Tour 2011
Der Rock`n Roll hält Einzug in Bonn und er hat einen Namen: Black Country Communion. Alleine die Bandbesetzung zergeht einem förmlich auf der Zunge. An der Spitze Sänger und Bassist Glenn Hughes (ehemals Deep Purple und Black Sabbath), dazu Derek Sherinian am Keyboard (Dream Theater), Schlagzeuger Jason Bonham (Led Zeppelin, Foreigner) sowie der bereits als Solist legendäre Joe Bonamassa an der Gitarre. Seit Ende Juni touren diese vier musikalischen Schwergewichte durch Deutschland. Das Konzert in Bonn ist der letzte von insgesamt sieben Auftritten. Umso erstaunter bin ich, als ich den Museumsplatz nur spärlich gefüllt vorfinde. Auch bis zum Konzertbeginn ist er bestenfalls zur Hälfte voll. Am Wetter kann es kaum liegen, denn obwohl es für die Jahreszeit zu kalt ist, bleibt es zumindest trocken. Vielleicht hat viele der Eintrittspreis von fast 50 Euro abgeschreckt. Auf den ersten Blick verständlich, im Nachhinein lässt sich allerdings nur feststellen: Black Country Communion sind jeden einzelnen Cent davon wert!
Da auf dem Museumsplatz aus Gründen des Anwohnerschutzes ein Curfew von 22 Uhr herrscht, geht es - ohne Support - um 19.30 Uhr verhältnismäßig früh los. Richard Wagners "Ritt der Walküren" kündigt die Ankunft des Quartetts standesgemäß an. Vom ersten Ton des Openers "Black Country" an hängen die Fans an Hughes` Lippen und Bonamassas flinken Fingern. Jason Bonham bearbeitet sein Drumset wie ein Besessener und treibt die Songs mit seinem druckvollen und wuchtigen Spiel nach vorne. Sherinian webt den Klangteppich dazu, auf dem sich insbesondere Joe Bonamassa nach Herzenslust austobt, während Glenn Hughes die in zahllosen Rockstürmen erprobte Rampensau gibt. Alle vier präsentieren sich in grossartiger Spiellaune. Auch der Sound ist schön fett und ausgewogen.
Was die nächsten 105 Minuten folgt, lässt sich mit vier Buchstaben zusammenfassen: G-E-I-L. Bonamassa ist ein Gott an seinem Instrument, egal ob er nun die Flying V oder eine Doppelhalsgitarre bearbeitet. Dass er zudem auch singen kann, beweist er in "The Battle For Hadrian`s Wall", "The Ballad Of John Henry" oder im Duett mit Glenn Hughes bei "Sista Jane". Hughes selbst trägt den Ehrentitel "The Voice Of Rock" trotz seiner mittlerweile 58 Jahre zweifellos immer noch zu Recht und wenn Derek Sherinian vor "The Great Divide" ein fast fünfminütiges Solo in die Tasten haut, dann erstarrt der gesamte Museumsplatz vor Ehrfurcht. Gemeinsam rocken sie sich durch das Repertoire ihrer beiden Alben "Black Country" und "2" und ich habe selten - nein, eigentlich noch nie - ein so begeistertes Publikum unter dem Zeltdach erlebt. Selbst jene, die im Geiste des traditionellen 70er Jahre Hardrocks gross geworden sind und deren Haupthaar inzwischen entweder ergraut oder gar nicht nicht mehr vorhanden ist, nicken kräftig mit den Köpfen. Sowas nennt man Spass pur. Vor und auf der Bühne. Am Ende des Mainsets stehen folglich dann auch tausendfache "Zugabe"-Rufe.
Black Country Communion lassen sich nicht lumpen und kehren mit "Man In The Middle" noch einmal zurück. Als sie den Abend danach mit einer fulminanten Version des Deep Purple-Klassikers "Burn" beschliessen, packt der Bonner Rockmob die Luftgitarren aus und brüllt aus vollem Halse mit. So hätte es noch stundenlang weitergehen können und als sich Hughes, Bonamassa, Sherinian und Bonham sichtlich beeindruckt von der feierwütigen Menge verabschieden, muss sich der ein oder andere um mich herum erstmal wieder sortieren. Es wäre extrem schade, wenn die Konzertreihe auf dem Museumsplatz im nächsten Jahr aufgrund eines kleinlichen Kompetenzgerangels und überhöhter finanzieller Forderungen des Betreibers eingestellt werden müsste. Denn dann blieben Bonn solch denkwürdige Konzertabende wie der heutige in Zukunft verwehrt.
Setlist:
Black Country
One Last Soul
Crossfire
The Battle For Hadrian's Wall
Song Of Yesterday
I Can See Your Spirit
Save Me
Cold
The Ballad Of John Henry
The Outsider
The Great Divide
Sista Jane
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Man In The Middle
Burn (Deep Purple)