Tour 2008 - Support: Gianna Nannini
Grün-weiß-rote Kombination auf Schalke an diesem sonnigen Fronleichnam: die italienische Rockröhre Gianna Nannini und ein - ebenfalls italienisch verwurzelter - Jon Bon Jovi mit seinen Mannen beehren den Ruhrpott.
Der Countdown der Jahreszahlen in italienischer Sprache beginnend mit´76 bis´08 stellt die über 30jährige Diskografie der 52jährigen toskanischen Sängerin dar. Gianna präsentiert Auszüge aus „Giannabest“ im Vorprogramm der Amerikaner. Mit ihrem feschen Kurzhaarschnitt und ihrem rockigen Outfit (schwarze Lederjacke, enge, schwarze Jeans kombiniert mit Stiefeln) stürmt sie die Bühne, um mit „Mosca Cieca“ eines der neuen Lieder der Best Of vorzustellen. Schon nach dem ersten Song wirft sie ihre Lederjacke in die Ecke und fährt mit „Primadonna“ fort. Sogar ihre Begrüßung gestaltet sie auf Italienisch – ‚Ciao tutti!’ ruft sie gutgelaunt der Menge zu – leider so ziemlich ihre einzige sprachliche Interaktion mit dem Publikum. Giannas ständiges Markenzeichen: ihre raue und gleichzeitig kraftvolle Stimme fasziniert seit Jahrzehnten auch internationales Publikum – das Bon Jovi-Publikum tut sich mit diesem ersten Auftritt der Tour jedoch noch etwas schwer. Spätestens die Welthits “Profumo”, „Sei nell´anima“ und „Bello e impossibile“ rüttelt die ältere Generation wach (Gianna hält den Mikrofonständer in das Publikum), welches immerhin zumindest den Chorus mitsingen kann. Das moderne Stück „Io“ mit seinem Disco-Sound ist leider total unpassend zu der heutigen Rockshow und kommt daher nicht besonders gut an. Sogar die Bandvorstellung erfolgt auf Italienisch – zum Schluss stellt sie sich mit ‚In Germania Gianna Nannini’ vor, bevor sie mit den Live-Musikern mit „Meravigliosa Creatura“ den letzten Song der Show anstimmt. Die abwechslungsreiche Mischung aus Klassikern, Balladen wie „Suicidio d´amore“ und neuen Songs lässt als 50minütigen Auszug ihrer Erfolgsgeschichte leider zu wenig Zeit für weitere Hits wie „Un estateitaliana“ oder „Grazie“ und so erfolgt mit einer Verbeugung zu beiden Seiten der Bühne bereits der Abgang der Sängerin.
Die letzte Bon Jovi Deutschland Tour liegt nun zwei Jahre zurück, die aktuelle Scheibe „Lost Highway“ steht seit 2007 in den Plattenläden. Höchste Zeit also für einen erneuten Besuch in „New Germany“ -als langjähriger Bon Jovi Fan erwarte ich die erste Show der Europatour 2008 mit besonderer Vorfreude. Seit 1992 verfolge ich die erfolgreiche Karriere der Rocker und etliche Konzerte im In- und Ausland konnte ich mal mehr, mal weniger kritisch miterleben und bin gespannt, was sie sich dieses Mal für die deutschen Fans haben einfallen lassen.
Show-Time ist vorgesehen für 20.30 Uhr, doch schon 6 Minuten vorher beginnt ein nervenaufreibendes Intro und obwohl sich auf der Bühne nichts tut, geht kurz vor Beginn der Show ein Jubel- und ein Blitzlichtgewitter von der rechten Tribünenseite aus. Die Band wird gerade zur Bühne eskortiert und betritt Sekunden später die Bühne – mit zwei zusätzlichen Livemusikern! DieViolinistin und Backgroundsängerin Lorenza Ponce, Bon Jovi Fans bereits bekannt von vorigen Auftritten mit der Band und langjähriger Freund und Gitarrist der Band Southside Jonny and the Asbury Jukes, sind die Verstärkung für die Tour.
