Break Away Tour 2008, Support: Livingston
Montag Abend in Hannover... normalerweise beginnt die Woche für viele ruhig und zurück gezogen, da das Wochenende noch in den Knochen steckt. Doch diesmal sollte das anders laufen. Hier ein Vorschlag, wie man die Woche ideal starten und den Montag einfach Montag sein lassen kann. Anstatt sich schlecht gelaunt von einem „typischen Montag“ vor dem Fernseher einzuigeln bot das Programm des Labor Musikclubs zum 10.03.2008 eine einladende Alternative. Denn auf ihrer „Break Away Tour 2008“ machten die vier Jungs von Blind für eine Show in Hannover Halt.
Mit im Gepäck begleiteten sie Livingston from London. Vor Beginn der Show gingen die Zuschauer in der unablässig im Intervall fauchenden Nebelmaschine fast unter. Ein Glück ging diesem Drachen bald der Atem aus. Doch auch nachdem sich das Weiß der Nebewolken gelichtet hatte, sah der Raum nicht voller aus. Das Labor war nicht einmal zu ¼ gefüllt – Schande über die Couchpotatoes! Doch die wenigen Anwesenden (die in ihrer Anzahl doch mehr waren als ich zuvor befürchtet hatte), freuten sich über die freie Platzwahl und positionierten sich unmittelbar vor der Bühne.
Mit einer kurzen Verzögerung erklommen Livingston die Bühne. Ganz unvorbereitet traf die Hörer die fast schön sphärisch zu nennende Rockmusik mit einem Sänger, der seine Stimme in Höhen peitschte, die man ihm nicht zugetraut hätte. Beim dritten Song begann auch das Publikum sich zaghaft in Bewegung zu setzen. Als Supporact lieferten Livingston ein extrem hohes Niveau an technischem Können und Professionalität ab – ohne dabei unsympathisch zu wirken. Ein langes Intro mit Bongo-Trommeln und passendem Gesang verzauberte durch seine Andersartigkeit, um sich dann nach einigen Minuten in einen Rocksong vom Feinsten aufzulösen.
Kurz doch sehr prägnant fiel die Vorarbeit von Livingston aus und nach kurzem Soundcheck ließen sich Blind blicken. Sehr erstaunlich wie viel Lärm der kleine Menschenauflauf vor der Bühne fabrizieren konnte. Man könnte nun eine Schublade öffnen, die vier Burschen auf der Bühne reinpacken, alles wieder schließen und abstempeln, wenn man sie optisch sieht und voreilig handeln würde... es wäre allerdings sehr schade darum. Denn trotz der schwarzen Haare, dem Kajalstift unter den Augen und den schwarzen Fingernägeln verkörpern Blind keine der von sich ritzenden und bulemischen Teenagern veehrten Emobands. Nein, hier wird guter, ehrlicher und Ass-Kickender Rock geliefert. Gitarren nach vorn und Lautstärke aufgedreht. Zur sichtlichen Freude von Frontmann Steve steigerte sich auch die Lautstärke des Applauses in den Pausen zwischen den Song, was er gut gelaunt kommentierte. Mit vollem Körpereinsatz und höchster Motivation präsentierten Blind ihre Songs in einer Livequalität, von der so manch eine größere Band nur träumen kann! Ganze 13 Songs plus 3 zusätzliche in der Zugabe powerten Blind durch, ohne in Qualität oder Einsatz nachzulassen. Steve’s Stimme, ob bei härteren Stücken wie „Break Away“ oder balladesken Songs ala „Every You Every Me“, stets präsent und mitreißend. Das kleine Publikum hatte sich spätestens in der Mitte der Setlist vor der Bühne eingefunden – die Atmosphäre glich eher freundschaftlichem gemeinsamem Feiern, als „Besuch eines Konzertes“. Schöner kann es doch für einen Fan kaum sein, meine ich. Bis kurz nach 23 Uhr schmetterten Blind den Hörern ihre Songs entgegen, die jede einzelne Note und Songzeile mit lautem Jubel vergolten.
Der Montag neigte sich dem Ende zu und alle waren froh, sich an einem Montag rausgetraut zu haben. Blind, als auch Livingston sind einen Konzertbesuch allemal wert. So hat ein gelungener Wochenstart auszusehen und nicht anders! Hintern hoch und abrocken!!