Carl Barat

Tour 2010

01.11.2010 Uebel & Gefährlich / Hamburg

Von: Jessica Franke

Carl Barat Hamburg

Was haben die Libertines für Aufsehen gesorgt, regelrecht Geschichte geschrieben. Zusammen bildeten Carl Barât und Pete Doherty wohl das explosivste Gemisch des Jahrzehnts. Dann zerbrach alles und jeder ging eigene Wege. Obwohl Carl mit seinen Dirty Pretty Things zwei formidable Alben rausbrachte, stand er stets im Schatten von Pete und seinen Babyshambles. Nach dem Soloprojekt Pete Dohertys und der legendären Reunion der Libertines in diesem Jahr zieht nun auch Barât sowohl mit Soloalbum als auch mit Biografie nach und beweist einmal mehr, dass er sich hinter seinem Likely Lad so gar nicht verstecken muss. Ganz Europa darf sich nun also auf den sympathischen Briten freuen und selbstverständlich stattet er auch, sehr zu meiner Freude, Hamburg einen Besuch ab.

Genau wie Pete Doherty im letzten Jahr spielt auch Carl im Übel und Gefährlich. Im Unterschied ist der heutige Abend jedoch nicht ausverkauft. Das tut in Sachen Stimmung aber nichts zur Sache, spätestens als Carl die Bühne betritt ist der komplette Saal mit Euphorie erfüllt. Wie ein Held wird der Brite in Empfang genommen. Und der versteht es ganz hervorragend, das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu begeistern. Das liegt nicht nur an seinen neuen Nummern, die sich durchaus hören lassen können, sondern vielmehr an den zahlreichen Krachern sowohl der Libertines als auch von Dirty Pretty Things, die von der Menge gebührend abgefeiert werden. Kollektiv grölen die Fans Songs wie "The Man Who Would Be King" oder "Up The Bracket" mit, tanzen und springen ihrem Helden entgegen. Ein bisschen müde sieht der Gute allerdings aus. Glasige Augen und tiefe Augenringe zeichnen sein Gesicht, manchmal wirkt er etwas abwesend. Ob ihm die Libertines fehlen? Ein bisschen bekommt man diesen Eindruck, wenn man die Leidenschaft beobachtet, die er bei deren Songs hervorbringt. Nicht, dass er seine eigenen Stücke lieblos präsentiert, aber etwas hingebungsvoller erscheint er dann doch bei den altbekannten und geliebten Stücken.

Nach knapp einer Stunde verlässt er die Bühne, lässt sich aber von den Fans nicht lange bitten und kommt zurück, um uns eine Reihe an Songs aus dem Repertoire der Libertines und Dirty Pretty Things zu präsentieren. Und den Fans gefällt es sichtlich. Sowohl auf der Bühne als auch im Publikum wird noch einmal ordentlich Gas gegeben. Nun können die Zuschauer endgültig beweisen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und die heißgeliebten Stücke textsicher begleiten können. Und diese Aufgabe meistern sie mit Bravour. Carl macht nicht den Eindruck, als wolle er die Bühne verlassen, fragt sogar nach, welchen Song er noch spielen könne, liefert schließlich noch "Time For Heroes" und "Truth Begins" ab, zwei Songs, die mit heller Begeisterung angenommen werden. Nach "Don't Look Back Into The Sun" und somit insgesamt 80 Minuten geht Carl dann endgültig unter tosendem Applaus von der Bühne und hinterlässt durch und durch glückliche Gesichter unter den Zuschauern. Zuletzt versuchen einige Fans noch was von der Bühne zu erhaschen, und wenn es nur die leere Bierflasche des Briten ist. Das nenn ich mal Verehrung! Es bleibt nur noch zu hoffen, dass man Carl Barât bald wieder sieht, vielleicht ja sogar zusammen mit Pete und der restlichen Formation der Libertines. Wünschenswert ist das jedenfalls.

Setlist:

Je regrette, je regrette
Run With The Boys
The Man Who Would Be King (The Libertines)
Carve My Name
She's Something
Driftwood (Dirty Pretty Things)
The Magus
So Long, My Lover
Up The Bracket (The Libertines)
What Have I Done?
Death Fires Burn At Night
Death On The Stairs (The Libertines)
Bang Bang You're Dead (Dirty Pretty Things)
---------------
What A Waster (The Libertines)
9 Lives (Dirty Pretty Things)
France (The Libertines)
The Fall
Music When The Lights Go Out (The Libertines)
Time For Heroes (The Libertines)
Truth Begins (Dirty Pretty Things)
Don't Look Back Into The Sun (The Libertines)

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