Nashvillains Solo-Tour 2005
Nachdem die lebende Legende Brian Setzer schon letztes Jahr mit den wieder auferstandenen Stray Cats unterwegs war, kann man ihn dieses Jahr auf seiner Nashvillains Solo-Tour bewundern. Mit seinem neuen Album "Rockabilly Riot – A Tribute to Sun Records" hat er Klassiker und Raritäten des Labels auf seine Weise neu interpretiert und diese seinen Fans im Kölner E-Werk präsentiert. Natürlich hoffte das Publikum auch auf die Klassiker des Mannes, der mit Unterstützung des "Brian Setzer Orchestras" und dem mit zwei Grammys ausgezeichneten Album "The Dirty Boogie" die Swing-Sounds wieder aufleben lies. Enttäuscht wurden wir nicht!
Spätestens im E-Werk selber merkte man mal wieder, dass die Musik von Brian Setzer auch für ein Lebensgefühl steht. Das illustre Publikum hatte sich für den Abend auch entsprechend zurecht gemacht und so konnte bei den männliche Besuchern die ein oder andere Tolle bewundert werden und sowohl bei den weiblichen wie auch männlichen Gästen gab es eine Menge an buntem Körperschmuck in Form von großflächigem Tattoos zu sehen. Die obligatorischen Creepers durften natürlich nicht fehlen. Ist diese Beschreibung für ein Konzertreview von Bedeutung? Meiner Meinung nach schon, da man hier noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl und tiefe Verbundenheit mit einer (Musik-)Szene und einem Künstler feststellen kann, wie es heutzutage nur noch selten der Fall ist.
Bevor der Meister selber die Bühne enterte konnte man noch die schwedische Vorgruppe „Slaptones“ bewundern. Die drei Schwestern und ihr Vater (!) konnten dann zunächst auch überraschen, was aber mehr auf die Konstellation der Band zurückzuführen war, als auf ihre musikalische Darbietung. Schlecht war die musikalische Umsetzung sicher nicht, aber die Show lebte dann doch mehr von der Optik der drei Mädels. Mit dem allseits bekannten Song „Tobacco Road“ konnten dann aber doch die meisten Zuschauer was anfangen und die Stimmung und Vorfreude stieg merklich an.
Nach kurzer Umbaupause war es dann soweit und Brain Setzer betrat bei tropischen Temperaturen die Bühne. Mit dem ersten Track seiner neuen Platte „Red Hot“ legte Setzer an seiner Gretsch auch gleich mit Volldampf los. Weiter ging es mit „THIS CAT'S ON A HOT TIN ROOF“. Die Band gab uns das volle Rockabilly Brett und der Mann, weswegen wir alle da waren, überzeugte jetzt schon auf ganzer Linie an der Gitarre und mit seiner tollen Live-Stimme. Mit „SLOW DOWN“, „ROCK HOUSE“, „PUT YOUR CAT CLOTHES ON“ und „GET IT OFF YOUR MIND“ folgten weitere Tracks von seinem aktuellen Werk, bevor es mit „Mona Lisa“ (ebenfalls ein Song von "Rockabilly Riot – A Tribute to Sun Records") auch erstmals etwas ruhiger und nachdenklicher wurde.
Richtig rund ging es dann bei dem alten Stray Cats Gassenhauer „STRAY CAT STRUT“ und hier wurde von den knapp 2.000 Zuschauern auch richtig gefeiert. Zeit zum Durchatmen blieb weder der Band noch dem Publikum, denn mit „SLEEPWALK“ folgte gleich der nächste Höhepunkt. Nach „FISHNET STOCKINGS“ wurde das Main-Set dann auch beendet, nur um kurz drauf mit einem weiteren Stray Cats Klassiker „ROCK THIS TOWN“ das Haus erneut zu rocken. Den Abschluss fand das Konzert dann mit den obligatorischen Songs „Rumble in Brighton“ und „RED CADILLAC & A BLACK MOUSTACHE“.
Als Fazit kann man festhalten, dass man hier einem Mann und einer Band bei der Arbeit zusehen durfte, die absolute Freude an ihrem Job haben. Der Sound war glasklar, Setzer zeigte, dass er ein wahrer Meister an der Gretsch ist und noch dazu ein perfekter Entertainer. Ein wirklich sehr schönes Konzert, ich bin froh, dass ich diese lebende Legende live sehen durfte. So ging es wohl vielen Leuten im Publikum und doch war die Stimmung irgendwie verhalten. Lag es an der Hitze? Eigentlich sollte man meinen, dass gerade diese Art von Musik die Leute zum ausflippen bringt, denn hier konnte man Rock and Roll in seiner Urform erleben. Trotz allem blieb das Publikum teilweise zurückhaltend, was aber auf keinem Fall an der Band lag, die versprühte ein richtiges Feuerwerk an Energie. Wo wir gerade bei Feuerwerk sind, auf der Rückfahrt gab es ein Gewitter erster Kajüte, aber das ist eine andere Geschichte...