Ben Harper

WDR2 Radiokonzert

05.03.2006 Stadtgarten / Köln

Von: Thomas Welsch

Ben Harper Köln

Wenn ein Musiker, der riesige Arenen füllt, in einem kleinen Jazz-Club auftritt, liegt der Hauch des Besonderen in der Luft. Bei solchen Anlässen setzt sich das Publikum in der Regel aus eingeschworenen Fans zusammen, die keine Mühen scheuen ein Ticket zu ergattern. Beim Auftritt von Ben Harper im Stadtgarten in Köln hatten diese es allerdings schwer, denn die Tickets wurden ausschließlich über WDR2 verlost. Und dies erklärt auch die vielen unbedarften Blicke im Publikum, deren Anwesenheit nicht der uneingeschränkten Bewunderung für Ben Harper, sondern vielmehr dem Losglück zu verdanken waren. Der Verlauf des Abends sollte aber zeigen, dass bei so manchem der etwa 200 Zuschauer die stille Freude über sein Losglück lautstarker Begeisterung für die Akteure wich.

Diese Akteure sind neben Ben Harper dessen langjährige Band, The Innocent Criminals, die ein neues Mitglied präsentierten: Michael Ward ist seit vergangenem Jahr neuer Gitarrist. Begleitet von orientalischen Klängen betreten sie um kurz nach 20 Uhr die Bühne. Das Intro aus dem Off geht in den ersten Song „Better Way“ über. Die sphärischen Klänge machen diesen harmonischen und zugleich kraftvollen Song zu einem wunderbaren Opener, der Lust auf mehr macht.

Das Set an diesem Abend besteht fast ausschließlich aus den Songs des neuen Albums „Both Sides of the Gun“, das am 17. März erscheinen wird. Ein Doppelalbum, das, und das ist spätestens nach dem fünften Song klar, ein Ritt durch fast alle Stilrichtungen sein wird. Dem funkigen “Both Sides Of The Gun” folgt der Blues, vertreten durch “Engraved Invitation” und “The Way You Found Me”. Erste Gospel-Klänge ertönen in “Cryin' Won't Help You Now”. Das verwundert nicht, denn Ben Harpers letztes Projekt war eine intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Blind Boys of Alabama, die sogar mit einen Grammy belohnt wurde.

Anschließend nimmt sich der Frontmann gerne die Zeit, die Band vorzustellen, die in ihrer Zusammensetzung das ganze musikalische Repertoire des Ben Harper verkörpert. Lang anhaltender Applaus spricht dafür, dass auch diejenigen im Publikum, die womöglich nicht genau wussten, was sie hier erwartet, von der Harmonie und dem Können der sechs Musiker beeindruckt sind.

Weiter geht es mit „Morning Yearning“, welches auf dem neuen Album die zweite Seite eröffnet, die die softeren Töne und intimeren Momente in sich birgt. Ein gefühlvoller Song, der das Zeug hat, „Diamonds On The Inside“ als radiotauglichen Ohrwurm zu beerben. Das gilt wohl auch für „Waiting For You“, in dem sich Ben ebenfalls von seiner sanften Seite zeigt und so manche Zuhörer(in) tief berührt. Mit „Never Leave Lonely Alone“ runden die Musiker den Ausflug in die gefühlvollen Balladen ab. Ben Harper ist stets darauf bedacht, seinem Dank ans Publikum Ausdruck zu verleihen. Mit fast schüchternen und teils demütigen Gesten und Worten erinnert er immer wieder an eine Selbstverständlichkeit, die manch andere Stars zu vergessen scheinen: Ohne die Fans wäre er nicht hier und könnte seine Leidenschaft, die Musik, nicht mit so vielen Menschen teilen.

Weiter geht´s mit zwei rockigen Nummern, die mal im hymnischen Gewand wie in „Picture In A Frame“, mal aggressiver, wie in „Gather 'Round The Stone“ erscheinen. Damit leiten Ben Harper und die Innocent Criminals zum Höhepunkt des Sets hin, zu „Black Rain“. Als sie im Spätsommer letzten Jahres im Studio waren und der Hurricane Katrina die Stadt New Orleans verwüstete, waren sie über die Ereignisse und menschlichen Schicksale tief betroffen. Die ersten verharmlosenden Statements manch hochrangiger US-Politiker, sowie die erst auf massiven öffentlichen Druck erfolgten Hilfsmaßnahmen, bewirkten bei Ben Harper blanke Wut, die er noch am selben Tag in einem Song zum Ausdruck brachte, eben in „Black Rain“, dessen schonungsloser Text in harte Funk-Riffs eingebettet ist. Als Hommage an die Rolling Stones kann das anschließende „Get It Like You Like It“ gewertet werden. Das Set wird abgeschlossen von dem kraftvollen „Please Don't Talk About Murder While I'm Eating“, welches das Publikum so anheizt, dass es ausdauernd nach einer Zugabe ruft.

Wie gewohnt betritt Ben Harper die Bühne zur Zugabe ohne Band. Er spielt „Another Lonely Day“, bei dem das Publikum wunderbar leise und andächtig jedem Ton lauscht. Erst als die letzte Note verklungen ist, brandet der Applaus auf und die Innocent Criminals betreten die Bühne erneut, um „Serve Your Soul“ anzustimmen. Diesen Song nutzen die Musiker, um ausgedehnt zu jammen. Den Abend beschließt „With My Own Two Hands“, einem Reggae-Stück, in welches Bob Marleys „War“ nahtlos eingefügt wird. Und hier zeigen Ben Harper und die Innocent Criminals, dass sie nicht nur verschiedenste Stilrichtungen an einem Abend zum Besten geben, sondern auch innerhalb eines Songs das Genre sicher und überraschend wechseln können. „Two Hands“ mündet in leicht zugänglichen groovigen Rock.

Die Band verabschiedet sich von einem begeisterten Publikum und es scheint, als haben Ben Harper und die Innocent Criminals heute neue Bewunderer gefunden. Zurecht! Es ist an der Zeit, dass diese Jungs hier zu Lande eine Anerkennung finden ähnlich der, die sie schon seit Jahren in Frankreich und Italien genießen.

Better Way
Both Sides Of The Gun
Engraved Invitation
The Way You Found Me
Cryin' Won't Help You Now
Morning Yearning
Waiting For You
Sweet Nothing Serenade
Never Leave Lonely Alone
Picture In A Frame
Gather 'Round The Stone
Black Rain
Get It Like You Like It
Please Don't Talk About Murder While I'm Eating

Another Lonely Day
Serve Your Soul
With My Own Two Hands/War

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