Ben Folds

Tour 2008 - Support: Corn Mo

03.07.2008 Alte Feuerwache / Mannheim

Von: Sascha Knapek

Ben Folds Mannheim

Verregnet ist es in Mannheim an diesem Donnerstagabend Anfang Juli – sehr verregnet. Petrus hat es mit allen zu Fuß gekommenen und Rauchern nicht allzu gut gemeint. Aber zum Glück stehen vor der Alten Feuerwache ein paar größere Schirme und somit lässt sich auch das neue Nichtrauchergesetz problemlos einhalten. Einmal in der alten Feuerwehrstation angekommen, punktet diese sofort. Ein langes, relativ schmales und verhältnismäßig hohes älteres Gemäuer, das mit einer tollen Übersicht – egal wo man steht – glänzt und zumindest mich direkt als Fürsprecher gewinnt.

Den Konzertbeginn veranstaltet der Alleinunterhalter Jon Cunningham, alias Corn Mo. Mit Quetschkommode und lustigen Geschichten macht er sich in den Reihen der schätzungsweise zu zwei Dritteln gefüllten Feuerwache etliche Freunde und überrascht mit deutschen Kulturkenntnissen. Sein Song über den Indianerhäuptling Winnetou ist dafür das beste Beispiel. Corn Mos Set wird lautstark beklatscht und sogar der abschließende Ausflug ins Feld des Mannheim-Sucht-den-Glam-Metal-Superstar regt zum wohlwollenden Schmunzeln an.

Gegen 21.45 Uhr betreten dann Ben Folds und seine Mitstreiter zu den Klängen eines Techno-Intros die Bühne. Neben Folds ist das sein Bassist Jared Reynolds, Schlagzeuger Sam Smith und ein vierter, mir unbekannter, Herr mit Tambourin. Die neuen und höchstwahrscheinlich auf Folds’ kommendem Album “Way To Normal“ enthaltenen Songs “Effington“ und “Errand Dog“ eröffnen den Abend und Herr Nummer vier verdingt sich leidenschaftlich am mitgebrachten Tambourin. Ob es glücklich gewählt ist die Show mit zwei brandneuen Tracks zu beginnen sei dahingestellt; vielleicht ist es in der hinteren Gegend auch einfach nur die Zurückhaltung des Mannheimer Publikums, das nicht so recht rein will in die schweißnasse Hochstimmung eines Ben Folds Konzerts. Über den ganzen Abend hinweg (wohlgemerkt nur in der hinteren Hälfte) merkt man, dass die eher dunkle Halle bei manchen etwas aufs Gemüt zu drücken scheint.

Im Fortlauf des Hauptteils von Folds’ Set bekommt man anschließend neben vielen Eckpfeilern seines Schaffens wie “All U Can Eat“, “Still Fighting It“, “Annie Waits“ oder “Gone“, weitere Kostproben seiner neuen Songs. Bei ”Free Coffee” „motzt“ der Musiker das Innere seines Pianos mit Blechdosen und einem Handtuch auf und “Kylie From Connecticut“ ist der für mich schönste neue Farbtupfer des ganzen Abends. Während “Landed“ leistet wieder der lustige vierte Mann am Tambourin Bühnengesellschaft und das Dr. Dre-Cover “Bitches Ain’t Shit“ kommt mit neuer Bridge und einer freundlichen Wortgefechteinlage zwischen Folds und einen Heckler daher. In der darauffolgenden Improvisation bekommen der Zwischenrufer und die Stadt Mannheim (you put the man back in Mannheim) gebührenden Raum und sein bzw. ihr Fett weg. Weitere Glanzlichter wie das immer wieder geniale “Not The Same“, “Rockin’ The Suburbs“ oder das ohne Hornsektionseinübung ausgestattete “Army“ komplettieren Folds’ Main-Set.

Mit zwei Nummern gestaltet sich der Zugabenteil verhältnismäßig spartanisch. Dass dies trotzdem kein wirklicher Grund zum Meckern ist, liegt an “Underground“ und “Zak & Sara“. Zwei Stücke die der Band noch einmal alles abverlangen, die Endorphinausschüttung im Publikum erhöht und alle auf dem Höhepunkt in die gar nicht mehr so verregnete Mannheimer Nacht entlässt. Als das Konzert nach guten 100 Minuten um kurz vor halb zwölf endet hat man vieles, aber noch lange nicht alles von Folds Qualitäten gesehen und sollte unbedingt auch bei seinem nächsten Deutschlandbesuch wieder mit von der Partie sein.

Vor dem Konzert hatten wir die Möglichkeit zu einem Interview mit dem Hauptdarsteller des bevorstehenden Abends. Dass er hier auf seine Rückenschmerzen hinwies – man konnte das an seiner Sitzhaltung auch unschwer erkennen –, hallte während und nach dem Konzert ein wenig nach. Die Anzahl an eher ruhigeren Nummern war im Nachhinein schon auffällig. Obwohl manche vielleicht zwei bis drei Songs und einen Soloteil vermissten, muss man vor der Folds’schen Professionalität den Hut ziehen. In seine Konzerthistorie wird Mannheim zwar nicht eingehen, aber ein gewaltiges Musikfeuerwerk hat der Mann mit der Brille (und seine kongenialen Bühnenpartner) nichts desto trotz abgeliefert!

Setlist:

Effington
Errand Dog
You To Thank
All U Can Eat
Free Coffee
Still Fighting It
Annie Waits
Landed
Bitches Ain't Shit
Rock This Bitch
Not The Same
Kate
Lullabye
Kylie from Connecticut
Losing Lisa
Gone
Narcolepsy
Bastard
Rockin' The Suburbs
Army
-----
Underground
Zak & Sara

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