The Black Crusade Tour 2007 - feat. Machine Head, Trivium, DragonForce, Arch Enemy & Shadows Fall
Ein Mini-Festival der Extra-Klasse: fünf Bands großen Namens – ein Preis und das unter dem Namen „Black Crusade“. Shadows Fall, Arch Enemy, DragonForce, Trivium und Machine „Fucking“ Head machen bei ihrer gemeinsamen Tour zum ersten Mal Halt in Deutschland und das im ausverkauftem Kölner Palladium. Der Abend steht ganz im Zeichen des Thrash- und Heavy Metal.
Früh geht´s los, trotzdem ist punkt 19 Uhr das Palladium bereits gut gefüllt – guter Thrash-Metal verpflichtet halt zur Pünktlichkeit und Shadows Fall gelingt es bereits beim zweiten Song das Publikum zum Abendsport des leichten Pogens zu bekommen. Zwar sortieren sich die Reihen noch, der erste Biernachschub wird bestellt, uninteressiert an der Band aus Massachusetts sind jedoch wenige. Brian ist stimmlich merklich angeschlagen und seine Growls gehen hier und da bei Songs wie „Venomous” und „Thoughts Without Words“ etwas unter. Umso mehr wirbelt er seine fast bodenlangen Dreads nur so in der Luft herum und gibt Vollgas. Unterstützung mit klaren Background Vocals und Jonathans Frickel-Gitarrensolo bekommt „Redemption”, letzter Song des kurzen 25 Minuten-Sets.
Kurze Umbaupause bis zur nächsten Band, die schreiwillige Fans in der von Roadrunner Records eingerichteten „Brüller“-Ecke dafür nutzen, einen der beliebten Preise abzusahnen – DVD´s, CD´s oder sogar ein Treffen mit Machine Head als ersten Preis. Voraussetzung, um überhaupt einen dieser Preise abzusahnen: lauter Brüllen als 104 db!
Kurzes Raunen, jedoch auch Vorfreude im Publikum, als das Backdrop von Arch Enemy gehisst wird. Wenige haben wohl damit gerechnet, dass die schwedische Band um die Kölnerin Angela Gossow einen solchen Platz weit vorne auf dem Billing erhalten.
Munter plappert Angela nach dem ersten Song „Blood On Your Hands“ – mit Chris Amott back on guitar! – drauf los wie sehr sie sich freue, in ihrer Heimatstadt zu spielen. Angela growlt wie keine andere Kollegin in ihrem Genre und es ist eine reine Wonne ihrem Gekeife zuzuhören und ihre Bewegungen auf der Bühne zu beobachten. Immer wieder lehnt sie sich weit nach hinten beim Singen während sie Amott das Gitarrensolo von „My Apocalypse“ überlässt.
Eine kleine Anekdote vor dem nächsten Song: Angela erzählt, dass sie und ihre Mutter fünf Minuten vor der Show noch im Stau auf einer Kölner Brücke steckten und sie fast ihre eigene Show verpasst hätte. Sympathisch wie sie vor sich her plaudert!
„Nemesis“ läutet wieder den Death Metal ein bis zum melodischen Chorus ‚One for all, all for one’, welches sie dem Publikum und all´ ihren anwesenden Freunden widmet – ihrer Meinung nach kennt sie mindestens 50% des Publikums oder war mit ihnen auf der Schule. Zum Abschluss „We Will Rise“ – Mutter Gossow beobachtet entzückt ihre Tochter von der Tribüne. Brave Verbeugung der ganzen Band vor dem Abgang und vom Publikum kommen bereits die ersten Zugaberufe! Leider eine viel zu kurze Show von Arch Enemy mit knapp 30 Minuten – und das trotz neuen Albums... hoffen wir auf die versprochenen Konzerte im nächsten Jahr, um endlich neues Material im Live-Gewand präsentiert zu bekommen!
