Beehoover & Ulme

Tour 2011

20.11.2011 Molotow / Hamburg

Von: Jonas Bielenberg

Beehoover & Ulme Hamburg

Als ich an diesem Sonntag um 21:00 Uhr das Molotow am Ende der Reeperbahn betrete, ertönen schon die ersten Klänge durch den sehr übersichtlich gefüllten Vorraum. Wie mir die Kassenfrau explizit erklärt, spielen Beehoover gerade ihren ersten Song. Die Band ist mir völlig unbekannt, ich kenne weder einen Song noch irgendetwas über Besetzung oder konkrete Musikrichtung. Da sie aber mit Ulme gemeinsam das Abendprogramm füllen, bin ich mir sicher, dass es kaum weniger brachial sein kann als alles, was ich von Ulme bereits kenne.

Mit jedem Schritt, den ich mich dem Konzertraum nähere, steigt die Spannung, welche Besetzung diesen düsteren wuchtigen Sound produziert. Als ich die Bühne durch das sperrige Publikum erblicke, kommt ein kurzer Überraschungsmoment. Auf der Bühne sitzen lediglich zwei Männer. Drummer Claus-Peter Hamisch sitzt seitlich an seinem pompös wirkenden Drumset und prügelt auf dieses ein, auf der rechten Seite sitzt sein einziger Bandkollege Ingmar Petersen, ebenfalls zur Mitte der Bühne gewandt, dass beide sich beim Spielen anschauen können. Eine mir neue Aufstellung einer Band. Zu Petersens Füßen, die sich seines Schuhwerks entledigt haben, befindet sich sein Pedalboard, das vermutlich die gesamte Boss-Basspedal-Reihe zählt. Außerdem steht eine beachtliche Bassbox direkt vor ihm, aus der eine Wucht aus Bassdröhnen und Wummern ertönt. Ganz allein repräsentiert er die Harmoniefraktion, spielt am laufenden Band Riffs, unterlegt mit tiefen Basstönen die filigranen Melodien. Hier und da ergänzt er mit Texten, die von dünn und träge bis tief, böse und wuchtig gesungen und gebrüllt werden. Hamisch trommelt wie ein Uhrwerk auf seine Drums ein und trifft auch bei verzwickten Takten jeden Schlag punktgenau. An der Rückseite der Bühne trohnen zwei Bassverstärker mit je zwei Bassboxen, die - beide vom Bass angetrieben - pumpen, zusätzlich kommt der Bass auch aus der PA, die auch den Gesang wiedergibt. Es ist laut, wirklich laut. Eine unbeschreibliche Wucht, die einem jede Kommunikationsmöglichkeit nimmt, aber genau so ist es gewollt, sowohl von Seiten der Band, als auch vom Publikum, dass sich leider aber recht dünn gibt. Es ist nicht voll, immer gehen Leute, um Bier zu holen oder um einen Song im nicht ganz so lauten Vorraum auszusetzen.

Musikalisch oder eher soundtechnisch erinnern mich die beiden sehr stark an Ulme und somit steigert sich schon während Beehoover, die ein konstant gutes Konzert darbieten, die Vorfreude auf Ulme. Nach knapp einer Stunde ist das Konzert zu Ende, eine Zugabe wird noch gespielt und dann verkrümeln sich viele der Gäste, um die Umbaupause für eine Zigarette zu nutzen. Um 22:20 Uhr geht’s flott weiter mit Ulme. Diese bringen mit Sänger und Kopf der Band Arne Heesch für den heutigen Abend auch die Gitarrenklänge auf die Bühne. Brachial und regelrecht zerstörerisch wie ein Panzer im Spiegellabyrinth wird alles niedergewalzt. Lutz Möllmann, der seit 2008 als Schlagzeuger das Schlachtschiff beherbergt, trifft - wie Hamisch zuvor - jeden Schlag und macht ordentlich Druck. Auch Tim Liedtke sorgt für Wucht, die er am Bass und gelegentlich durch, seinem Gegenüber das Fürchten lehrende, Brüllen umsetzt. Um Heschs Hals wirkt seine Gitarre eher wie eine Ukulele, klein und zerbrechlich. Wie ein Riese beugt er sich zum Mikro vor und lässt massive Urschreie ertönen, die den Zuschauer einen Schritt zurück weichen lassen.

Das Publikum kommt, angetrieben von der Musik, mehr aus sich heraus und beginnt immer flächendeckender, sich zum Beat zu bewegen, nickt zur Musik, bewegt die Lippen zum Text oder spielt, wie der Heavy Metaller in der ersten Reihe, still für sich Luftgitarrensoli. Leider wird der Saal, auch wenn die Band eher besser wird, immer leerer. Die treuen Zuhörer, die dann aber doch in der Mehrheit sind, werden gegen Ende noch mit 20-minütiger Zugabe, die vehement von den Gästen gewünscht wird, belohnt. Das Wochenende lässt sich schließlich mit "erfolgreich absolviert" besiegeln und man kann nur hoffen, dass diese Combo(s) sich bald wieder auf einer Hamburger Bühne blicken lassen!

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