The Sea Of Memories Tour 2011 - Support: Evaline
Wieder eine dieser Bands, bei der zumindest ich sehr nostalgisch werde. Zum ersten Mal gehört mit schätzungsweise 15 Jahren, ist die Kiste nun doch echt schon über mein halbes Leben her. Tut aber nichts ab, dass Bush eine großartige Band sind, die auch meinem Power Chord-Geschreddere und sicher auch dem einiger anderer Gitarristen einiges an Einfluß verpasst haben. Erinnere ich mich doch gut und gerne, bei diversen Anlässen (natürlich immer völlig nüchtern) auf der Gitarre "Glycerine" zum Besten gegeben zu haben, einer meiner Favourites. Umso erfreuter nehme ich vor geraumer Zeit zur Kenntnis, dass sich die Herren rund um Gavin Rossdale nach 10jähriger Abstinenz wieder zusammengeschlossen haben, um das Album "The Sea Of Memories" einzuspielen. Noch freudiger muss ich grinsen, als mir eines Mittags vor irgendeinem Burger King in Köln das Tourplakat entgegenlacht: Dates in Hamburg und Köln. Sauber. Das letzte Mal, dass zumindest ich irgend ein Konzert in der Nähe registriert habe, an dem Bush teilgenommen haben, ist etliche Jahre her. Witzigerweise auf den Tag genau vor 10 Jahren, bei der MTV Spin Rock Party am 08.11.2001, während der MTV Music Awards in Frankfurt am Main, im Capitol in Offenbach.
Gespannt mache ich mich also auf den Weg nach Köln, um mitzuerleben, ob da nach einer Dekade immer noch was geht im Hause Bush. Was deutlich ins Auge fällt, als ich in der Live Music Hall ankomme ist, dass sich im Hof mehr Leute meiner Altersklasse tummeln. Was nicht heißen soll, dass Bush bloß eine Ü30 Band sind, die Neuveröffentlichung wird ihr übriges tun und die Band auch einigen Kids nahebringen. Nun ja, als ich über den Hof schlendere Richtung Eingang dringen bereits die ersten Töne der Vorband ins Freie. Evaline steht da in einer weißen Schreibschrift auf einem kleinen Banner. Die Jungs geben sich redlich Mühe, klingen dabei eher seicht, nach irgendeiner Mischung aus Radiohead’s "OK Computer"-Geplänkel mit einem Schuss The Verve und irgendeinem Sänger, dessen Name mir in dem Moment partout nicht einfallen will. Aber irgendwie fehlt die rechte "Prise Salz" für meinen Geschmack, obwohl das Publikum nach den Songs wohlwollend klatscht, die in meinen Ohren aber irgendwie alle gleich klingen. Ich registriere noch, dass die Herren aus Kalifornien kommen und mache mich dann erst mal auf den Weg zum Bierstand, um dort mit einigen netten Zeitgenossen einige Anekdoten über "Früher" und "Damals" und Bush auszutauschen. Ich nutze schließlich die Umbaupause, um etwas weiter Richtung Bühne zu gelangen, vorbei am frischluftsuchenden Volk und denen, die auf eine Kippenpause aus sind.
Platz gefunden in der Nähe der Bar und erst mal die Bühne beobachten: Die Boxen einer bekannten britischen Verstärkermarke sind eingerahmt von Blindern, zusätzlich steht einiges an Wackellampen auf und über der Bühne. Der Backdrop besteht aus dem klassischen BUSH Schriftzug. Nach einer gefühlten ewigen Umbaupause beginnen freudige Klatschchöre, die fordern, dass jetzt endlich Arsch getreten wird mit Stromgitarren. Dem wird auch direkt und unumgänglich nachgekommen. Licht aus, Bush an. Die Vier ballern direkt los mit "Machinehead" und "The Chemicals Between Us". Fette Opener. So gefällt das. Die Resonanz ist dementsprechend heftig und die Menge feiert Rossdale und die andern drei ordentlich ab. Ich muss ein wenig grinsen, der zweite Gitarrist hat sich einen ordentlichen Jesus Bart wachsen lassen. Aber ist ja Geschmackssache, spielen kann er. Der Sound ist mir fast ein wenig zu perfekt, ein wenig mehr "Rotz" hätte man mit reinmischen können. Aber halb so wild, besser so, als undeutlich.
Die Setlist ist gespickt mit weiteren Klassikern wie "Everything Zen" und "Little Things", nebst diversen Tracks des neuen Albums, die auch gut klingen, für mich aber noch Neuland sind. Neben einem sehr ordentlichen Ton feuert auch der Lichtmann aus allen Rohren: die Blinder schießen ihre Salven Richtung Publikum und die Menschen sind begeistert. Ansonsten auch sehr schöne wechselnde Farbspiele. Rossdale bedankt sich mehrfach herzlich beim Publikum und beteuert, dass man doch nur zusammengekommen sei, um mal wieder etwas Musik zu machen, er freue sich riesig über die volle Halle und die gute Resonanz. Es wird ihm mit tosendem Applaus gedankt. Nach einem Set von 14 Songs verlassen Bush die Bühne, um nach längerem Jubel mit einer Coverversion des Beatles Songs "Come Together" in die Zugabe einzusteigen. Und dann ist es soweit: Rossdale stimmt "Glycerine" an und ich habe ordentlich was zum Mitgröhlen! Und freue mich, dass ich nicht der einzige bin, der den Text auswendig kann. Obwohl ich in meiner Ecke irgendwie der Lauteste bin. Bush schließen das Set mit "Comedown" vom Album "Sixteen Stone" und entlassen das Publikum in die Kölner Nacht. Zufrieden, wie ich finde und man auch einigen ansehen kann. Eine gelungene Show einer Band, mit der ich so nicht mehr gerechnet hätte. Danke Bush. Gute Nacht Köln.