Ben Weaver

Tour 2008

18.09.2008 Kulturkeller / Fulda

Von: Sascha Knapek

Ben Weaver Fulda

Da macht Ben Weaver den weiten Weg von St. Paul, Minnesota ins beschauliche Fulda und niemand kommt. Nun ja, niemand wäre untertrieben. Aber als wir um zehn nach acht – das Konzert sollte eigentlich um 20.00 Uhr beginnen – zu sechst im Publikum saßen, war das schon eine ziemlich gespenstische Atmosphäre. Wer sich über das Wort „saßen“ übrigens wundert: ja, der Kulturkeller war komplett bestuhlt, ca. 110 Besucher hätten einen Sitzplatz finden können. Zur Beschallung von Van Morrison warteten wir Anwesenden dann auf die Band und hoffentlich noch eintreffende zusätzliche Zuschauer. Wenigstens zwanzig – plus fünf Leute vom Personal – waren dann insgesamt vor Ort als Ben Weaver und seine beiden Mitstreiter um halb neun die Bühne des pittoresken Kulturkellers betraten. Nicht viel, aber immerhin besser als die sechsköpfige Situation zwanzig Minuten zuvor.

Kleine Soundprobleme prägten anschließend zwar den Beginn des Sets, spätestens ab dem zweiten Song “Red Red Fox“ fing sich die Abmischung des Klangteppichs und speziell Weavers tiefe und glasklare Stimme wurde zum Sahnestück der gesamten Präsentation. Die Deutlichkeit, mit der man jedes Wort verstand, war beeindruckend. Mit meist geschlossenen Augen erzählte der US-Amerikaner in Tracks wie “Anything With Words“, der aufwühlenden Piano-Nummer “Soldier’s War“, “Dead Bird“ oder dem mit Banjo vorgetragene “40 Watt Bulb“ seine genau beobachteten und detaillierten Geschichten. Das die neuen Songs des im August auf Glitterhouse erschienenen Albums “The Ax In The Oak“ diesen Abend prägen würden war vorherzusehen, dank ihrer Stärke sehr willkommen und am Ende dann auch an Zahlen festzumachen. Genau die Hälfte, nämlich neun, der Stücke stammten vom aktuellen Longplayer. Die Elektroausflüge hatten der Songwriter und seine beiden Kompagnons dabei live auf ein Minimum reduziert.

Zwischendrin versuchte Weaver immer mal wieder mit dem spärlich gesäten Publikum zu kommunizieren. Besonders seine Erinnerungen an den letzten Besuch in Fulda und die Frage, ob es uns zu sehr nerven würde, wenn er ein paar seiner Gedichte vorträgt, regten zum Lachen an. Die drei Werke – “The Nature Of Talking“, “Where to Piss“ und “Simple Rule“ – aus seinem neuen Gedichtband “The Talking Comes Later“ waren dann anschließend ein Highlight des gesamten Abends. Ben Weaver braucht nicht viele Zeilen um auf den meist pointierten und nachdenklichen Punkt zu kommen. Ob solo oder mit seinen Freunden Brad am Schlagzeug und Chris am Lou Barlow-Gedächtnisbass, trotz Jetlag stimmte beim Zusammenspiel alles. Und als die Backing Band zum Schluss keinen Weaver-Song mehr im Repertoire hatte, verabschiedete uns der Songwriter mit “Ragged Words“ nach über 80 Minuten eben noch einmal alleine.

Am Ende ging die kleine Schar Weaver-Fans ins Foyer des alten Kulturkeller-Gemäuers und anschließend in die fast winterlich angehauchte Fuldaer Nacht. Man war an diesem Abend unter sich und das wussten die ausschließlich fröhlich gestimmten Gesichter auch zu schätzen. Eine Art öffentliches Privatkonzert. Im Bezug auf die weite Anreise von Ben Weaver und seiner Crew sicher suboptimal, für alle Besucher ein toller Donnerstagabend mit großartiger Livemusik.

Ein paar Mal hat man übrigens noch die Möglichkeit ein Ben Weaver Konzert der aktuellen Tour zu besuchen:

23.09. Karlsruhe - Jubez
24.09. Heidelberg - Karlstorbahnhof
25.09. Nürnberg - K4
26.09. Hamburg - Knust (Reeperbahnfestival)
27.09. Geislingen - Rätschenmühle
28.09. CH-Zürich – El Lokal

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