Buffalo Tom

Tour 2007 - Support: Tiny Vipers

29.11.2007 Prime Club / Köln

Von: Sascha Knapek

Buffalo Tom Köln

Als sei die Zeit irgendwann in den 90ern stehengelieben. Buffalo Tom spielten am vergangen Donnerstag im Kölner ’Prime Club’ ein Konzert, das auch in der Sturm und Drang Phase des Bostoner Trios nicht viel anders gewesen sein dürfte. Zusammen mit einer relativ hohen Zahl an treuen Fans (es gab zwar noch Tickets, aber nicht mehr viele) wurde der Club für Band und Anhänger zum „Wohnzimmer der schönen Erinnerungen“. Buffalo Toms einziger Deutschlandauftritt ließ keine Wünsche offen und vereinte drei amerikanische Musiker mit einem gleichgesinnten Publikum. Warum auch eine komplizierte Zeitmaschine erfinden wenn Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang ein ähnliches Resultat bescheren können?

Wer an diesem Tag das komplette ’Buffalo Tom’-Programm haben will, kommt schon vor dem abendlichen Konzert in den Genuss eines „Instore“-Auftritts der Band. Im Plattenladen ’Normal’ spielt um kurz nach 18 Uhr erst die Sängerin und Buffalo Tom-Support Jesy Fortino (zusammen mit ihrem Partner Ben Cissner bildet sie das Duo ’Tiny Vipers’) zwei Stücke bevor Bill Janovitz und Chris Colbourn übernehmen (Drummer Tom Maginnis mischt sich scheinbar unbemerkt ins Publikum und lauscht seinen Frontmännern aufmerksam). Mit Akustikgitarren bewaffnet spielen Janovitz und Colbourn ein knapp 20-minütiges Set, dass sich zu großen Teilen aus Publikumswünschen rekrutiert. Die B-Seite „Butterscotch“ wird ebenso zum Besten gegeben wie ein Song der aktuellen Platte „Three Easy Pieces“ („You’ll Never Catch Him“) oder das von Colbourn gesungene und immer gern gesehene „Kitchen Door“. Um die 40 Fans haben im kalten und verregneten Köln den Weg in den sympathischen Plattenladen gefunden. Gelohnt hat sich die Mühe auf alle Fälle. Wann erlebt man solche Aktionen heutzutage noch? Nach dem Set nimmt sich die Band Zeit für Autogramme und kurze Schwätzchen, besser kann der Abend nicht beginnen. Nur schade, dass es im ’Normal’-Sortiment keine Buffalo Tom-Rubrik gibt, den kleinen Seitenhieb kann sich auch Bill Janovitz nicht verkneifen.

Gut drei Stunden später geht es im ’Prime Club’ dort weiter wo das Akustikset endete. Das Versprechen die eigentliche Show werde viel rockiger und man wolle es krachen lassen, wird sofort mit „Staples“ eingelöst. Allerorts frohe Gesichter zwischen Ende 20 und Mitte 40 freuen sich danach über den „Big Red Letter Day“-Hit „Sodajerk“ der, wie die neuen Songs „Bad Phone Call“ oder „CC & Callas“, ausgiebig gefeiert und beklatscht wird. Man merkt, jeder ist wegen Buffalo Tom gekommen, eine Band, die einen aus den unterschiedlichsten Gründen auch nach fast zehn Jahren Abstinenz dazu bewegt Schallplatten zu kaufen und lange Anreisewege in Kauf zu nehmen. Um Maginnis, Colbourn und Janovitz live zu sehen sind diverse Fans sogar aus dem Ausland angereist. Das Trio dankt es mit einer hohen Dichte an alten und neuen Hits. Ob „Mineral“, „I’m Allowed“, „You’ll Never Catch Him“ oder der Blaupause des Buffalo Tom-Sounds schlechthin, “Summer”. Maginnis legt alle Kraft die er beim Akustikset sparen konnte in die Felle und die beiden Herren vor ihm teilen sich brüderlich die Vocals. Bei der „Willkommen im Leben“-Reminiszenz „Late At Night“ darf Colbourn ran, das anschließende – noch aus den ganz frühen 90ern stammende – „Birdbrain“ ruft Janovitz wieder auf den Plan und verleitet ein gutes Dutzend Fans der ersten Stunde zu einem kleinen Jubelsturm. So zieht sich das durch den gesamten Abend. 50 oder 60 Songs könne man jederzeit ohne Probleme und ohne sie geprobt zu haben aus dem Hut ziehen, verriet Bassist Colbourn vor dem Konzert. So gut sei man eingespielt und die Songs einem durch unermüdliches Touren früherer Tage noch hinlänglich bekannt.

