Hamburger Kultursommer - Tour 2011 - Support: StompinÂ’ Souls, The Subways
"Wir sind die BEATSTEAKS aus Berlin!" ist traditionell DER Slogan, mit dem die fünf Berliner Urgesteine jedes ihrer Konzerte eröffnen und wieder beenden. Die fünfköpfige Punk-Rock Band um den legendären Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß (Gesang/Gitarre) wurde 1995 von den Bandgründern Peter Baumann (Rhythmusgitarre/Gesang) und Bernd Kurtzke (Leadgitarre/Gesang) ins Leben gerufen, Thomas Götz (Schlagzeug/Gesang) und Thorsten Scholz (E-Bass) stießen dann erst nach 1998 zur Band hinzu. Zunächst prägte vorrangig der krachende Hardcore Punk, teils noch mit deutschen Texten, ihre musikalische Underground-Ausrichtung. Mit ihrem aktuellen Album "Boombox" (VÖ Januar 2011), welches ihre stilistische Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren am deutlichsten dokumentiert, schafften sie sogar direkt den Sprung auf die vordersten Plätze der deutschen Albumcharts. Vor allem durch ihre außerordentlich unterhaltsamen Liveshows, ihre sympathische und coole Art, die kesse Berliner Schnauze und nicht zuletzt wegen ihrer mittlerweile weit gefächerten musikalischen Bandbreite, haben sich die BEATSTEAKS hierzulande sogar schon als "Beste Live-Band Deutschlands" etabliert. Voller Erwartung blicke ich also auf mein bereits sechstes BEATSTEAKS Konzert und bin mir schon im Vorfeld absolut sicher, dass auch es auch dieses Mal wieder ein voller Erfolg werden wird.
Nach den unzähligen Wettereskapaden der letzten Wochen ist heute mit den BEATSTEAKS glücklicherweise auch der Sommer nach Hamburg zurückgekehrt. Mit hochsommerlichen Temperaturen und Sonnenschein pur blicke ich voller Vorfreude auf das Open Air Konzert im Rahmen des Hamburger Kultursommers. Die Metrobuslinien nach Bahrenfeld sind schon zwei Stunden vor Konzertbeginn zum Bersten mit Fans gefüllt, an den Kneipen rund um die Trabrennbahn wird sich schon ausgelassen "warm getrunken", muss man doch seit September in Bus & Bahn auf seinen Drink verzichten. Auf dem Konzertgelände selbst kommt direkt wieder Festivalfeeling auf, der Veranstalter hat sich hier wirklich Mühe gegeben, um dem Konzertbesucher sowohl kulinarisch als auch atmosphärisch einiges zu bieten. Noch ist sogar der Zugang zum Bereich vor der Bühne zur ersten "Welle" möglich, ein extra Bändchen sichert uns die Möglichkeit, auch später wieder dorthin zurückzukehren.
Die Stimmung des vorwiegend jungen Publikums (vor allem im bühnennahen Bereich) ist außerordentlich entspannt, die Fans sind weitestgehend noch mit Essen, Trinken und Gesprächen beschäftigt, als pünktlich um 18:00 Uhr die erste Vorband Stompin` Souls ihr Set beginnt. Das in Deutschland noch nicht allzu bekannte, 2003 gegründete schwedische Alternative-Rock Quintett um Frontmann Thomas Carlsson (mit dabei Keyboarder Emil Nilsson und Gitarrist Marcus Bergkvist von Friska Viljor) hat es heute ein wenig schwer bei den vielen eingefleischten BEATSTEAKS-Fans, obwohl sie uns einen durchaus lobenswerten Auftritt präsentieren. Ihre Musik bewegt sich zwischen dem Garage- und Sixties-Sound, der auf ihrem Debütalbum von 2008 "And It's Looking A Lot Like Nothing At All" noch sehr stark präsent war und melodischem Schweden-Rock, der seit dem zweiten Album "Silhouettes" 2009 durch ihre Weiterentwicklung wesentlich moderner klingt. Trotzdem sind ihre schwedischen Wurzeln und somit auch stilistische Parallelen zu Landeskollegen wie (International) Noise Conspiracy, The Hives und Mando Diao spürbar. Es ist schon ein wenig schade, dass das Publikum ihnen doch recht wenig Aufmerksamkeit schenkt, so wird ihr "kleines" Konzert nicht viel mehr als ein Appetithäppchen zum Neugierig werden. Bei nächster Gelegenheit lohnt es sich auf jeden Fall, bei einem ihrer Clubkonzerte vorbeizuschauen, um sie sich dann noch einmal in voller Konzertlänge anzuhören. Nach einer halben Stunde beenden sie um 18:30 Uhr ihr Konzert, um die Bühne für The Subways frei zu machen.
