Carried To Dust Tour 2008 – Support: Bodies of Water
Es ist doch schön zu sehen, dass es noch Dinge gibt auf die man sich verlassen kann. Ein Konzertbesuch bei Calexico zum Beispiel, der lohnt sich immer! Die Formation aus Tucson, Arizona spielt zwar nicht mehr in heimeligen Clubs wie der Kantine, aber auch wenn die Intimität der sensiblen Wüstensöhne im eher sterilen E-Werk ein wenig leidet, wird es dank toller Songs und liebenswürdiger wie fähiger Musiker ein intensives zweistündiges Konzerterlebnis. Calexico live on stage 2008 – ein schönes Bild wie sie auf der Bühne stehen: 3 x Arizona, 2 x Spanien und 2 x Deutschland. Allen voran Sänger/Gitarrist Joey Burns, der viel erzählt und in blendender Verfassung ist. Aber der Reihe nach.
Pünktlich um 20 Uhr beginnt der Support Bodies of Water. Eine persönliche Herzband von Burns, wie er später mitteilen wird. Und eine ungewöhnliche Band – zwei Damen und drei Herren in klassischer Rockbesetzung mit gar nicht so klassischen sondern höchst ungewöhnlich arrangierten Songs. Ihr Sound ist irgendwo zwischen Independent, Art-Rock und Folk einzuordnen. Obwohl sie aus Los Angeles stammen klingen sie frisch, unschuldig und lasziv verstörend, und ihre starken Melodien wirken wie frisch aus Kanada importiert. Die stark aufgedrehte Sängerin und Tastenfrau Meredith kriegt sich gar nicht mehr ein darüber, vor so vielen Leuten spielen zu dürfen. Ein spannendes, knapp 40 minütiges Set mit tiefgreifenden und schrillen Momenten. Kommt an und macht neugierig.
Um kurz nach 21 Uhr kommen dann zunächst Joey Burns und Pedal-Steel Wunder Paul Niehaus auf die Bühne um mit „Bisbie Blue“ dort anzuknüpfen wo man kurz zuvor aufhörte: Bereits am Nachmittag spielte man in kleiner Besetzung ein Akustik-Konzert in Kölns Musikparadies NORMAL vor kleinster Belegschaft in familiärem Rahmen. Der redefreudige Burns erzählt davon, was für einen schönen Tag die Band hatte und wie toll es sei wieder in Köln zu sein und mit kleinen Kindern und Freunden den Tag im Plattenladen zu verbringen. Da tut es einem fast ein wenig leid, dass die Aufforderungen zum Mitsingen heute weitestgehend verpuffen. Entweder liegt es an der leicht angeschlagenen Stimmung ob der leicht verwirrenden Vorband, oder an der hohen Bühne und dem fortgeschrittenen Alter des Publikums im gut gefüllten E-Werk – die 30 ist teils deutlich überschritten.
Dabei gibt es recht früh im Set ehemalige Perlen wie „Across The Wire“ oder „Sunken Waltz“. Mehr als höchste Aufmerksamkeit und frenetischer Jubel zwischen den Songs ist hier allerdings nicht drin. Das ist aber auch okay, schließlich liegt dem aktuellen Album „Carried To Dust“, das mehr als die Hälfte der Setlist füllt, eine stete Melancholie inne. Der ohnehin schon prägnante visuelle Aspekt in Calexicos Songs wird durch eine stimmungsvolle Lichtshow mit auf riesige Strukturleinwand projizierte Fahrten auf amerikanischen Wüstenhighways noch verstärkt. Aber letztlich zählt die Musik, und es ist ein magisches „All Systems Red“, das das Eis bricht und den Abend nach Hause bringt: Sanfte Töne aus der Akustischen mit verhaltenem Piano steigern sich in einen wahren Feedback-Reigen; Paul Niehaus hat von Pedal auf E-Gitarre gewechselt und sorgt mit Noten in den Sphären eines Neil Young für Gänsehaut. Punk und Emotion pur.
Jairo Zavala Ruiz, Gitarrist und Neuling in der Band, verstärkt den Rockanteil noch. Sein Spiel ist unaufdringlich aber letztlich durch filigrane kleine Zwischentöne füllend. Die zwingende Radiotauglichkeit von „Two Silver Trees“ bleibt unüberhörbar, das schwebende „Man Made Lake“ ist live dagegen ein unerwarteter Höhepunkt. Ansonsten reicht der Sound von Latino („Inspiraicon“, gesungen von Trompeter und Multi-Instrumentalist Jacob Valenzuela) über Flamenco im Artur Lee/Love-Klassiker „Alone Again Or“ bis zu hemmungslosem Tex-Mex in „Crystal Frontier“. Hier sind wir bereits in den Zugaben und die Leute gehen endlich mit.
Obwohl das Saal-Licht bereits brennt kehrt die Band noch für ein feuriges „Guero Canelo“ zurück und das E-Werk tobt. Ganz am Schluss hat Joey Burns dann noch eine Bitte: „Wenn ihr nach Hause geht, dann ruft bitte eure Verwandten in Amerika an oder schreibt E-Mails damit diese Misere im Weißen Haus endlich ein Ende nimmt!“. Machen wir doch gerne. Solange Du weiterhin mindestens noch einmal im Jahr auf Besuch über den großen Teich vorbei kommst, für einen Abend unter Freunden!
Setlist:
01. Bisbee Blue
02. Roka
03. Bend to the Road
04. Across the Wire
05. Sunken Waltz
06. Writer’s Minor Holiday
07. El Gatillo
08. Inspiracion
09. All Systems Red
10. Dub Latina
11. Two Silver Trees
12. The News About William
13. House of Valparaiso
14. Man Made Lake
15. Alone Again Or
16. Fractured Air
17. Red Bloom
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18. Minas De Cobre
19. Victor Jara’s Hands
20. Crystal Frontier
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21. Guero Canelo