Baskery

Tour 2009

01.04.2009 Glanz & Gloria / Osnabrück

Von: Sascha Knapek

Baskery Osnabrück

Als sich die drei Bondesson-Schwestern von Baskery um 22 Uhr den Weg auf die Bühne bahnen, steckt in der Floskel, "den Weg bahnen", eigentlich nicht viel Wahrheit. Knapp 40 Besucher haben an diesem Mittwochabend ins Osnabrücker ‘Glanz & Gloria‘ gefunden, wahrlich keine Rekordkulisse. So ist der kurze, längs durch den Club führende Weg vom Backstagebereich auf die Bühne schnell zurückgelegt und die etwas spärlich gefüllten Reihen im ersten Viertel des Raumes schnell hinter sich gebracht. Zielsicher steuert Stella (29) ihren eindrucksvollen Kontrabass an, Greta (31) nimmt zwischen ihren beiden Schwestern auf einem Stuhl Platz und werkelt am Banjo und dem von ihr mit dem Fuß betätigten Schlagzeug herum, und die jüngste, Sunniva (26), schnallt die standesgemäße Dobro – und später die Akustikgitarre – um. Noch unterhält man sich auf Schwedisch, am schelmischen Grinsen der Damenbande kann man jedoch schon erkennen, dass sich das bald ändern könnte.

Gleich zu Beginn steuert das Trio mit “Here To Pay My Dues“ wohlige Gefilde an und hat die etwas spärliche, aber enthusiastische Menge schnell im Griff. Generell kann man sagen, dass die drei hübschen Schwedinnen es mit dem zu 80% aus Männern bestehenden Publikum von Beginn an nicht sonderlich schwer haben – durch die Bank weg hängen die Herrschaften sofort an den Lippen der singenden Ladies. Richtig vermutet spricht das Trio fortan untereinander nur Schwedisch, wenn man nicht möchte, dass das Publikum mitbekommt, um was es gerade geht. Ansonsten wird zwischen den Songs abwechselnd auf Deutsch oder Englisch geflachst, die ehemals in Köln beheimatete Sunniva übernimmt dabei den Löwenanteil der landessprachlichen Kommunikation.

Sichtlich bestens aufgelegt und schwesterlich aufeinander eingespielt rocken Greta, Stella und Sunniva sich durch ihr Set. Der Sound ist auffallend rau und, was äußerst positiv ankommt, krachender, als auf dem aktuellen Debütalbum “Fall Among Thieves“. "I’m the bad karma of bad gear", sagt Greta, als sie ihr eh schon Tremolo-loses Banjo und das vor ihr stehende Schlagzeug mit Panzerband flicken muss. Ob es am kaputten Tremolo liegt, oder der Banjo-Sound live immer so überaus direkt und rau daherkommt, weiß ich nicht, aber was die älteste Schwester aus ihrem Zupfinstrument herausholt, ist an diesem Abend einfach nur unglaublich. Das Ganze hat etwas von einer verzerrten E-Gitarre und trotzdem weilt „nur“ ein Banjo in den Händen der 31-jährigen Blondine – man muss sich fast selbst kneifen, um zu glauben, was man da hört.

Addiert man dann noch diesen dermaßen coolen und im herrlichsten Sinn dumpfen Bassklang der brünetten Greta dazu, und rundet alles mit Sunnivas Akustikgitarre ab, hat man für diesen Abend das perfekte Mischgetränk aus Country, Hillbilly, Slap-Jazz, Folk und purem Rock’n’Roll. Die Geschwister bezeichnen ihren Sound als Horse-Jazz und Nummern wie “Spoken Word“ und die im Publikum Dance-Moves provozierenden “One Horse Down“ und “Why Don’t Ya“ sind dafür die anschaulichsten Beispiele. Die Menge ist zwar keine, aber beim Abfeiern der drei Schwedinnen lassen sich die Osnabrücker Konzertgänger wahrlich nicht lumpen.

Das Set besteht größtenteils aus Tracks der bisher einzigen Baskery-Platte. “On A Day Like This“, “Oscar JR Restaurant Bar“ oder “Harsh“ werden nur vom brandneuen Stück ”Shame On” unterbrochen. Die positive Publikumsreaktion auf die neue Nummer freut alle Bondessons sichtlich. Dreistimmig geht es durch den ganzen Abend und die Organe der Schwestern passen so perfekt zusammen, ich könnte und wollte niemanden herausheben. Bei den Instrumenten dominieren unmissverständlich Gretas unaufhaltsam polternder Kontrabass – eine Art Lebenslinie des gesamten Bühnenpakets – und Stella, die Multitaskerin in der Bühnenmitte. Das Baskery-Herz schlägt zentral, und als dann zum Banjo noch die Mundharmonika hinzukommt, ähnelt das fast einer klanglichen Fidel.

Lang auf die Zugabenpause einzugehen macht nicht viel Sinn. Sie dauert nur eine knappe Minute und schon machen Baskery mit dem Song weiter, mit dem sie uns eben noch verlassen hatten. “Haunt You“ wird zur minutenlang improvisierten Jamsession und hat auch textlich den ein oder anderen Höhepunkt zu bieten. Sunniva öffnet die Zauberkiste und singt von ihrem ersten Deutschunterricht, bei dem es um eine gewisse Claudia aus Bremen ging. Greta und Stella schrubben und zupfen beseelt, während das Nesthäkchen weitere Geschichten auspackt. Ein Elvis-Teaser (“Little Sister“), eine lustige Eigenvorstellung aller Schwestern und ganz viel Leidenschaft prägen die letzten zehn Minuten im ‘Glanz & Gloria‘. Nach fast anderthalb Stunden ist das Trio dann nach dem schier endlosen “Haunt You“ fertig. Die 40 Besucher sind den hübschen Schwedinnen schon nach fünf Minuten verfallen, man kann sich vorstellen, wie selig alle nun nach 90 Baskery-Minuten den Heimweg antreten.

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