihn und gestern nach dem Gig in Leipzig sei er richtig krank geworden. Es sei unglaublich schwer für ihn gewesen, sich für den heutigen Auftritt körperlich aufzuraffen und zu motivieren. Es hätte jedoch nur zwei Sekunden auf dieser Bühne gebraucht und alle Leiden und Zweifel waren verflogen. Was pathetisch klingen mag, nehme ich ihm voll ab. Der Frontmann wirkt ebenso entschlossen wie authentisch. Von seiner Beeinträchtigung war nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Hoch energetisch und in bester Spiellaune präsentierte er sich zusammen mit seinen drei Weggefährten.

Zuvor unterhalten DŸSE (für Nebra komme ich leider zu spät) auf ihre ganz eigenwillige Art das Kölner Publikum. Besonders Schlagzeuger Jari Rebelein weiß durch aberwitzige Ansagen zu gefallen. Ob mit oder ohne ADS, an Hyperaktivität scheint es ihm nicht zu mangeln. Und während immer mehr Zuschauer beginnen, sich für das Noise-Rock-Duo zu interessieren, sagt Jari: "Und wenn ihr mehr über uns erfahren wollt... das könnt ihr gleich wieder vergessen!". Wunderbar. Vor allem der Song "Treppe" macht Spaß. Die Zusammengehörigkeit der beiden findet Ausdruck im Tragen zweier Shirts, die vertikal in der Mitte getrennt und mit dem Teil des anderen wieder zusammengenäht wurden. So entsteht optisch eine Einheit aus schwarz und weiß.

Diese Form der Farbenlehre setzen Baroness, wenn auch auf andere Art und Weise fort. Ihre beiden bisherigen Longplayer sind nach den Farben Rot und Blau benannt und je nachdem, von welchem der jeweils gespielte Song ist, wird die Bühne in ein tiefes Rot oder Blau getaucht. Selten hab ich so bewusst auf die Beleuchtung geachtet. Die Musiker aus Georgia haben es geschafft, diesen Farben eine ganz eigene musikalische Nuance zu geben. Man darf gespannt sein, in welche Sphären des progressiven Metals uns diese Kolorierung noch führen wird. An diesem Abend präferiere ich das Rot. Das wundert mich nicht, da ich "The Red Album" dank seiner Vielschichtigkeit für das gelungenere halte. So komme ich vor allem gegen Schluss auf meine Kosten. Das instrumentale "Grad" ist ein kleines Meisterwerk, in dem Baroness beweisen, dass die Energie des Metals nicht unbedingt in der zügellosen Geschwindigkeit und lautem Growling liegen muss.

Der Abend steht aber doch im Zeichen der Farbe Blau. Der Beginn des Konzerts bestand schon aus den ersten drei Songs der "Blue Record" vom Intro "Bullhead´s Psalm" bis zum hymnischen "Jake Leg", bei dem Baroness eine ihrer ganz großen Stärken, den raffinierten Tempowechsel, unter Beweis stellen. Da bei soviel Komplexität das Headbangen zur echten Herausforderung wird, verzichtet das Publikum so gut wie komplett darauf. Baroness sind eben das Gegenteil von Klischee-Metallern, was sich auch in der Vielfalt der Fans widerspiegelt. Welche Metal-Combo hat schon ein Hendrix-Cover im Repertoire? Baroness haben sich für "Machine Gun" entschieden. Welch unterschiedlichste Gesichter ein Song doch haben kann. Besonders euphorisch wird "A Horse Called Golgotha" aufgenommen, wobei ich "Swollen And Halo" nicht nur heute bevorzuge, sondern generell für den besten Song des aktuellen Albums der Amerikaner halte. Am Sound gibt es nicht viel zu mäkeln, bis auf die Tatsache, dass der Gesang des zweiten Gitarristen Pete Adams immer dumpfer und dröhnender aus den Boxen kommt.

Baroness spielen ihr komplettes Set ohne wirkliche Pause durch. Angesichts der Intensität, die sie auf die Bühne bringen, bedeutet das physische Höchstleistung. Sie gönnen sich und dem Publikum keine Erholungsphasen und so ist ihr Auftritt derart dicht, dass man nach dem 75-minütigen Set den Eindruck hat, sie hätten länger gespielt. Mit einem Cover der britischen Punkband Blitz entlässt Baroness das aufgeheizte Publikum in die verschneite Nacht. Sie werden bestimmt gerne wiederkommen. Vielleicht nicht gerade im tiefsten Winter.  

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