Bright Eyes

The People`s Key-Tour 2011 - Support: Nik Freitas

21.06.2011 E-Werk / Köln

Von: Clara Mestwerdt

Bright Eyes Köln

Mit dem als ihr letztes angekündigten Album "The People`s Key" sind die Bright Eyes dieses Jahr auf Tour und besuchen uns im E-Werk in Köln, nachdem das Gloria als eigentlich geplante Location sofort ausverkauft war. Im zarten Alter von fünfzehn Jahren gründete Conor Oberst aus Omaha, Nebraska die Bright Eyes als Ein-Mann-Projekt, zu dem sich im Laufe der Zeit Mike Mogis und Nathaniel Walcott als feste Bandmitglieder dazufanden. Nach bekannten und sehr beliebten Alben wie "Digital Ash In A Digital Urn" und "Cassadaga" kam dieses Jahr das Abschieds-Album "The People’s Key" heraus, nachdem Conor Oberst ein paar Jahre lang als Solist und mit der Mystic Valley Band unterwegs war. Es soll also das letzte Album sein und es weicht an einigen Stellen vom Stil der vorhergegangenen Alben ab, der sich als Indie-Folk mit Country-Elementen wohl ganz gut beschreiben lässt, was wohl auch mit Conor Obersts Reifeprozess zusammenhängt. Er hat sich verändert in den letzten Jahren, seine melancholischen und poetischen Texte scheinen hier und da nicht mehr so tiefgehend zu wirken wie auf älteren Alben, es sind verschiedenste Lieder dabei, die in eine poppige, rockige und auch sehr ruhige Richtung gehen. Unterstützt werden Conor Oberst, Mike Mogis und Nathaniel Walcott bei "The People’s Key" unter anderem von Interpreten der Bands Autolux, Cursive und The Faint.

Gemütliche Stimmung empfängt einen im ausverkauften E-Werk und man sieht schon das eine oder andere Band-T-Shirt, getragen von gutgelaunten jungen Erwachsenen. Man entdeckt eigentlich keine Jugendlichen und auch kaum Menschen über 35. Die Halle füllt sich allmählich, die Stimmung ist gelöst, kleine Menschengruppen unterhalten sich gemütlich beim ein oder anderen Bier, als pünktlich auf die Minute um acht Uhr Nik Freitas die Bühne betritt. Sympathisch, doch leider etwas nuschelnd begrüßt er die Zuschauer und beginnt zu singen, von sich selbst begleitet. Er passt gut in die Stimmung hinein, er ist einfach da, performed Lieder wie "Sun Down" (mit Begleitung einiger "Freunde"), "Little Man" und "Saturday Night Underwater". Freitas kommt gut an, die Halle ist schon gut gefüllt, der Applaus, den er nach exakt 45 unterhaltsamen Minuten erntet, fällt nicht zu knapp aus.

Nach einem recht langen Umbau betritt der Hauptact des Abends um 21:15 Uhr die Bühne. Die zwischenzeitlich abgespielte Hintergrundmusik und normale Belichtung der Halle tun der Stimmung meiner Meinung nach einen kleinen Abbruch, doch das holt Conor Oberst gekonnt wieder heraus. Die rund 2.000 Leute füllen das E-Werk gut aus ohne es zu überfüllen und man hat sogar von hinten eine recht gute Sicht auf die Bühne. Diese ist schlicht gestaltet, bunte Scheinwerfer unterstreichen die Musik effektiv. Oberst leitet den Abend mit "Firewall" ein, und was sofort auffällt, ist das nahezu bewegungslose Publikum. Mehr als ein paar kleine, rhythmische Bewegungen scheint nicht drin zu sein, dafür geben die sieben Musiker auf der Bühne richtig Gas und haben sichtbar Spaß an dem Auftritt. Mit Songs wie "Something Vague", "Take It Easy", "It’s Cool, We Can Still Be Friends" und "Landlocked Blues" wird auf ältere Alben zurückgegriffen, die Stimmung bleibt auf ihrem Niveau, nicht zu hoch, nicht zu tief. Es gibt aber auch ein paar Lieder, die herausstechen, bei denen sich das Publikum sogar verhältnismäßig viel bewegt, wie "Shell Games", "Jejune Stars" oder "Beginners Mind" des neuen Albums. Der Bass hinterlässt ein Echo in jedem der Zuschauer, es gibt eindrucksvolle Trompeten-Soli und das 31-jährige "Wunderkind" Conor Oberst imponiert wohl jedem. Er steht während des ganzen Konzerts in einem engen Kontakt mit seinen Bandmitgliedern, spielt mit seiner Stimme, lässt sie zittern, rufen, schreien und Geschichten erzählen. Er selbst zeigt einige Seiten von sich, doch das Konzert hat kaum Höhen und Tiefen und allzu viele besondere Momente, da sich viele Songs doch recht ähnlich sind.

Es gibt jedoch einen wirklich berührenden Moment, als er "Ladder Song" alleine und nur vom Klavier begleitet singt. Danach verlässt auch er für ein paar Minuten die Bühne, im Dunkeln beginnt das Intro der Zugabe. "Lover I Don’t Have To Love" und "Road To Joy" runden den Abend schließlich ab, der gelungen, doch nicht allzu überragend ist. Der Applaus holt die Band nicht erneut auf die Bühne zurück, danach leert sich die Halle recht schnell. Auf jeden Fall ein Erlebnis, dieses Konzert, und ich frage mich, ob es sich vielleicht gelohnt hätte, die Bright Eyes, die live wirklich gut sind, früher entdeckt und genossen zu haben!

Setlist:

Firewall
Haile Selassie
Take It Easy (Love Nothing)
Jejune Stars
Four Winds
Cleanse Song
Something Vague
Shell Games
Approximate Sunlight
Falling Out Of Love At This Volume
Cartoon Blues
Beginner`s Mind
Landlocked Blues
Hot Knives
An Attempt To Tip The Scales
Padraic My Prince
Poison Oak
The Calendar Hung Itself...
Ladder Song
---------------
Gold Mine Gutted
Lover I Don't Have To Love
Road To Joy

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