Blackfield

Welcome To My DNA Tour 2011 - Support: North Atlantic Oscillation

26.04.2011 Bürgerhaus Stollwerck / Köln

Von: Shirin K

Blackfield Köln

Steven Wilson. Der Mann ist für viele der Inbegriff eines Musikgotts. Der Brite ist nicht nur der Mastermind der in Progkreisen verehrten und hochgeschätzten Band Porcupine Tree, sondern auch noch Musiker in gefühlten 5.000 anderen Projekten. Kein Jahr vergeht, ohne dass eine Veröffentlichung ohne Mitwirkung von Wilson erscheint. Und so erschien dieses Jahr (vier Jahre nach dem letzten) ein neues Album von Blackfield, seiner gemeinsamen Band mit der israelischen Skandalnudel Aviv Geffen. Hier verwirklicht sich der Meister eher in den leisen und poppigen Gefielden, und nicht zuletzt seinem Namen ist es zu verdanken, dass Blackfield sich einer großen Fanschar erfreut. Als Aviv Geffen letztes Jahr auf Solo-Tour ging (und u.a. auch Blackfield-Songs spielte) waren bei weitem nicht so viele Besucher da, wie heute Abend im Kölner Stollwerk. Wilson ist also unverkennbar der Grund für viele, sich mit Blackfield auseinanderzusetzen.

Das Stollwerk ist an diesem Abend zwar nicht ausverkauft, aber gut gefüllt, und wie immer besteht das Publikum aus einer bunten Mischung von Leuten aller Altersklassen und Musikrichtungen (zumindest kann man neben Genesis-T-Shirts auch Blackmetal-Shirts o.ä. sichten). Als ich die Halle betrete, beginnt fast zeitgleich die Vorband - North Atlantic Oscillation aus Schottland. Ja, puh, ähm, nette Band eigentlich, die eine ganz interessante Mischung aus elektronischen Beats und Gitarrenmusik bietet, allerdings nicht wirklich mein Fall, zumal der Gesang auf Dauer ein wenig monoton und einschläfernd wirkt. Ich kann mich eh nicht wirklich auf die Band konzentrieren, weil ich schon ungeduldig auf Blackfield warte. Die neue Platte "Welcome To My D.N.A." finde ich nämlich eigentlich – nicht hauen! – ziemlich öde und nichtssagend. Die Frage, die sich mir also stellt, ist: Schaffen Wilson und Geffen es, mich so zu begeistern wie vor zwei Jahren im Luxor? Und wird sich Geffen am Ende wieder ausziehen und uns seine Hühnerbrust präsentieren?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Jaaaaaahaaaaa! Die Band beginnt das Set mit "Blood", einem der neuen (und meines Erachtens auch stärksten) Songs – und ja, es rockt. Die Jacke von Aviv Geffen rockt übrigens auch, denn an der kleben tausend kleine rote Lämpchen, die lustig leuchten. Diese zieht er schon nach dem ersten Song aus. Allerdings er ist auch so ein Blickfang: Sein glitzernder Lidschatten und die langen, schwungvoll getuschten Wimpern machen jede Frau im Publikum neidisch. Wilson hingegen, wie immer unprätentiös, barfüßig mit seinen langen Haaren und Nerd-Brille, zieht dennoch die meiste Aufmerksamkeit auf sich (was auch an einer eindeutig linkslastigen Verteilung des Publikums im Raum zu erkennen ist). Die restlichen Musiker fallen während der Show eigentlich kaum auf, was ein wenig schade ist. Aber was soll man machen, mit diesen beiden Musikgenies auf der Bühne? Sie kommen übrigens am Anfang etwas lustlos und schlecht gelaunt rüber, fangen sich aber während der Show, obwohl ihnen technische Probleme immer wieder das Sichfallenlassen schwermachen.

Blackfield schaffen es tatsächlich teilweise, aus den neuen Songs mehr rauszuholen, als auf dem Album. "Go To Hell" z.B., das laut Geffen seinen Eltern gewidmet ist (oha!), kommt live härter und rockiger rüber, die "DNA"-Hymne hat auf jeden Fall was, wenn Avivs Stimme ordentlich mit Hall unterlegt wird, und auch "Dissolving With The Night" kann überzeugen. "Waving" allerdings ist mit dem ganzen Lalalay nach wie vor ein ziemlich banaler Popsong und auch "Zigota" ist zu schmalzig um schön zu sein – zumal Geffen eine Art hat, in sein Mikro zu singen, die manchmal an übertrieben emotionale Darbietungen von mittelmäßigen Casting-Talenten erinnert. Immerhin hat es Unterhaltungswert, wenn wir bei seinen ausufernden Armbewegungen seine Achselbehaarung bewundern dürfen (es lebe der Kampf gegen den Rasierwahn!!). Wilson bewegt sich indes zumindest mehr als ich es vom letzten Blackfield-Gig in Erinnerung habe. Mal wirft er seine Haare in die Luft oder bewegt sich auf die anderen Bandmitglieder zu, geht bei "Once" ab wie ein Zäpfchen - und er macht sogar ein, zwei Witze in Richtung Publikum (hört, hört!).

Grandios sind nach wie vor die alten Blackfield-Songs. "Miss You" ist DER Liebeskummersong mit dem größten Gänsehautfaktor, direkt gefolgt von "1000 People" und "Epidemic", bei denen sich einem alle Haare am Körper aufstellen. Bei der Zugabe darf natürlich nicht "Cloudy Now" fehlen, eine Ballade, die harmlos und lieblich anfängt und dann mit dem Schrei "We are a fucked up generation" explodiert, was übrigens das Publikum (etwas vorzeitig) mitschreit. Und womit endet das Ganze? Natürlich mit der Mitsinghymne "End Of The World". Und natürlich zieht sich Geffen am Ende doch aus (mit einer Variation allerdings: Er behält das Shirt erstmal eine Weile um seinen Kopf geschlungen, sodass man nur seinen Mund sehen kann). Aber das ist schon okay, das gehört zu Blackfield dazu.

Setlist:

Blood
Blackfield
Glass House
Go To Hell
Open Mind
Pain
DNA
Waving
Hello
Once
The Hole In Me
1000 People
Miss U
Zigota
Epidemic
Oxygen
Where Is My Love?
Dissolving With The Night
---------------
Far Away
Cloudy Now
End Of The World

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