Mit „Lost Highway“ startet die Band, Jon Bon Jovi betritt als Letzter die Bühne; zu meiner großen Überraschung sogar mal ohne sonst obligatorische Sonnenbrille für die ersten Songs. Das fängt gut an! In dunkler Lederjacke, offenem Juke Box Hero-Hemd und enger Jeans beweist er, dass er auch mit seinen 46 Jahren noch knackig sein kann, auch wenn der kürzere Haarschnitt den Blick auf die Geheimratsecken zulässt. Im Hintergrund leuchten tausende Glühbirnen, im Rücken der Band sind 6 quadratische und bewegliche Leinwände befestigt, an den Bühnenseiten zusätzlich jeweils eine große Leinwand, sonst ist die Bühne schlicht in schwarz ohne Dekoration gehalten. Während wenigen Songs kommt noch eine zusätzliche Leinwand mit befestigten Lichtern zum Einsatz, welches als Riesenkonstruktion hochgefahren wird.
Die nächsten 130 Minuten folgt ein Querschnitt durch über 25 Jahre Bandgeschichte - nicht einfach, es dabei allen recht zu machen und so ist Jon auch spontan genug die Setlist kurzerhand zu ändern. Mit einem Banner wird zum Beispiel in der ersten Reihe „Always“ gefordert, welches er mit einer tiefen Verbeugung vor dem Fan nun wirklich zum Besten gibt. Fest umklammert er das Mikrofon und bringt singend mit geschlossenen Augen Frauenherzen zum Schmelzen.
Doch wieder zurück zum Beginn der Show! Ein paar Dutzend Fans können sich zu den Glücklichen zählen, in Besitz von „On stage“-Armbändern zu sein, mit denen sie Zugang zu einem abgesperrten Bereich seitlich auf der Bühne haben und so hautnah für die Dauer von drei Titeln die Band auf der Bühne erleben können. Heute Abend gehöre ich zu diesem erlesenen Personenkreis und werde zusammen mit den restlichen Auserwählten meiner Gruppe nach dem zweiten Song vom Treffpunkt zum Bühnenrand gebracht. Taschen abgegeben und ab in diesen kleinen, abgesperrten Bereich rechts und links der Band und wir rocken zum dritten Song „You Give Love A Bad Name“ auf der Bühne mit. Rechts vor mir die Band, links ein atemberaubender Blick über die unendlich scheinende Menge der Arena! ‚I´ve seen a million faces and I’ve rocked them all’ bekommt bei solch einem Anblick Wahrheitscharakter. Die Band zeigt sich gutgelaunt mit den Fans auf und vor der Bühne, Jon grinst breit und kommt zum Hände abklatschen, David strahlt hinter seinen Keyboards, Bassist Hugh zeigt sich cool mit gelber Sonnenbrille, Tico genießt seinen neuen Kurzhaarschnitt und ist mit seinen Drums überraschend nah an den übrigen Bandmitgliedern positioniert. Bobby freut sich, dass ihn jemand erkennt und Richie scheint gesundheitlich etwas verschnupft zu sein. Welch nette Bande von nebenan und das auch noch hautnah –ein einmaliges Erlebnis! Gänsehaut dann ganz besonders bei „Captain Crash“, wenn Jon mit seiner schwarzen Takamine-Gitarre den Rhythmus angibt und die Schalke Arena sich in ein Meer von winkenden Armen verwandelt.
Wieder in den ersten Wellenbrecher vor der Bühne zurückgeführt, rockt uns Jon mit dem Gute-Laune-Song „I´ll Sleep When I´m Dead“, den er im Medley mit „Rocking All Over The World“ und „Start Me Up“ präsentiert. Täuschend echt gelingt es ihm gutgelaunt Mick Jaggers Gang und Stimme zu imitieren, während die E-Gitarre lässig im Rücken baumelt. Jon merkt man an, dass er es genießt wieder auf deutschem Bühnenboden zu stehen, immer wieder bedankt er sich beim Publikum für das Kommen und betont ‚nowhere else in the world I´d rather be than here with you’ und dabei kommt er gerade erst in Stimmung!
Während Bobby sich zu „Whole Lot Of Leavin´” eine Akustikgitarre umschnallt, ist die Violinistin leider kaum zu hören. Schmunzelnd blickt Jon ins Publikum als der Song für wenige Sekunden stoppt und hebt dabei neckisch die Schultern. Er ist in Flirtlaune!
