Burgrock 2010 - mit Long Distance Calling, Kilians, Exposed To Noise, Callejon u.a.
Aus Sicht eines Festival-Veranstalters kann es durchaus beruhigend sein, wenn man eine rein instrumentale Band für sein Line-Up engagiert hat. Denn weder eine Kehlkopfentzündung noch eine Bronchitis muss dann zwangsläufig zur Absage der Band führen. Das mag der Veranstalter des diesjährigen Burgrock in einem ruhigen Moment gedacht haben, nachdem ihm beide Headliner krankheitsbedingt absagen mussten. Für Katzenjammer konnten durch den immerhin dreitägigen Vorlauf die Kilians gewonnen werden, aber als am Freitagmittag die Hiobsbotschaft vom Management Jennifer Rostocks hinzukam, war kein Ersatz mehr möglich. In beiden Fällen machten die Stimmen der Frontfrauen eine Teilnahme unmöglich. So rückten also die Instrumental-Postrocker von Long Distance Calling zum eigentlichen Headliner des schnuckeligen Festivals auf.
Das Zusammenschrumpfen des Bandrepertoires hat das Burgrock nicht verdient. Denn groß ist das Engagement der Verantwortlichen und der vielen Helfer, die das musikalische Highlight des Märkischen Kreises Jahr für Jahr auf die Beine stellen. Und so nett und einzigartig ist auch das Ambiente auf dem Burghof. Das stimmige Konzept sieht eine Mischung aus lokalen Nachwuchsbands und etablierten Größen vor. Die Lokalmatadore wurden nach ihren Bewerbungen von einer Jury zu Ausscheidungskonzerten eingeladen und dann vom Publikum auf die Burgrockbühne gewählt. Dort angekommen haben sie mit dem wechselhaften Wetter durchaus Glück. Die Stimmung ist entsprechend gut und allen voran Exposed To Noise tragen ihren Teil dazu bei. Die meisten Besucher nehmen die Absagen der beiden Headliner verständnisvoll hin. Schmerzlindernd wirkt auch die Erstattung von 10 Euro auf die ohnehin schon günstige Eintrittskarte. Just in dem Moment, in dem die Jungs der Metalcoreband Callejon die Bühne betreten, können die schweren Wolken doch nicht mehr an sich halten und es schüttet wie aus Eimern. Die gar nicht so kleine Fangemeinde vor der Bühne lässt sich jedoch ihre Laune nicht vermiesen und unterstützt Sänger Bastian Sobtzick ebenso textsicher wie laut.
Meine persönliche Laune haben die Absagen des heutigen Tages nicht allzu sehr getrübt, bin ich doch vorrangig für Long Distance Calling angereist. Und die Münsteraner halten, was ich mir versprochen habe. Meditative Loops gefolgt von kraftvollen Gitarrenriffs in allerbester Qualität. Die einbrechende Dunkelheit trägt ihren Teil zur passenden Atmosphäre bei. Das Set ist geprägt von Songs des aktuellen Albums "Avoid The Light". Bei Songlängen von bis zu 10 Minuten bleibt nicht übermäßig viel Raum für mehr. Und doch erhalten die Burgrockbesucher einen Vorgeschmack auf den 2011 erscheinenden Longplayer in Form von zwei neuen Songs, die laut Bassist Jan Hoffmann noch ohne Titel sind. Besonders der zweite lässt auf ein weiteres großartiges Album hoffen, bei dem vielleicht auch wieder hier und da etwas Gesang zu hören sein wird wie zuletzt der von Jonas Renkse bei "The Nearing Grave". Das gibt dieser Band mit dem großen Potential eine zusätzliche Würze.
Nachdem Long Distance Calling die Bühne verlassen haben, drängt sich die sauerländische Kälte gnadenlos in den Vordergrund. Viele der im Laufe des Tages nass gewordenen Besucher müssen früher oder später ins Warme, sodass der Platz nur noch spärlich gefüllt ist als die Kilians beginnen. Sänger Simon den Hartog selbst hüllt sich in seine wärmende Jacke. Und so richtig warm wird heute kaum noch jemand. Bleibt zu hoffen, dass sich die verantwortlichen Kulturpolitiker des Märkischen Kreises vom Pech mit dem Line-Up und dem Wetter nicht entmutigen lassen und das Burgrock im Jahr 2011 eine Fortsetzung erfährt. Viel Glück für die Zukunft dieses besonderen Festivals!