Burning Fight-Tour

Burning Fight Tour 2010 mit The Schöne Hubätz, Z.I.S., Spermbirds, Youth Of Today

20.09.2010 Bürgerhaus Stollwerck / Köln

Von: Karsten Kraemer

Burning Fight-Tour  Köln

Obwohl der Altersabschnitt, der allgemeinhin als "Sturm- und Drangzeit" bezeichnet wird, bei mir schon mehr als anderthalb Dekaden zurückliegt und sich seitdem auch nur noch selten eine Hardcore/Punk-CD in meinen Player verirrt hat, ist ein Konzerterlebnis der alten Schule immer etwas Besonderes. Insbesondere dann, wenn sich mit den Spermbirds wieder einmal ein absolutes Urgestein der (nicht nur deutschen) Szene die Ehre gibt und zudem noch meiner pfälzischen Heimat entstammt. Abgesehen davon - für viele Freunde der Punkmusik besteht ja das ganze Leben aus Sturm und Drang, wofür alleine schon ein Blick ins Publikum an diesem Montagabend im Bürgerhaus Stollwerck in der Kölner Südstadt genügen sollte.

Im Vorprogramm dürfen sich zunächst zwei junge einheimische Combos, "The Schöne Hubätz" und "Z.I.S." (Zerstört in Sekunden), beweisen. Leider ist die Resonanz im Konzertsaal noch relativ dürftig, was zum einen am frühen Beginn (19:30 Uhr) und zum anderen am schönen Spätsommerwetter liegt, das viele noch bei einem Bierchen open air geniessen möchten. Natürlich etwas undankbar für den Nachwuchs, aber schließlich haben alle so angefangen - ihr Auftritt wird von den wenigen Anwesenden zumindest mit anerkennendem Applaus bedacht. Als sich die Jungs von "Z.I.S." gegen Viertel vor Neun von der Bühne verabschieden, strömen immer mehr Besucher ins Innere des altehrwürdigen Backsteingebäudes.

Etwa fünfzehn Minuten später zum Auftakt der Spermbirds ist der Saal sehr gut gefüllt, das Durchschnittsalter dürfte bei Mitte dreißig liegen, es sind wesentlich mehr Jungs als Mädels vor Ort, letztere jedoch dafür fast ausnahmslos prächtig und bunt tätowiert.

Die nun folgenden gut neunzig Minuten inklusive Zugabe zeigen, dass das mittlerweile "Ü 40"-Quintett aus Kaiserslautern weiterhin nichts von seinem Legendenstatus eingebüßt hat. Die Performance ist frisch, kraftvoll und dynamisch wie immer - erstaunlich, da die Wohnorte und damit beruflichen sowie teilweise familiären Verpflichtungen der fünf schon seit Jahren quer über die Republik verstreut sind und ein regelmässiges Proben somit erschweren dürften. Alles wirkt aber eingespielt und routiniert wie zu alten Zeiten.

Bereits der Opener "Something To Prove" erfreut die Masse und insbesondere meine Wenigkeit, da dieser absolute Klassiker aus der Gründungsphase der Band bei ihrem letzten (Kölner) Auftritt im Blue Shell unverständlicherweise nicht gespielt wurde. Die weitere Setlist lässt ebenso keine Wünsche mehr offen: Ob "Nothing Is Easy", "Americans Are Cool", "Try Again" (mit obligatorischem Stage Diving des Gitarristen), "My God Rides A Skateboard", "Texas Cowboy" oder "Only A Phase" - alle einschlägigen Nummern sind dabei. Auch neue Songs von ihrem jüngst erschienenen Album "A Columbus Feeling", der Nachfolger des 2007 erschienenen "Set An Example", werden zum Besten gegeben.

Zum Abschluss des "Mini-Punkfestivals" dann noch der Headliner Youth Of Today aus New York. Altersmässig etwa in der gleichen Liga wie ihre Vorgänger machen auch die US-Boys ihre Sache durchaus ansprechend, allerdings ist ihr Style (typisch amerikanisch) mehr Hardcore als Punk. Als etwas nervig erweist sich einzig und allein der Sänger, der zwischen den Songs immer wieder politische Botschaften in ein- bis zweiminütige Monologe verpackt, die den flüssigen Ablauf doch letztlich etwas stören - da wirken die kurzen (selbst-)ironischen Kommentare eines Lee Hollis passender.

Alles in allem war es dennoch ein sehr stimmungsvoller Abend und der beste Beweis dafür, dass Punkmusik im Live-Kontext nach wie vor anziehend ist und ich nicht der Einzige war, der mal wieder Lust auf ein "old school"-Erlebnis verspürte.

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