Blind Guardian

Sacred Worlds and Songs Divine Europe 2010, Support: Steelwing, VAN CANTO

02.10.2010 Arena Trier / Trier

Von: Andreas Weist

Blind Guardian Trier

Das Konzert-Event von Blind Guardian in der Arena Trier hätte man getrost mit "Nacht der Stimmen" überschreiben können, auch wenn  dann die Gefahr groß gewesen wäre, dass sich eventuell (zumindest teilweise) die falsche Zielgruppe im reduzierten Rund der größten Trierer Veranstaltungshalle einfindet. Was dort an stimmlicher Qualität aller drei vertretenen Bands geboten wurde war vom Allerfeinsten – und damit will ich die Qualität der beteiligten Instrumentalisten gar nicht schmälern. Gut 2000 Metal-Jünger hatten sich in der Arena versammelt. Die Bühne war gut an der Breitseite platziert, so dass man sich in der Halle, die mehr als dreimal so viele Zuschauer fasst, nicht verloren fühlen musste. Eine gute Lösung, die sicher zur glänzenden Atmosphäre beitrug. Die Zuschauer waren fast ausnahmslos schwarz gewandet, und man musste sich schon stark underdressed vorkommen, wenn man (wie ich, sorry) kein Blind Guardian-T-Shirt oder zumindest eines von Van Canto am Körper trug.

Den Auftakt machten die Schweden Steelwing mit typischem Sound im Stil von Maiden oder Savatage. Dass man inzwischen auch Skandinavier der "New Wave Of British Heavy Metal" zuordnen darf, will ich mal der zunehmenden Globalisierung zuschreiben. Musikalisch boten sie für einen Anheizer eine ordentliche Show mit einem sich völlig verausgabenden Fronter namens Riley, der in allen Tonlagen brillierter und nach dem immer wieder erforderlichen Genuss dubioser Getränke aus einer Thermoskanne (es wird doch nicht etwa Tee gewesen sein?) in höchsten Tenortönen schwelgen konnte. Ein Shouter der alten Schule, der mehr als nur Höflichkeitsapplaus bekam.

Ärgert euch jetzt bitte nicht, dass ich meinen Schwerpunkt der Review auf die vokalen Fähigkeiten lege, aber es waren nun mal Van Canto, die mich letztlich zum Besuch des Konzerts bewegten. Heavy Metal a cappella – zwei Welten treffen aufeinander. Metal ohne Gitarren ist doch eigentlich schon ein Widerspruch in sich. Bei Van Canto kommen die Gitarren aus dem Mund – und wer das zum ersten Mal hört, wird Bauklötze staunen. Die vier Sänger und die Sängerin werden von einem Schlagzeuger unterstützt. Das wird Puristen stören, doch wer ehrlich ist, muss zugeben, dass auch die beste Mouth Percussion nicht die Geschwindigkeit eines dynamischen Metalschlagwerks erreichen kann.

Spätestens seit ihrem umjubelten Auftritt in Wacken sind Van Canto in der Szene in aller Munde – und das zu Recht. Auch die Arena Trier konnte man zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Neben eigenen Songs gab es Cover von Nightwish, Grave Digger, Metallica und Iron Maiden. Inga Scharf überzeugt bei "Wishmaster" mit jubilierendr Gesangsstimme. In den anderen Fällen wirkte sie manchmal fehl am Platz, doch ich führe das mal darauf zurück, dass sie auch als Background-Stimme zu sehr in den Vordergrund gemischt war. Genial allerdings die Rakkatakka- und DanDan-Rhythmusgruppe, die man gerne noch etwas deutlicher hätte hören können. Ich sah vor einiger Zeit das Konzert im Trierer Brunnenhof und weiß, dass bei weniger melodielastiger Abmischung da noch einiges an Feinheiten rauszuholen ist. Nächste Chance: das "Hexentanz"-Festival am 3. Dezember in Illingen. Unbedingt hingehen, wer in der Nähe wohnt.

Setlist VAN CANTO (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

Lost Forever
Wishmaster (Nightwish)
To Sing a Metal Song
Rebellion (Grave Digger)
The Mission / Master Of Puppets (Metallica)
Fear of the Dark (Iron Maiden)

Die Speed Metaller um Hansi Kürsch legten nach längerer Umbaupause mit "Sacred Worlds" vom aktuellen Longplayer los. Schon der Opener entwickelte sich zu einer wahren Orgie aus Metal mit klassischen Elementen und wurde von den Fans abgefeiert. Bombast und eine Mischung, die gerne auch mal mittelalterliche Anklänge mit sich bringen darf, gehören zum Markenzeichen der Band, die sich immer treu geblieben ist. Dazwischen findet sich eine große Bandbreite ordentlicher Metalkost und (O-Ton Kürsch) "Alibi-Balladen", die für eine stimmige Mischung sorgen. So war auch das Trierer Publikum – nach vier endlosen Jahren Pause – schnell zufrieden zu stellen. Kürsch sieht im gereifteren Alter mit metal-untypischer Kurzhaarfrisur sehr unspektakulär aus, ist aber immer noch einer der besten Sänger der deutschen Metalszene – um nicht zu sagen: der Beste. Und die Qualitäten der Mitstreiter Marcus Siepen und Frederik Ehmke will ich dabei gar nicht schmälern, muss aber vor allem André Olbrich hervorheben, der an der Gitarre immer noch eine wahnsinnige Bühnenpräsenz hat.

Die Lightshow war okay, man hätte aber mehr erwarten dürfen für eine ausgedehnte Headliner-Tour. Die Fantasy-Reise baute sich langsam auf von zunächst reiner Lightshow über eine mit Bildern und kurzen Videosequenzen versehene weiße Leinwand, pyrotechnische Mini-Effekte bis hin zum bedruckten Vorhang, der schließlich in der Beleuchtung ein recht beeindruckendes Bild abgab. Die Stimmung im Saal war durchweg gut, doch vor allem "Valhalla" und "Mirror Mirror" brachten die Meute zum Toben. Das sind Songs, bei denen das Metaller-Herz höher schlägt. Alles in allem ein feines Konzert, bei dem sich auch Enddreißiger und Frühvierziger mal wieder ordentlich die Ohren durchpusten lassen durften.

Setlist BLIND GUARDIAN:

Sacred Worlds
Welcome To Dying
Born In A Mourning Hall
Nightfall
Fly
Time Stands Still (At The Iron Hill)
Traveler In Time
Valhalla
A Past And Future Secret
This Will Never End
A Voice in the Dark
Mirror Mirror
---
Lost In The Twilight Hall
The Bard's Song - In The Forest
Wheel of Time
Imaginations From The Other Side

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