Mach Blau - Tour 2011
Endlich mal wieder ein BASTA-Konzert in erreichbarer Nähe: am 28. September im Casino am Kornmarkt, Trier. Vor wenigen Tagen ist das aktuelle Album der Kölner A-cappella-Truppe erschienen. Nachdem sie in den letzten Monaten mit dem Programm "10 Jahre BASTA" auf Jubiläumstour unterwegs waren, heißt es nun "Mach blau".
So war dann auch die Bühne ganz in blaues Licht getaucht, als die Fünf zu den Klängen des weisen Songs "Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen" die Bühne betraten. Das Publikum im ausverkauften Casino war von Beginn an begeistert. Es ist die Mischung aus tollen Melodien (fast alle aus der Feder des jüngsten BASTA-Sängers William Wahl), dem unberechenbaren Wortwitz und einer unvergleichlichen Spontanität, die jedes Konzert zum besonderen Erlebnis werden lassen. Da kann im Redefluss von Thomas Aydintan schon mal die ganze Truppe vor Lachen aus dem Konzept geraten. Oder das Singen geht in ein fassungsloses Grinsen über, wenn der Ventilator am Bühnenvordergrund Williams Hemd plötzlich in bester Marilyn-Monroe-Manier nach oben flattern lässt. Köstlich!
BASTA spielten (mit Ausnahme von "BGS-Girl") fast ihr komplettes neues Album "...macht blau". Viele im Saal werden es noch nicht gekannt haben, da es erst seit wenigen Tagen auf dem Markt war. Doch das war kein Problem. Die Songs sprechen für sich – und manchmal ist es sogar besser, sie live zu erleben. Dann bekommt mit den Konzertbildern im Kopf auch die Studioversion eine ganz neue Qualität. Beispiele? Das aktivistisch-aggressive Politstück "Abschalten" und die Performance zu "Optische Enttäuschungen" wirkten auf der Bühne viel stärker, als ich sie von der CD in Erinnerung hatte. Und dann die Choreographie-Einlage namens "Frierende Pinguine im Sturm" zum Stück "Sitzen oder stehen", die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.
Am besten gefielen mir von den neuen Songs das hochaktuelle "Appdepp" mit der ungewöhnlichen Bitte, dass doch jemand seinen nächsten Hund "Dezi" nennen solle, um einer bestimmten Textzeile mehr Sinn zu verleihen. Und die beiden typischen Williams-Balladen "Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt" und "Meine liebsten Lieder". Was den Reiz gerade dieses verträumten Songs ausmacht, ist schwer zu beschreiben. Doch wenn William gesanglich beschreibt, über welche abenteuerlichen Themen er gerne mal singen würde, schmelzen die Herzen dahin.
Natürlich gab es auch einige ältere Titel, deren Frequenz zum Ende des Konzerts hin zunahm. "Wer hat gesagt" wurde in einer ultraschnellen Zungenbrecher-Version dargeboten. In wundervollen Parodien brillierten Renè Overmann als extrem schüchternes "Wild Thing" und Thomas Aydintan als Liedermacher "Gefangen im Leib von Reinhard Mey". Werner Adelmann lieferte eine eigenwillige Übersetzung von Abbas "S.O.S. " und selbst der "Bratislava Lover" feierte eine Wiederauferstehung. So war auch für langjährige Kenner der Band so mancher Leckerbissen mit dabei.
An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass das neue Programm noch nicht so ganz rund läuft. Aber wie immer machten BASTA aus der Not eine Tugend und erfreuten die Zuschauer mit kleinen Kabbeleien und Lästereien, wenn ein Kollege den Text vergessen hatte oder die Tanzeinlagen nicht ganz dem einstudierten Ablauf entsprachen. Das macht die große Klasse von BASTA aus – auf der Bühne sind sie unschlagbar. Es gab nicht enden wollenden Applaus und zunächst drei Zugaben: den WM-Hit "Gimme Hope Joachim", jetzt textlich ganz auf die kommende EM zugeschnitten, den etwas unappetitlichen Song "Schinkenpelz" als Vorgriff auf die anstehende Weihnachtszeit und ganz zum Schluss Renè Overmann in seiner Rolle als Herbert Rosenberg mit "Er gehört zu mir".
Wer nach dem Konzert noch etwas ausharrte, konnte am CD-Stand Autogramme aller Sänger ergattern und sich an einem Wunschlied erfreuen. Es gab den BASTA-Oldie "Lauch" – jetzt ganz ohne technische Hilfsmittel, einfach frei heraus in die inzwischen geschrumpfte Zuschauermenge gesungen. Live sind BASTA für mich die Nummer 1. Noch vor den Newcomern VIVA VOCE, vor den Altmeistern 6-Zylinder, und auch vor den Chartbreakern Wise Guys. Von den Live-Qualitäten sollte sich jeder mal überzeugen. Gelegenheiten gibt es viele, denn die Tour des Quintetts endet quasi nie.
Setlist:
Es bringt nichts, auf der Waage den Bauch einzuziehen
Guten Morgen
Wenn der Duschvorhang der Einzige ist, der an dir hängt
Appdepp
Frühstück bei Stefanie
Wer hat gesagt
Cool
Abschalten
Lass mich bei dir sein
Wild Thing
Gefangen im Leib von Reinhard Mey
Liechengrand
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Mach blau
Gegensätze
S.O.S.
Sei mein Feind
Optische Enttäuschungen
Spielerfrauen
Meine liebsten Lieder
Sitzen oder stehen
Bratislava Lover
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Gimme Hope Joachim
Schinkenpelz
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Er gehört zu mir
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Lauch