Bonaparte

Tour 2009

19.03.2009 Ringlokschuppen / Mülheim an der Ruhr

Von: Simon Baranowski

Bonaparte Mülheim an der Ruhr

"Do you want to party with the Bonaparte?" Willkommen im kunterbunten Zirkusleben von Bonaparte. Ein Haufen Verrückter, welche durch exzentrische Darstellungen, Performancekunst, ein Hauch Varieté und vor allem Durchschlagskraft daherkommt. Bären, Krähen, Hasen, Krankenschwester, Nutte, ein Militärangehöriger aus dem 19.Jahrhundert und gar eine lebendige rot blaue Lampe bevölkern die Bühne und bieten dem Publikum eine Show, die seinesgleichen sucht und auf ihre Weise in der Momentaufnahme wohl einzigartig sind. Bonaparte entwickeln sich schon längst nicht mehr zu dem Geheimtipp 2009, sondern sind schon viel weiter vorgeprescht. Die Anhängerschaft wächst und scheut sich nicht dem Tanzrhythmus der in "Anti Anti" oder "Too Much" vorgegeben wird zu folgen. Die ersten 10 Reihen zappeln, singen, gestikulieren mit ihren Körpern. Obwohl der Ringlokschuppen nicht ausverkauft ist und jeder eigentlich seinen gemütlichen Platz zum Stehen und Schauen hat, bockt keiner herum um nicht auch auf der Bonaparte-Party abzugehen. Na ja, sagen wir mal zumindest die jungen Leute.

Passend fangen Bonaparte mit "Do You Want To Party?" an. Verhüllt hinter Lampenschirm und Bärenmaske, Clownsmaske und einem mit Bastrock bestückten Inkakrieger am Schlagzeug startet die Band um den Schweizer Sänger Tobias Jundt von 0 auf 100 direkt durch. Nach und nach betreten alle Akteure und Künstler die Bühne. Die Mischung aus Elektro, Punk, Dance und Performance bereichert jede Tanzfläche. Das Kollektiv Bonaparte animiert zu skurilen Bewegungen, man springt und zappelt zu den in der Berliner Underground Szene zu Hits angewachsenen Songs wie "I Can’t Dance" oder "Who Took The Pill?". Selbst der am Mischer sitzende Ton- und Lichtmann hat alle Hände voll zu tun, baut hier und da einen Hall oder andere Soundeffekte mit ein und setzt die Performance auf der Bühne in das richtige Licht.

Jeder Song wird von Band und Publikum gefeiert. Ob "Lvdngrslvngklls" oder "Tu Me Molas". Highlights sind sicherlich die bereits zu Beginn erwähnten Songs "Anti Anti" und "Too Much". Die am Anfang noch fast unbewegliche Krähe entpuppt sich letztendlich als Nackttänzer mit Discokugel auf dem Kopf. Der Militärangehörige wechselt ins Bären- und Hasenkostüm, pustet Seifenblasen zu "Blow It Up" über die Bühne. Der Diktator selber, l'empereur Bonaparte himself, alias Tobias Jundt, lebt seine Songs, springt und fuchtelt herum, fällt sogar ins Publikum. Erst nach zwei, drei Songs nimmt er seine Maske ab und präsentiert sich mit dem typischen Markenzeichen, seinem schwarz angemalten rechten Auge.

Der Applaus hört nicht auf und Bonaparte kommen zu drei Zugaben zurück auf die Bühne. Das Ensemble gibt alles und verliert, ohne es in ein negatives Licht zu rücken, an Energie. Kein Wunder bei dem ganzen Aufwand. Die Rufe nach einem erneuten "Anti Anti" hören nicht auf, aber der Bonaparte Zirkus endet nach fast anderthalb Stunden. Das zu Beginn der Bonapartezeit ungeplante Chaos entwickelt sich zur durchstrukturierten Spaßperformance. Für die einen definitiv eine Bereicherung, für die anderen zu abgefahren. Die Gefahr, dass durch die extravagante Bühnenshow die Musik in den Hintergrund gelangt besteht durchaus. Guckt man sich aber die tanzende Masse bei den Konzerten an, zerschlagen wiederum viele dieses Argument. Bonaparte live ist im Gegensatz zur Platte etwas druckvoller. Energiegeladener und lauter. Man bekommt Gestik und Mimik geboten, die ich selten bei anderen Künstlern so zu Gesicht bekommen habe. Dass Bonaparte in gewissen Kreisen ein arrogantes Bild darstellen, von wegen "Wir sind anders" oder "Wir sind Anti" konnte ich beim besten Willen nicht feststellen. Die sind einfach nur verrückt und haben ihre Bonaparte Party durchgezogen. Mir hat es gefallen.

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