Don't Litter - Tour 2011
Kürzlich durfte das sonst eher mit beschaulichen Klängen verwöhnte Casino am Kornmarkt in Trier ein wahrhaft lautstarkes Gastspiel erleben. Die Performance-Künstler Bubble Beatz aus der Schweiz waren zu Gast und verzauberten die edlen Räume durch ein visuelles und auditives Spektakel mit fetten Beats und Trash-Romantik. Laut und gewaltig mischten sie ein enthusiastisches Publikum auf.
Deutschlandweit bekannt wurden Bubble Beatz mit ihrem Auftritt bei "Das Supertalent" (RTL) im November 2010. Da blieb selbst Dieter Bohlen die Spucke weg, als sie mit ihrer eigenwilligen Interpretation von "Insomnia" das Publikum von den Stühlen rissen. Im Finale hat es letztlich zwar nur für den zehnten Platz gereicht, doch seitdem können Kay Rauber und Christian Gschwend auf eine große Fanschar blicken, die ihnen eine ausgedehnte Tour durch die europäischen Clubs ermöglicht.
Nun also Trier. Das Casino füllte sich schon früh mit erwartungsvollen Menschen aller Altersstufen. Der komplette Bühnenbereich wurde durch ein eindrucksvolles Gebilde aus Eisenstangen, Blechtöpfen, Pfannen, Verkehrsschildern, Plastiktonnen und allerlei Percussion-Instrumenten eingenommen. Wie eine komprimierte Schrotthalde sah das aus, in der es aber noch etwas Bewegungsspielraum für die beiden Protagonisten gab.
Die Drummer, die sich anscheinend vorgenommen haben, sich bei ihren Konzerten die Seele aus dem Leib zu trommeln, tauchten zunächst mysteriös gewandet auf und begannen mit der Bearbeitung ihrer Instrumente. Mit Stöcken, Keulen, Blechdeckeln – alles, was Lärm machte, hatte eine Chance. Das Rhythmusgefühl des Duos ist berauschend und die Synchronität des Dargebotenen lässt die Zuschauer stets aufs Neue staunen.
Die Schweizer sind keine Neulinge im Geschäft. Seit 1999 treten sie bereits zusammen auf und haben ihre Show bis zur Perfektion ausgebaut. Schon beim zweiten Song standen die beiden mit nacktem Oberkörper da und verführten die weibliche Zuschauerschaft zu manchem Seufzer. Da kann man(n) doch gerne mal mit Freundin zum Konsens-Konzerterlebnis ausrücken: das Martialische für ihn, das Ästhetische für sie.
Die Rhythmusgebilde wurden von pumpenden Technobeats unterlegt, so dass auch stets melodische Elemente auftauchten. Da erinnerten manche Passagen an den Soundtrack zu "Das Boot" und es gab Ausschnitte aus bekannten Hits von The Prodigy ("Firestarter") und Faithless ("Insomnia"). Als Melodie-Instrument gab es eine Art überdimensionierte Panflöte aus dicken Holzröhren, die mit großen Keulen bearbeitet wurden. Eine schweißtreibende Angelegenheit – und Schweiß ist während des Gigs viel geflossen. Rauber und Gschwend sind athletisch und durchtrainiert wie Spitzensportler und schwangen sich an den Eisenstangen hängend über ihre Instrumente zu jedem Punkt der Bühne. Auch das gehörte zur großen Show.
Zudem gab es schöne Lichtkompositionen – mit Schwarzlicht, Neonstreifen auf den Körpern, rhythmischen Lichtspielen. Selbst ein funkensprühendes Kettensägenmassaker konnten die beiden im Duett an ihrem Stangengerüst fabrizieren. Nur an ihren Ansagen könnten die Schweizer noch ein wenig feilen. Bis auf das übliche "Hallo Trier" und "Seid ihr gut drauf" gab es kaum Infos für das Publikum. Taten waren hier definitiv wichtiger als Worte. In manchen Momenten saß auch mal ein Drummer am profanen Schlagzeug, um die Show auf ein anderes Level zu bringen. Doch keiner gönnte sich eine Verschnaufpause. Stets waren beide zusammen auf der Bühne – bis hin zur Zugabe.
Die Show endete nach 70 gewaltigen Minuten in einem Medley aus den besten Elementen der gespielten Tracks. Ein letztes Mal zogen Kay und Christian alle Register ihres Könnens und am Ende waren auch die Menschen vor der Bühne erschöpft. Die Show ist ein intensives Erlebnis und ich kann sie nur weiter empfehlen. Dass das Publikum von dieser Reise begeistert war, davon kann die junge Frau am Merchandise-Stand sicher ein Lied singen. Schon nach kurzer Zeit musste sie den herbei eilenden Kaufwilligen ein "Sorry, DVD und CD sind ausverkauft" entgegen schmettern. Bubble Beatz waren hoffentlich nicht zum letzten Mal im Casino.