Um 18:50 Uhr betritt dann schon die dreiköpfige britische Indie- und Garage-Rock Band die Bühne, bestehend aus dem inzwischen feuerrotköpfigen Sänger Billy Lunn (Gitarre, Gesang), seinem Bruder Josh Morgan (Schlagzeug) und Charlotte Cooper (Bass), die alle zusammen in der Nähe von London aufwuchsen. Vor allem durch die mehrmaligen Festivalauftritte u.a. beim Hurricane Festival haben The Subways ihren Bekanntheitsgrad in den letzten Jahren im Norden erheblich steigern können. Bevor sie in Kürze ihr drittes Studioalbum "Money And Celebrity" (VÖ: 16.09.) herausbringen und im Herbst auf große Deutschlandtour gehen, beglücken sie uns heute noch als Supportband.
Mit den Worten "Wir sind The Subways und wir lieben Hamburg" starten sie in ihr mitreißendes Set, bei dem die Fans von Beginn an in den Refrains recht textsicher mitsingen. Das beim Publikum ganz offensichtlich sehr beliebte Rocker-Trio reißt die Stimmung mit seiner energetisch geladenen Bühnenshow an diesem lauen Sommerabend spürbar nach oben. Während Rockröhre und Bassistin Charlotte in ihrem Glitzeroutfit headbangend über die Bühne tobt präsentieren sie uns sowohl neue Songs wie "We Don´t Need Money To Have A Good Time", der durchaus schon vor der offiziellen Albumveröffentlichung Ohrwurmcharakter hat, als auch ältere Songs wie ihren Rock-Klassiker "Rock & Roll Queen", bei dem schließlich die ganze Crowd vor der Bühne am Springen, Mitklatschen und Mitgröhlen ist. Mit der Organisation eines Circle Pits, euphorischen "Are you ready for the Beatsteaks"-Mitmachspielchen und einem kurzem Stagedive ihres Frontmannes ist die Menge erst richtig in Stimmung gekommen. Passenderweise beenden sie ihr Konzert mit dem Song "It´s A Party" und verlassen bei stürmischem Applaus um 19:20 Uhr die Bühne. Man könnte sagen ein perfektes Warm Up für die Headliner Show der BEATSTEAKS!
Das Gedränge im abgesperrten Bereich vor der Bühne ist mittlerweile groß, jeder will möglichst noch ein Extrabändchen ergattern, um ganz vorne mit dabei zu sein. Denn um 20:00 Uhr sind sie endlich da, die sehnsüchtig erwarteten BEATSTEAKS! Mit dem kurzen Ausruf "Wir sind die verdammten Beatsteaks aus Berlin" rocken sie direkt mit "Visions" los. Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß, die von allen aufgrund seiner exzellenten Live Performance so geliebte Rampensau, kommt traditionell mit Hut und Ringelshirt und begrüßt uns mit seiner fröhlich-frechen Art zur bevorstehenden "Sommersause". Mit "Monsters" im Anschluss verfallen die Fans sofort in "So kick it, so kick it, oh oh you´ve got it!"–Chöre, während Arnim lässig sein Mikro im Lindenberg-Stil kreisen lässt. Vom ersten Moment an werden die Arme der Massen immer wieder gen Bühne gestreckt, geklatscht, gehüpft und mitgegröhlt, ein jeder kennt hier den Text, da besteht kein Zweifel. Wie erwartet ist der Auftritt der sympathischen Berliner praktisch ein Selbstgänger, denn sie wissen einfach mittlerweile, dass sie live verdammt noch mal genial sind! Arnim ist berühmt und berüchtigt für seine Lockerheit, mit der er das ganze Konzert zwischen Publikum und Band moderiert, ein Entertainer wie er im Buche steht. So gelingt es ihm in kürzester Zeit, die Stimmung im Publikum zum Brodeln zu bringen, allerspätestens bei "Hand In Hand" gibt es vor der Bühne kein Halten mehr, das gesamte Publikum scheint im Takt zu beben und fällt im Anschluss am heutigen Abend erstmals in "BEATSTEAKS, BEATSTEAKS!"-Rufchöre, welche sich wie ein roter Faden durch ihre Konzerte ziehen. Er hat seine Fans scheinbar komplett in der Hand, denn sie kommen jeder "Handlungsanweisung" sofort nach und lassen sich mehr und mehr von seinem Entertainment in den Bann ziehen. Spontane Aktionen wie der Tanz mit einem Mädchen auf der Bühne und natürlich oder auch sein immer wiederkehrender legendärer Hüftschwung machen diese Band so einmalig. Als später gegen Ende des Konzerts ein BH auf die Bühne fliegt, macht sich Arnim direkt einen Spaß draus und hängt diesen zur allgemeinen Belustigung an seinen Mikrofonständer. Da wirkt irgendwie nichts künstlich, gestellt oder gar arrogant, wie es bei vielen anderen bekannteren Bands zu beobachten ist.