An den Mikroständern der nächsten Band werden Flaschen mit Strohhalmen vorbereitet – DragonForce sind am Start! Leider wird sich herausstellen, dass keine andere Band an diesem Abend so sehr polarisiert wie die Multikulti-Musiker um Goldkehlchen ZP Heart... Zunächst witziges Intro in deutscher Sprache – ein Intro mit Beethovens 9. Symphonie sei schwul und 08/15-Gedöns, daher ein richtiges „Amiga-Spiel“-Intro, passend zu der Computerspielmusik von DragonForce nach welchem die Band mit „Fury Of The Storm“ startet. ZP versorgt fleißig Fans per Wurf mit Wasserflaschen - nette Geste aber über die ganze Show hinweg zum Gähnen langweilig... Der bekannte „Guitar Hero 2“ Song „Operation Ground And Pound“ kommt gut an, doch merke ich, dass die Band mit angezogener Handbremse spielt. Ein Podest ist mittig platziert, auf dem sich vor allem die Gitarrengötter Herman Li und Sam präsentieren und üblicherweise wie ein Sturm von diesem herabwirbeln. Doch selbst auf einer viel kleineren Bühne mit diesem Podest kam mehr Energie von der Band rüber... Zwar zeigt sich Sam wie immer von seiner witzigen Seite – als Pantomimekünstler könnte er sich mit Leichtigkeit ein Zubrot verdienen – doch auch er scheint angespannt zu sein und unterbricht immer wieder sein Spielen, um sich frustriert zu setzen. Das Publikum reagiert mit viel Unmut auf das Gitarrengefrickel und ZP kontert den Stinkefingern, in dem er trocken 'fuck you, too' ins Mikro antwortet und daraufhin vom Publikum verlangt 'fuck yourself' zu brüllen. Ein bisschen Spaß muss sein, jedoch ist er merklich genervt und gerechtfertigt sich auch nach „Revolution Deathsquad” als nächstes die Ballade „Starfire“ anzustimmen. 'Five bands play: four go „aaaaaaarggggg“ and one goes “aaaahhhhhhh”, I don’t fucking care' Was mir jedoch nicht egal ist: ZP, das nächste Mal lässt du bitte dein Hemd geschlossen! Mit den nächsten zwei Songs sind hoffentlich auch die Griesgrämer milde gestellt: der erste Hit der Band „Valley Of The Damned“ rüttelt alle noch mal auf und Sam tauscht seine Gitarre gegen Freds Bass ein und mit „Through The Fire And Flames“ ertönt ein weiterer Klassiker der Shreddermeister.
Zu Trivium habe ich mich mittlerweile auf einen guten mittigen Platz im Publikum vorgearbeitet, jedoch braucht es keine zwei Takte des ersten Songs „Fugue“ und ich gebe mich im wild ausgebrochenem Moshpit geschlagen und genieße das Konzert von hinten. Für technische Schwierigkeiten, die Verzögerungen verursachen, entschuldigt sich Matt brav mit 'this shit happens all the time'. Beruhigend... Mit „The Deceived“ ballert uns Travis den Double-Bass um die Ohren, während Matt und Corey sich den Gesang teilen und im Chorus zweistimmig sind. Die Single „Becoming A Dragon“ der „Crusade“-Scheibe spielen die Jungs als Premiere zum ersten Mal live in Deutschland. Matt stellt den Turbopropeller für seine Haare ein und die Blitzlichtshow unterstützt den powervollen Song. Der glatte Wahnsinn ist „Anthem“, bei dem die Meute ausrastet und mitgrölt. Travis steht im Mittelpart des Songs auf und schlägt im Springen den Takt der Drums. 'Fast like the rest of our shit' sind auch „Rain” – vor allem hier kommt der James Hetfield-Touch des Gesanges durch – und zum Abschluss „Pull Harder On The Strings Of Your Martyr“.
Trotzdem warten alle nur auf den Headliner – mit vielleicht zu großen Erwartungen. Mit „Machine Fuckin´ Head“-Rufen und hochgestreckten Devil-Horns wird die Band auf der Bühne empfangen. Zum Intro zum Anti-Krieg-Song „Clenching The Fist Of Dissent“ ist Daves Drum in blutrotes Licht getaucht und ertönt im Marsch-Takt, gefolgt von „Imperium“. Der abwechselnde Rhythmus dröhnt in den Boxen, längst mosht die Halle was das Zeug hält. Robb ist trinkfreudig und versteht es zwischen den Songs gut, die Zeit mit „Prrrroooooooooosssssst“-Rufen zu schinden. Nette Dankes-Worte und weiteres Geplänkel, um das 60-Minuten-Set noch etwas in die Länge zu ziehen.
„Aesthetics Of Hate“ widmet Robb kurzerhand Dimebag und verlangt zu seinen Ehren einen Circle Pit, nicht ohne die Fans zu bitten, aufeinander zu achten, falls jemand fällt. Sogar Applaus erntet der Gute für diese Ansage. Besonderen Dank möchte Mr. Flynn vor „Halo“ all den treuen Fans aussprechen, die durch dick und dünn mit der Band gingen und immer an die Band glaubten. Zum Ende des Songs ertönt nur noch der langsame Gesang der Fans – die Band sieht und hört erfreut zu.
'Better leave those earplugs in' warnt Robb die Menge, bevor es mit „Take My Scars” laut und heftig wird. Gänsehautfeeling hingegen beim 8-Minuten-Kracher „Descend The Shades Of Night“ – Robb anfangs an der montierten Akustikgitarre, seine E-Gitarre jedoch immer griffbereit umgehangen, performt er inbrünstig den Song und beendet mit „Davidian“ zu Mitternacht die Show.
Nach dem Konzert immer wieder interessant: den Meinungen der Fans beim Verlassen der Halle lauschen. Eindeutig herauszuhören: DragonForce waren leider deplaziert auf dem Billing und vier Bands mit je mehr Spielzeit wären ausreichend gewesen. Auch herauszuhören: hammergeiles Konzert mit hochkarätigen Metalbands – für einige schlichtweg das Event des Jahres!
Setlist Machine Head
Clenching the Fists of Dissent
Imperium
Aesthetics of Hate
Old
Halo
Take my Scars
Descend the Shades of Night
Davidian