Da ist es auch vollkommen egal mit wem und wo man zuletzt in Köln aufschlug. Sportfreunde Stiller, die Rollins Band oder doch eher der Teenage Fanclub? Bill Janovitz kann sich nicht wirklich erinnern, ein paar firme Zuschauer beantworten die Frage jedoch schnell (am 19. Oktober 1998 in der ’Live Music Hall’, als Vorband fungierten die Sportfreunde Stiller). Allgemein ist die Band-Publikum Beziehung am heutigen Abend herzlich und von gegenseitiger Anerkennung geprägt. So stelle ich mir ein gelungenes Klassentreffen vor. Mit einem gewaltigen „Tailights Fade“ und dem frohen und mit kleinem Publikumschor ausgestatteten „Tangerine“ endet das Main-Set so wie es begonnen hat: kräftig, heftig und schweißtreibend.

Bis zur Zugabe vergeht nur ein kurzer Moment. Die 1989 veröffentlichte Nummer „Enemy“ eröffnet den letzten Akt und erfreut speziell die bereits erwähnten altgedienten Fans der Band. „Larry“ überzeugt mit großartigen „Hau-Drauf“-Momenten und geht ins wunderschöne und bereits im ’Normal’ gespielte „Frozen Lake“ über. Danach steht „Crutch“ auf der Setlist, meine persönliche Lieblingsnummer. Kurzentschlossen berät man sich auf der Bühne und spielt spontan zum Abschluss doch lieber „Lost Downtown“. Die Ankündigung von Tom Maginnis, dass sie sich nicht zwangsläufig an die zusammengestellte Setlist halten würden, wurde dann – wenn auch spät – doch noch wahr. Man entlässt zufriedene Zuschauer mit keinem alten Gassenhauer, sondern dem stärksten Stück des neuen Albums. Der Blick geht nach vorne, eine schöne Sache.

Am Anfang schrieb ich, dass der einzige Deutschlandbesuch Buffalo Toms keine Wünsche offen ließ (an dieser Stelle auch noch mal ein herzliches „Dankeschön“ an den Duracelltontechniker, der sich auf der Suche nach dem perfekten Sound immer wieder ins Getümmel begab, um zu hören wie der Sound ist). Was den Auftritt im ’Prime Club’ und das vorangestellte Sahnehäubchen im ’Normal’ angeht stimmt das uneingeschränkt. Einen generellen Wunsch hätte ich allerdings trotzdem noch: „Bitte kommt in absehbarer Zeit wieder nach Deutschland.“ Die nicht geringe Zahl an treuen Fans würde es fraglos ungeheuer freuen und mit Sicherheit wieder zu einigen Hunderten in die bespielten Venues ziehen. Also hoffentlich bis bald ihr Buffalo Tom’s!

„Normal“-Setlist:

Porchlight
Butterscotch
You’ll Never Catch Him
Frozen Lake
Kitchen Door

“Prime Club”-Setlist:

Staples
Bad Phone Call
Sodajerk
CC & Callas
Bottom Of The Rain
Summer
Mineral
Tree House
You’ll Never Catch Him
Late At Night
Birdbrain
Thrown
Velvet Roof
I’m Allowed
Kitchen Door
Taillights Fade
Tangerine

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Enemy
Larry
Frozen Lake
Lost Downtown

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