Gitarrist Richie verpasst auch auf dieser Tour erneut einem Bon Jovi Klassiker ein neues Gewand, während Jon einen Song lang verschnaufen kann. Richies Longsleeve-Shirt mit der Aufschrift „blessed“ spricht für sich – er bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung, die er während und nach seiner Zeit in der Entzugsklinik erhalten hat. Fast schon symbolisch singt er „These Days“, welcher durch ihn eine ganz andere Bedeutung erhält, auch wenn es nicht gerade optimal ist, dass die Großleinwand ihn während den Songzeilen Kaugummikauend wiedergibt. Jon erlöst ihn, indem er umgezogen unter Jubel erneut die Bühne betritt und Tico den Takt zu „We Will Rock You“ angibt. Zusammen mit Richie teilt sich Jon ein Mikro für den Chorus und leitet lachend in „Summertime“ über. Großer Beliebtheit erfreut sich auch „Have A Nice Day“ mit ein paar Stinkefingern im Publikum vor der blutrot getauchten Bühne und mit Richie an seiner Double-Neck-Gitarre.
Die Reihenfolge der letzten Setlistsongs scheint nun fast berechnend zu sein, zumindest für Fans, die die Band seit Jahren begleiten. Teilweise wurde auch, was die Bühnendeko betrifft, an neuen Ideen gespart, so sind viele Hintergrundbilder, die während der Show mit Hilfe der Glühbirnen geformt werden noch von der letzten Tour wie die tanzende Blondine von „Bad Medicine“ oder das eingespielte Feuerwerk von „Keep The Faith“.
Zum einen der letzten Songs wird Jon von hinten mit einem Scheinwerfer angeleuchtet, sein Gesicht steht noch im Schatten, und kaum stimmt er a cappella den Chorus zu „Livin´ On A Prayer“ an, setzt die ganze Schalke Arena mit ein. Jon bemerkt anerkennend ‚that´s why I keep coming back to Germany’, bevor Richie seine Talkbox einsetzt, um den typischen Sound zum Song zu erzeugen. Unter lautem Jubel wird die Band von der Bühne gelassen, um sie mit noch mehr Jubel für drei Zugaben erneut auf der Bühne zu begrüßen. Dabei ist das obligatorische „Wanted Dead Or Alive“. Jon kann dem treuen deutschen Publikum gar nicht genug danken und äußert sich als ‚grateful for friendship and support in the last 25 years’, bevor er alle Sitzenden bittet, sich für Bon Jovis nationale Hymne von den Sitzplätzen zu erheben.
Die Verbeugung der Band vor dem Publikum nach dem Song läutet leider bereits das Ende der Show ein. Jon lässt die Band von der Bühne gehen und dreht sich noch ein letztes Mal für einen Gruß um, um mit Sinatra das Publikum in die Nacht zu verabschieden.
Trotz vereinzelter Schwachpunkte wie die teils wiederkehrende Setlist oder auch hier und da stimmliche Einbußen in den hohen Lagen (Jon Bon Jovi wird auch nicht jünger...), hat die Band durchaus wieder eine sehenswerte Show hingelegt und eine gute Mischung zwischen langsamen und rockigen Songs der neuen Platte „Lost Highway“, alten Hits und Gute-Laune-Songs der vorigen Scheiben ausgesucht. Sollte Jon seine gute Laune behalten, werden dies grandiose weitere Deutschland Konzerte. Sehenswert!
Setlist Bon Jovi
Lost Highway
Born To Be My Baby
You Give Love A Bad Name
Captain Crash And The Beauty Queen From Mars
Just Older
I´ll Sleep When I´m Dead – Rocking All Over The World – Start Me Up
Runaway
Always
Whole Lot Of Leavin´
In These Arms
We Got It Going On
It´s My Life
Bad Medicine – Shout
These Days
Summertime
Who Says You Can´t Go Home
Have A Nice Day
Keep The Faith
Livin´ On A Prayer
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Make A Memory
Blood On Blood
Wanted Dead Or Alive