Nach dem traditionell zuletzt gespielten Kultsong "Let Me In" und der dazugehörigen Publikumperformance – erst hinknien und dann im richtigen Moment aufspringen - verabschieden sich unsere Lieblingsberliner um 21:10 Uhr zum ersten Mal mit "Wir sind die BEATSTEAKS aus Berlin!". Doch nach lautstarken "BEATSTEAKS"- und "Oh Oh Oh Oh"-Rufen und tosendem Applaus lassen sie ihre Fans nicht lange auf die Zugaben warten. Wir freuen uns über weitere fünf tolle Songs aus ihrem großartigen Repertoire, dabei sind sowohl ältere Stücke wie "Frieda und die Bomben", gesungen von Peter Baumann, als auch "Milk & Honey" von ihrem aktuellen Album. Sie kommen sogar noch ein drittes Mal zurück, als das Publikum auch um 21:40 Uhr noch nicht genug von ihnen kriegen kann, und beenden schließlich mit "Hail To The Freaks" um kurz vor Zehn ihre sensationelle Sommersause.
Die Hamburger Fanbase liebt ihre BEATSTEAKS eben einfach, ob sie nun ihre älteren rockigeren Stücke wie "Panic" und "Atomic Love" spielen, zu denen die Fans pogen und Circle Pits bilden, ihre ruhigen Songs wie "Hey Du", wo alle absolut textsicher mitsingen, oder die etwas eingängigeren Titel mit zum Teil ganz neuen musikalischen Einflüssen von ihrem aktuellen siebten Studioalbum "Boombox". Diese Liebe beruht offensichtlich aber auf Gegenseitigkeit, denn in keiner anderen Stadt außerhalb Berlins haben sie so oft gespielt wie in Hamburg, heute spielen sie nämlich bereits ihr zwanzigstes Konzert in der Hansestadt. Mit einer breit gefächerten Songauswahl aus ihren vielen Alben haben sie wohl alle Anwesenden hier glücklich gemacht, vermisst habe ich lediglich Arnims legendären Sprung in die Menge, der bei ihren Konzerten sonst immer das absolute Highlight ist. Aber vielleicht werden auch die BEATSTEAKS tatsächlich langsam älter, denn zu Recht bemerkt Arnim ja selbst, dass sie mittlerweile keine 13 mehr sind, er sich aber wünscht und hofft – wir müssen es ihm als Publikum sogar versprechen - dass wir für immer an die BEATSTEAKS denken werden... und natürlich werden wir das! Für immer! Versprochen! Die großartige Stimmung des Konzerts könnt ihr am besten hier im Live-Video von "Automatic" einfangen.
Setlist: (ohne Gewähr)
Vision
Monster
Soljanka
Ain't Complaining
Let's See
Hand In Hand
Bullets From Another Dimension
Under A Clear Blue Sky
To Be Strong
Panic
Automatic
Atomic Love
Hey Du
Cheap Comments
Cut Off The Top
Let Me In
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Frieda und Die Bomben
Hello Joe
I Don't Care As Long As You Sing
What's Coming Over You
Milk & Honey
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Hail To The Freaks