The Circle Tour 2011 - Support: The Breakers
Eigentlich ist es ein Wetter zum zu Hause bleiben – wir haben Mitte Juli, draußen stürmt es, es ist kalt, auf der Autobahn Richtung Düsseldorf ist Stau und der Nieselregen nervt. Lediglich der Gedanke, dass meine Jugendhelden Bon Jovi in einer überdachten Arena spielen, lässt mir ein Fünkchen Hoffnung auf einen gelungenen Abend.
The boys are back in town – in Düsseldorf in der Esprit Arena. Leider verpasse ich die Vorband The Breakers, bin aber in der privilegierten Lage, Bon Jovi mit weiteren Pressefotografen vom Fotograben aus fotografieren zu dürfen. Als wir in die Halle geführt werden, geht die erste La Ola-Welle durch die Reihen von 48.000 Fans. So müssen sich also Rockstars mit Verkaufszahlen von 125 Millionen Platten fühlen... Punkt 20 Uhr wird die Halle verdunkelt und die Bandmitglieder kommen nach und nach auf die Bühne mit riesiger Leinwand und seitlichen Monitoren. Jon betritt zuletzt die Bühne in enger schwarzer Jeans und ärmellosem schwarzem Lederhemd und stimmt "Happy Now" an. Wir fotografieren zwei Songs hinter dem ersten Wellenbrecher, einem Halbrund, in dem die Fanclubmitglieder im so genannten "Diamond Circle" untergebracht sind. Im Vorfeld der Tour gab es hitzige Diskussionen, ob es fair sei Fanclubmitgliedern, die der Band am nächsten sein möchten, am meisten Geld für Tickets mit ca. 130 € aus den Taschen ziehen zu wollen... die Plätze im Innenraum im zweiten Wellenbrecher, dem "Golden Circle" gehen für 110 € an der Abendkasse über den Tresen. Fast schon Rolling Stones Niveau... Hinter uns Fotografen verläuft ein Laufsteg und teilt den Diamond Circle vom Golden Circle ab.
"You Give Love A Bad Name" in angenehmer Stimmlage und leicht verlangsamten Rhythmus folgt, jedoch ist zu merken, dass Jon stimmlich noch zu kämpfen hat und sich erst warm singen muss. Er wirkt ein wenig angespannt und feuert zunächst einen Song nach dem anderen ab, bevor er den Fans bekennt, er sei froh, das Dach funktioniere heute Abend bei dem schlechten Wetter. Mit einer guten Mischung aus alten Hits wie "Born To Be My Baby" und "It´s My Life" und den neuen Tracks wie "We Weren´t Born To Follow" und "Superman" versuchen Jon und seine Mannen die Brücke zwischen Altfans und den neuen Mainstream-Anhängern zu knüpfen.
Eine kleine Lockerung im abgespulten Programm verspüre ich, als die Band mit "Bad Medicine" einen der Klassiker der 80er spielt und wie die vergangenen Touren mit einem kleinen Medley kombiniert. Ob auf Wunsch von einigen Fans im Diamond Circle, die ein "Mercy"-Schild hochhalten oder wegen eigenem Ohrwurm – Jon versucht sich an die Textzeilen von Duffys "Mercy" zu erinnern und winkt verzweifelt ab, er brauche etwas Härteres und wendet sich Aushilfsgitarrist Bobby Bandiera zu, der Jim Morrison anstimmen soll. Mit dem "Roadhouse Blues" rockt er mit Bobby zusammen am Mikrofon ab, bevor die Band "Bad Medicine" zu Ende bringt. Die vor ein paar Tagen vollzogene Knie-OP scheint Jon gut überstanden zu haben – er hält sich zwar mit Sprüngen und Tanzen überwiegend zurück, scheint jedoch keine weiteren Folgen zu verspüren.
Endlich nutzt er auch den halbrunden Laufsteg und stellt sich für einige Songs samt seiner schwarzen Akkustikgitarre vor den Golden Circle. Von mehreren Seiten angestrahlt erinnert mich das ein wenig an die guten 80er, als er noch auf eine kleine Bühne mitten in das Stadion reinschwebte und mit seiner Gitarre Balladen zum Besten gab. Nur, dass mindestens 20 Jahre dazwischen liegen und die Band seriöser und älter geworden ist. Ein schönes "When We Were Beautiful" folgt, bevor er sich ein zweites Mal an "Mercy" die Zähne ausbeisst und zugibt sich nur an die erste Strophe erinnern zu können. Eine weitere Ballade folgt mit "What Do You Got" bis Richie Sambora ihn auf dem Laufsteg erreicht. Ein verspätetes Geburtstagsständchen wird ihm geträllert und die Freude, dass er nach seiner Entziehungskur wieder seine Fender liebkost ist riesig bei den Fans. Schade jedoch, dass "I´ll Be There For You" stimmlich nicht an Richie abgegeben wird.
Wieder zurück auf der Hauptbühne lässt Jon es auch weiterhin nicht unversucht, mit seiner Gitarre zu "Mercy" abzurocken. Er hat sichtlich Spaß an dem Song und witzelt: "You are trying to kill me, good luck with that". Das seichte Mainstream und Pop-Gedudel zu "Who Says You Can´t Go Home" unterstreicht Jon mit Sing- und Klatschspielchen, die Fans machen brav mit und Jon merkt an: "There´s nothing like a German audience, man!". Er weiß die Treue der Fans über die letzten fast dreißig Jahre zu schätzen und bedankt sich. Die üblichen Standard-Setlist-Songs folgen vor und nach der Pause: "Keep The Faith" mit der obligatorischen Handrassel und virtuellem Feuerwerk auf der Leinwand (wenn schon kein echtes Feuerwerk open air, dann zumindest ein künstliches...), "In These Arms" mit Teil-Gesang von Keyboarder David Bryan, "Blood On Blood", "Living On A Prayer" – keine großen Überraschungen für alteingesessene Fans und das ist schade... ich hätte mich mit der dargebotenen Show trotz der fast 2,5 Stunden Live-Musik sehr geärgert über die hohen Ticketpreise für den Innenraum!
Ein Augenblick jedoch bereitete auch mir Gänsehaut: der Moment, als Jon und Richie in üblicher Pose nach "Wanted Dead Or Alive" nebeneinanderstanden, hatte dieses Mal eine andere Bedeutung für viele Fans: zwei alte Freunde und Musiker haben wieder zueinandergefunden – die beiden werden laut umjubelt und lassen den tosenden Beifall auf sich wirken. In diesem Augenblick passt "the more things change, the more we stay the same". Jon würde es mit einem lauten "Amen" bejahen. Manchmal aber sind auch Änderungen willkommene Abwechslung...
Setlist:
Happy Now
You Give Love A Bad Name
Born to Be My Baby
We Weren't Born To Follow
Superman Tonight
It's My Life
The More Things Change
We Got It Goin' On
Captain Crash & The Beauty Queen From Mars
Bad Medicine/Mercy/Roadhouse Blues
When We Were Beautiful
What Do You Got?
I'll Be There For You
Who Says You Can't Go Home
I'll Sleep When I'm Dead
Someday I'll Be Saturday Night
Have A Nice Day
Keep The Faith
---------------
In These Arms
Wanted Dead Or Alive
Blood On Blood
Livin' On A Prayer