Blackmail

Anima Now! - Tour 2011

20.05.2011 Molotow / Hamburg

Von: Jonas Bielenberg

Blackmail Hamburg

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist es nun her, dass Blackmail mit neuem Sänger Mathias Reetz nach Hamburg kamen und im (Kultur)Haus III & 70 ihre erste gemeinsame Tour spielten. Sehr klein angesetzt musste das Konzert dann doch noch von der Astrastube, der wahrscheinlich kleinsten Livelocation, verlegt werden, da dies dann doch sehr tief gestapelt war. Wer schon auf den großen Festivals vor Tausenden von Leuten gespielt hat und eingefleischte Fans zu den Seinen zählen kann, der sollte schon in einem Laden spielen, in den mehr als 25 Personen passen.

Dieses Mal sind die vier dann zum Glück nicht ganz so bescheiden. Das Molotow ist als Austragungsort gewählt worden, nicht sonderlich groß, aber kein Vergleich zur Astrastube. Leider ist die Zeit denkbar schlecht gewählt. Freitagabend um 19:30 Uhr soll das Konzert beginnen. No time for Rock 'n' Roll! Aber was soll man machen? Noch nicht ganz in Stimmung bewege ich mich Richtung Reeperbahn, natürlich viel zu spät. Ich habe gehört, dieses Mal haben Blackmail auch eine Vorband. Als ich gegen 20:30 Uhr ankomme, hat die natürlich schon gespielt. Schnell noch ein Astra geholt und ein nettes Plätzchen gesucht, während der Soundmann noch die letzten Checks macht.

Und dann beginnt das Konzert. Intro ist das dafür perfekte "Santa Rosalia", ein Song vom neuen "Anima Now!"-Album. Die Band betritt die Bühne und als es dann nach knapp zwei Minuten vorbei ist, geht der Song erst richtig los. Geballte Gitarrenpower, drückende Bässe und schmetternde Becken. Der Sound ist erstaunlich gut, obwohl der Laden sehr klein ist und ich mit den Ohren direkt vor der Box stehe. Reetz, der sich beim letzten Hamburgkonzert stimmlich noch nicht beweisen konnte, singt wirklich gut, trifft fast jeden Ton, kann seine Stimme gegen die Instrumente durchsetzen und zeigt schon etwas mehr Selbstbewusstsein. Er wirkt sehr konzentriert, schaut während des gesamten Konzerts immer wieder zu Kurt, dem Riesen, als brauche er eine Orientierung. Kurt hingegen wie gewohnt mit einem eher emotionslosen, fast gelangweilten Blick, ebenso sein Bruder Carlos am Bass, der ebenso typisch für ihn seine Vorwärts-Rückwärts-Schritte und mal einen zur Seite macht. In der Ecke der Bühne steht dann noch ein fünftes (Nicht-)Mitglied der Band und drückt die Tasten seines Keyboards und schlägt auf einem Chaosboard herum. Gelegentlich singt er noch im Background etwas mit. Außerdem steht vor ihm eine E-Bassdrum, die er gelegentlich einsetzt.

Song fünf bis sieben sind alte Songs. Beim letzten Konzert kam die Ansage, die Band würde sich auf die neuen Stücke konzentrieren, auf dieser Tour ist die Einstellung dazu dann wohl doch offener. Zum Glück! Immerhin sind die alten Songs nicht weniger gut als die neuen. Und dann kommt endlich die erste Ansage von Kurt: "Hallo Hamburg, alles gut?" und weiter geht’s mit dem nächsten Song. Mario, Drummer der Band, wirkt etwas müde und schlapp. Nachdem er schon die Drums für das neueste Album nicht eigenständig aufnehmen konnte, da er aus gesundheitlichen Gründen ausfiel, wirkt er immer noch geschwächt. Bei den Songs "It's always A Fuse..." und "Day By Day" geben die Jungs dann nochmal alles, hauen die volle Wucht heraus, drehen nochmal durch, kommen endlich etwas in Bewegung, auch wenn es manchmal etwas improvisiert wirkt. Leider aber die Art von Improvisation, die aus der Not heraus kommt, nicht die, die aus der Sicherheit entsteht. Es ist teilweise etwas wirr.

Um 21:35 Uhr bedanken sich die Vier dann und verlassen die Bühne. Wobei dies nicht ganz stimmt. Kurt und Mathias gehen Richtung Backstageraum, bleiben aber irgendwo in der Menge stehen, der Raum ist einfach zu klein und der Weg zum Backstageraum führt durch das Publikum. Carlos, Basser der Band, bleibt direkt auf der Bühne und unterhält sich mit einer Bekannten, und Mario setzt sich einfach neben dem Schlagzeug auf den Boden und unterhält sich mit dem Keyboarder, der direkt neben der Bühne steht. Dass Blackmail nicht ohne Zugabe das Konzert beenden, ist irgendwie klar, vielleicht auch, weil die Zugaben schon auf den Setlisten offenkundig abgebildet sind, aber somit ist die Vorfreude nicht weniger groß. Als sich alle nach kurzem Applaus zurück an ihre Instrumente begeben, sagt Kurt ganz trocken: "Die Türen zum Ausgang sind versperrt. Draußen warten die Nazis auf uns!", unkommentiert greift er zur Zigarette, schenkt einem in der ersten Reihe stehenden Jungen ein Bier und weiter geht’s mit der gerade erschienenen Single und Ballade "Night School". Anschließend kommt der Song "Bugs" und dann kommen die Flagschiffe der Band, "Moonpigs" und "Friends", bei denen nochmal so richtig einer draufgelegt wird und nochmal alles umreißt, was noch steht. Das Publikum geht dabei eher verhalten nach vorne. Es wirkt tatsächlich eher, als würden alle gerade die Wucht genießen, wie sie ihnen um die Ohren pfeift und Kurts Soli sie auspeitscht. Wieder einmal finden Blackmail kein Ende, Kurt beginnt immer wieder, den Song zu steigern, bis endgültig alles aufgeht und der Song sowie das Konzert ihr Ende finden.

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