BootBooHook-Festival

BootBooHook Festival - 20. + 21.08.2010 - mit The Notwist, Hot Chip, Die Sterne, Urlaub In Polen u.v.a.

20.08.2010 Faust e.V. / Hannover

Von: Thorsten Schmidt

BootBooHook-Festival Hannover

Was dem Niederrheiner sein Haldern-Pop, ist dem Hannoveraner sein BootBoohook. Naja, noch nicht ganz – in Gemütlichkeit, geschmackvollem Programm und liebevoller Gestaltung sind sich die beiden Freiluftveranstaltungen durchaus ähnlich. Jedoch ist das Festival in Hannovers alternativem Stadtteil Linden mit zahlreichen Cafés, Läden und Kneipen gerade erst drei Jahre alt (Haldern 27) und es geht mit insgesamt etwa 5.000 Besuchern vergleichsweise entspannt zu.

Musikalisch ebenfalls eher auf kleine bis mittelgroße Künstler ausgerichtet, haben die Macher von Tapete Records 2010 mit Hot Chip und The Notwist zwei richtig große Fische aus der Leine gezogen. Die Weilheimer überzeugen für 75 Minuten bei perfektem Sound als Headliner am Freitag, die Briten etwa genauso lang am Samstag. Beiden gelingt es spielend, "Elektro" in Bandformat zusammen - und auf die Bühne zu bringen. Die einen mit phantastischem Tiefgang, die anderen mit charmantem Tanzbein. Die Verbindung von Rockgitarre und Robobeat schaffen auch die famosen Urlaub In Polen bei gefühlten 40 Grad Raumtemperatur und 90% Luftfeuchtigkeit im Café Mephisto ("Red Stage"). Einen Blick in die Musikgeschichte gibt es in Gestalt von Dieter Moebius, der bereits in den 70ern mit Cluster und Harmonia Zukunftsmusik machte.

Tapete selbst ist u.a. mit Bernd Begemann (keine Chance bei brennender Nachmittagssonne und 96-Heimspielauftakt), Men Among Animals aus Dänemark (incl. Talking Heads-Cover), Hellsongs, Anajo und Nom De Guerre vertreten. Dazu gibt es aktuelle Hipster wie Bratze oder Egotronik, um die zu sehen man sich jedoch sehr früh anstellen muss: Spätestens um 23 Uhr ist das Programm der Hauptbühne ("Blue Stage") aus Lärmschutzgründen beendet, und die 60er-Jahre Halle der Faust ("Green Stage") fasst gerade mal 600 Leute – keine Frage, dass da Mancher mit langem Gesicht draußen bleiben und Trost bei der funky-souly Beach-Party suchen muss. Einziges Manko des BootBooHook, das man künftig eventuell durch angemessene  Bühnenplatzierung, oder – wie beim Haldern im Spiegelzelt – durch eine adäquate Außenpräsentation der Shows auf Großbild + PA lösen könnte.

Ansonsten Daumen meterhoch für gutes Essen, faire Preise und den Mut zu Qualität statt Kommerz. Eintrag im Reiseführer: "Hannover hat neben Messegelände, Maschsee, Scorpions und dem besten Fußballclub der Welt ein weiteres Ass im Ärmel: Das BootBooHook!"

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