Carus & The True Believers

Tour 2008 - Support: Mathew James White

30.04.2008 Kulturbahnhof / Neuenkirchen-Vörden

Von: Sascha Knapek

Carus & The True Believers Neuenkirchen-Vörden

Der Abend vor dem 1. Mai. Was macht man da im eher ländlich geprägten Teil Niedersachsens? Den Bollerwagen für den nächsten Tag mit genügend Hochprozentigem bestücken, Maibäume aufstellen, diese mitunter vom Nachbarn klauen und weiß der Geier wasÂ… und auf Konzerte gehen. Was sich komisch anhören mag, ist in der – nennen wir sie mal – Stadt Neuenkirchen-Vörden nichts Ungewöhnliches. Denn der in der kleinen Gemeinde bereits hinlänglich bekannte (durch das ein oder andere gefeierte Konzert in den letzten Jahren) Australier Carus Thompson hat für diesen Abend seinen Besuch im sympathischen Kulturbahnhof angesagt. Gut 200 Besucher scharren um 20 Uhr vor dem neben einem Kraftfutterwerk gelegenen Kulturzentrum mit den Füßen und warten sehnsüchtig auf Einlass und den musikalischen Beginn.

Interessant zu beobachten ist im Lauf des Abends besonders die Alterstruktur des anwesenden Völkchens. Über den Daumen gepeilt vier Generationen zieht der Name Carus in den Kulturbahnhof, d.h. volles Haus und bereits vor und während dem Support-Act des heutigen Tages, der in Berlin lebende Neuseeländer Mathew James White, herrscht eine glänzende Stimmung. Auch White ist im Kulturbahnhof ein bekanntes Gesicht, sein heutiger Auftritt ist ebenfalls nicht sein erster im zweieinhalbtausend Seelen Ort. In den hinteren Reihen ist während seines nur mit Akustikgitarre begleiteten Auftritts zwar geräuschtechnisch noch einiges los, aber als Support noch zu einer Zugabe geklatscht zu werden, sagt einiges. Die Pose des manchmal nachdenklichen, manchmal aufgewühlten Singer/Songwriters steht dem jungen Mann sehr gut zu Gesicht, dem Publikum gefällts. Ein tolles Instrumental, das zeigt wie sehr Mathew James White sein Spielgerät im Griff hat, gerät zum Höhepunkt des bereits durch die hauseigene Lightshow unterstützten Auftakts.

Um kurz vor halb zehn ist es dann soweit, Thompson betritt – noch ohne True Believers an seiner Seite – die Bühne und beginnt diesen Mittwochabend solo an der Akustikklampfe. Erst nach dem zweiten Song (das von seinem Bruder Christian Thompson begleitete “Cup A Tea“) begibt sich der Rest der Band für “Born With A Broken Heart“ in Carus’ Rücken. Mathieu Lucas zupft den Stand-Up-Bass, Christophe Baillet bearbeitet das Schlagzeug und das Geschwisterpaar Thompson spielt Mandoline, Akustikgitarre und die an einem Dylan-Rig vor Carus’ Mund positionierte Mundharmonika. Anfänglich hartnäckige Soundprobleme machen dem Australier zwar zu schaffen, dass Publikum stört es nicht und schon nach einer viertel Stunde sind Stimmung und Begeisterung im Kulturbahnhof hochgradig ansteckend.

Das mit Reggae-Touch daherkommende “Grow To Overthrow“ spielt dieser tollen Atmosphäre bestens in die Karten. Thompson spielt die Akustikgitarre hinter dem Kopf, die Meute tobt. Anschließend ist es Zeit für ein paar ruhigere Töne. Auch solo – oder wie bei “This Time“ mit der Unterstützung von Bruder Christian (Backgroundvocals) und Drummer Christophe (hier an den Shakern) – hat Carus das Publikum hervorragend im Griff, der Saal hängt förmlich an seinen Lippen. Es geht weiter mit Geschichten über die französische Polizei, bandinternen Instrumentenwechseln und Songs wie “Hold On“, “Sweet Monday“ und “Warning Signs“ vom aktuellen Album “Three Boxes“.

Mittlerweile ist die Zeit reif für etwas härtere Töne. Carus verabschiedet sich vorerst von seiner Akustikgitarre, greift zur Telecaster und rockt “Last Days Of Winter“ und “Breathe“ wie sie es verdienen. You guys are pretty loud for Germans, ruft er anschließend seinen feiernden Zuhörern entgegen. Die True Believers verlassen erneut die Bühne und der Frontmann macht sich allein auf den Weg Richtung Saalmitte. Ohne Mikro und mit ganz viel Gänsehaut im Publikum zelebriert der Songwriter dort zwei Stücke, besonders “Three Boxes“ überzeugt mit seiner nur so vor Kraft strotzenden Intimität.

Mit Band gibt es danach einen Christian Thompson-Song zu hören. Sowohl die Feierlaune der Anwesenden als auch die Musik ähnelt dabei den Stücken seines Bruders Carus. Die angezogene Version des Crowded House-Klassikers “Weather With You“ ist im Anschluss genauso gerne gesehen, wie die bei “Gonna Leave This Town“ hinter dem Kopf gespielte E-Gitarre, das mit Bandvorstellung und etwaigen Solis versehene “One More Time“ (samt Carus’ „Wayne’s World“-Verneigung vor seiner rhythmischen French Connection) und der brandneue Song “Long Time“. Ein Kommentar zu den an diesem Tag elendigen und bei der Anreise behindernden Staus darf natürlich auch nicht fehlen: Wenn ihr Deutschen was macht, dann macht ihr’s auch richtig!

Was nun nach dem Main-Set folgt habe ich selten so erlebt. Zu insgesamt vier Zugabeblöcken wird die Band „herausgeschrieen“ (im positivsten Sinn des Wortes!). Die Fanfavoriten “Yangi“ und “Sweet Place“ gibt es dabei ebenso, wie das traurige “Thrown“ und den absoluten Höhepunkt, das David McComb-Cover “Wide Open Road“; dargeboten in der Saalmitte, mit der kompletten Band, ohne Mikros und umzingelt von gut 200 enthusiastischen Teilzeitsängern. Nach gut zwei Stunden ist Carus’ Hemd offen, die Band durchgeschwitzt und das Ende in Form eines weiteren Songs von Christian da. Es ist ein verdientes Ende nach einem großartigen Auftritt, bei dem sich Carus’ „Hinter-dem-Kopf-Kreis“ mit einer Mandolineneinlage schließt und alle selig in den Mai tanzen.

Einen Besuch bei Carus und seinen True Believers kann ich jedem der auf ehrliche, handgemachte und originelle Rockmusik steht – die auch vor Blues-, Folk-, Reggae-, oder Chilltunes-Ausflügen nicht Halt macht – nur wärmstens ans Herz legen. Leute wie John Butler, Jack Johnson oder die Dave Matthews Band wissen schon warum sie den Mann aus Fremantle gerne im Vorprogramm ihrer Shows platzieren. In den kommenden Wochen ist Carus Thompson sowohl mit Band als auch solo weiterhin in Deutschland unterwegs. Bei Interesse einfach mal hier vorbeisurfen und einen Blick auf den Tourkalender werfen, es lohnt sich!

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de