Tour 2010 - Support: Here We Go Magic
Gegründet im Jahre 1999 von Kevin Drew und Brendan Canning handelt es sich bei Broken Social Scene nicht um eine Band im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr um einen Zusammenschluss von Musikern. Wie bei vielen anderen Bands aus Toronto drückt sich auch bei Broken Social Scene die musikalische Kooperationslust der Torontoer Szene aus. Das Bandkollektiv beinhaltet zwischen 2 und 19 Musikern. Im Jahr 2004 erklärten sie: "Das Rezept ist einfach: Gute Freunde, viel Liebe und ein gemeinsamer Wunsch: Die Hässlichkeit unseres täglichen Lebens zu durchbrechen, indem wir etwas Schönes und Zeitloses schaffen. Und es mit euch teilen". In der Vergangenheit haben prominente kanadische Vertreter wie Leslie Feist oder Emily Haines von Metric an Stücken von Broken Social Scene mitgewirkt. Mittlerweile haben die Kanadier bereits fünf Alben veröffentlicht, ihr aktuelles "Forgiveness Rock Record" erschien erst im Mai 2010 und setzt den innovativen Alternative-Ansatz der letzten Alben fort. Heute können wir sie im Hamburger Übel & Gefährlich begrüßen, als Support haben sie das Quintett Here We Go Magic aus Brooklyn mit dabei.
Pünktlich um 21:00 Uhr beginnt das Konzert mit Here We Go Magic, das aktuellste Projekt des Singer-Songwriters Luke Temple. Während sich auf dem nebenan befindlichen Heiligengeistfeld die Menschen tummeln, um sich das Spiel Niederlande gegen Uruguay anzuschauen, ist es zu diesem Zeitpunkt noch recht leer im Saal. Bequem kann ich mir also einen Platz direkt vor der Bühne sichern. Obwohl sich der Saal mit der Zeit etwas mehr füllt, will der Funke nicht so richtig überspringen. Die Band scheint eher gelangweilt zu sein, während sie ihre Songs runterspielt. Die Kommunikation zu den Zuschauern fehlt vollständig. Zwar wird hier und dort mal zurückhaltend im Publikum mitgewippt, aber so richtig interessiert scheint dieses nicht zu sein. Zwischendurch bekommt man den Eindruck, als würden die fünf New Yorker ein wenig auftauen und sich der Musik leidenschaftlicher hingeben, aber der Eindruck ist tatsächlich nur von kurzer Dauer. Bis sie um 21:40 Uhr die Bühne verlassen, kann man aus dem Gesicht von Sänger Luke nur eine ernste Miene ablesen. Lediglich einmal verzieht er die Mundwinkel zu einem Lächeln. Ob das wohl ein Versehen war?
Man weiß es nicht, jedenfalls ganz anders hingegen verläuft der Abend als um 22:15 Uhr Broken Social Scene die Bühne betreten. Mit einem lauten "Haaammmbburrgg" werden die Zuschauer von Brendan Canning, Mitbegründer und Allrounder in der Band, begrüßt. Das Publikum ist sofort bei ihnen und erwidert mit lautem Applaus und Zurufen den Empfang. Es ist mittlerweile deutlich voller geworden, ausverkauft ist es jedoch nicht. Die Stimmung ist angenehm gelassen. Fröhlich wird zu den melodiösen Indiepopsongs mit experimenteller Note getanzt und auch einige textsichere Fans sind zu beobachten. Es wird wirklich das gesamte Konzert über keine Gelegenheit ausgelassen, um den Kontakt zu den Fans zu suchen. Immer wieder sprechen die sympathischen Kanadier mit den Zuschauern und kündigen ihre Songs sehr zur Freude der Fans an. Durchgehend verzücken sie das Publikum mit einem beeindruckenden Gitarrensound, der zum Teil von vier Gitarren geliefert wird, und melodiösen Indiepopsongs, mit denen sie sich direkt in die Herzen der Fans spielen.
Bei den rund acht Musikern, die sich in der Regel auf der Bühne befinden, scheint es sich wirklich um Mehrfachbegabungen zu handeln. So werden eigentlich ständig die Instrumente untereinander getauscht und sogar Instrumente wie Tambourin, Trompete und Saxophon sowie Querflöte finden ihren Einsatz. Für die intimen Momente ist Lisa Lobsinger zuständig, sie ist die ätherisch singende Dame, die bereits seit fünf Jahren in die Männerriege hineinschwebt. Die schön zusammengestellte Setlist scheint kein Ende nehmen zu wollen und durchgehend erkennt man anhand der leidenschaftlichen Hingabe zur Musik, wie sehr die Band es genießt auf der Bühne zu stehen. Und genau diese Leidenschaft überträgt sich auf das Publikum.
Um 0:00 Uhr verlassen die talentierten Musiker schließlich die Bühne. Bis auf Kevin, der bleibt. Was nun folgen soll, macht den bisher schon unvergesslichen Abend zu einem Konzerthighlight. Nach dem famos hingelegten Instrumental "Meet Me In The Basement" lädt Kevin zu einem Jam ein, zu dem sich bis zu fünfzehn Musiker auf der Bühne befinden. Neben den Mitgliedern von Here We Go Magic sind sogar einige von Midlake mit dabei, die ja Broken Social Scene bei vorigen Auftritten begleiteten. Der kann gar nicht lang genug gehen, um 0:18 Uhr ist dann aber endgültig Schluss. Noch völlig hypnotisiert von dem fantastischen Auftritt und der verzaubernden Musik macht man sich eindeutig mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf den Heimweg. Das nenne ich wirklich einen durchweg gelungenen Auftritt.