OBS-Aftershowparty
Wohnzimmerkonzerte sind vielleicht oftmals mit Vorsicht zu genießen. Hoffentlich geht nichts zu Bruch und wo soll das ganze Equipment hin? Was sich Rembert Stiewe, seines Zeichens Glitterhouse-Vize und OBS Booking Held, dabei gedacht hat weiß kein Mensch. Boy Division spielen als Special Guest der Aftershowparty des Orange Blossom Special Festivals im Stadtkrug zu Beverungen. Die Perfomance als Pausenband beim letztjährigen Festival war zwischen Sandkasten und dem einmaligen Roboboy jedenfalls eines der Highlights der OBSler. So kam es wie es kommen musste: Dieses Jahr ist die beste Coverband Hamburgs nicht als Pausenband engagiert, sondern bekommt im Beverungener Stadtkrug eine eigene Bühne – mitten im Wohnzimmer von Rembert Stiewe!
Nachdem Kante den Vorhang für den Samstagabend auf dem Festivalgelände zugezogen hatten, wurde man entweder dazu verdonnert an der wunderschönen Weser oder mit dem Taxi zum Stadtkrug zu gelangen. Neben zahlreichen Helfern, Musikern, Presseleuten und Freunden des OBS, haben es letztendlich auch die fünf gut gekleideten Herren von Boy Division geschafft. Mit einem Mix aus akkuraten Instrumenten und zusammengewürfelten Trödelmarktsonderanfertigungen stehen die fünf "Boys" am hinteren Ende des Sitzungssaals im Beverungener Stadtkrug. Markenzeichen und Wiedererkennungswerte gibt es bei Boy Division gleich mehrere: Zum einen, dass es wohl keine Band in dieser gekonnten Art und Weise schafft, Klassiker der Vergangenheit in dieser trashigen Form auf maximal anderthalb Minuten herunterzuschrammeln. Zum anderen ist da Oliver Hörr (ex-Pornopop), der ausschließlich mit Hilfe eines Megaphons seinen Gesang in die Ohren der Zuschauer katapultiert. Bernd Kroschewskis "do-it-yourself-electronic-drum-kit", auf einem Barhocker montiert, drückt dem Trashpunk erst recht seinen Stempel auf.
So kommt man auf dieser Aftershowparty in den Genuss von The Cures "Boys Don’t Cry" oder der Neuauflage von "Where Is My Mind?" von den Pixies. New Order reiht sich zwischen Motörhead und Tears for Fears ein. Henry Peter, bekannt auch durch seine Aktivität bei Condition Red oder der Hamburger Grunge-Legende Grown, wechselt öfter mal zwischen Gitarre und Keyboard und streut erstaunliche Riffkombinationen und Melodien ein. Profimusiker halt! "Wenn man das Glitzern in den Augen der Kinder sieht, dann weiß man warum man Musik macht" erzählt mir Oliver Hörr noch vor der Show. Und mitten in der Show macht er sich dann auch prompt auf die Suche nach diesem Glitzern. Mit dem Megaphon schreitet er durch den gesamten Stadtkrug, wirkt penetrant und arrogant und das auf einer humoristischen und witzigen Ebene. Manche Zuschauer schrecken zurück, andere sind entzückt vom aufmüpfigen Charme. Denn wer so gekonnt Bon Jovis Tralala-Nummer "It’s My Life" zu einem wahren Smashhit umgestaltet, hat Respekt verdient. Befürchtungen, dass Boy Division den Stadtkrug abreißen würden und somit ein wichtiger Bestandteil des OBS Festivals verloren gehen würde, hat es zwar gegeben, sind aber unbegründet. Der Stadtkrug lebt noch, Boy Division und alle anderen anwesenden großen und schicken Köpfe der Musiklandschaft auch noch.
Mit Boy Division hat das OBS Team eine Band erwischt die fern ab von dem ist, was das Glitterhouse Event sonst so an Musik darbietet. Dazu kommt noch, dass die Hamburger gar nicht so gerne beziehungsweise überhaupt nicht auf Festivals spielen. "Das hier hat einfach ein anderes Flair als diese Stahlrohrkonstruktionen auf irgendeinem Feld. Natürlich haben wir dann Bock hier zu spielen", verriet mir Bernd Kroschewski. Kroschweski spielt übrigens auch noch in der Band Potato Fritz, die genauso wie Boy Division bei seinem Label Fidel Bastro ist. Gitarrist Felix Müller, neben seiner Beschäftigung bei Kante, spielt auch bei der Gruppe Sport, die ihre ersten Sachen auch via Fidel Bastro veröffentlichte. Fidel Bastro und Glitterhouse kennen sich noch aus Fanzinezeiten. Ein Kontakt, der nie abgebrochen war und der den Grundstein für die letzten beiden Auftritte Boy Divisions auf dem OBS legte. So spielte der Charme, den sich beide Parteien in den Schoß schieben, den eventuell auftretenden musikalischen Differenzen entgegen. 2009 wurde Boy Division schon groß aufgenommen. Der Grundstein für das Highlight auf der Aftershowparty am diesjährigen Festivalsamstag.