Feuchtgebiete Lesung 2008
Feucht fröhlich debütiert die sympathische Ex-Viva-Moderatorin Charlotte Roche mit ihrem Roman „Feuchtgebiete“, der sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die An(n)alen der weiblichen Sexualität schlängelt, Masturbation als allumfassendes Wundermittel lobpreist und nicht davor zurückschreckt, den Keimen durch pure Konfrontation den Kampf anzusagen.
Die 18-jährige Helen ist nicht nur ein Opfer der Intimrasur, sondern auch die Protagonistin dieser Wanderung entlang der Ekelgrenze. Vor allem das weibliche Geschlecht wird von ihr genauestens unter die Lupe genommen, denn wenn man schon einmal im Krankenhaus liegt, weil man sich auf unmöglichste Art und Weise simpel gesagt „den Arsch aufgerissen hat“, muss man sich schließlich irgendwie beschäftigen. Und so entdeckt Helen ihre ganz eigene Methode, die Zeit totzuschlagen.
Inwieweit der Roman nun autobiografisch ist bleibt wohl reine Spekulation, jedoch ist niemand davor sicher, nicht auch ein Stück seines Selbst zwischen den Zeilen zu entdecken. Dabei sind viel weniger die Praktiken, die Helen für sich entdeckt, von hohem Wiedererkennungswert, als vor allem die Hygiene-Mythen, gegen die „Feuchtgebiete“ gnadenlos anschreibt. Wer kennt sie nicht, die saubere Unterhose für den Fall, man wird in einen schweren Autounfall verwickelt? Ganz zu schweigen von der panischen Angst vor Pilzbefall, nach dem Gang auf eine öffentliche Toilette. Natürlich alles nur Leiden der Frauen, glaubt man dem Buch.
Charmant wie eh und je präsentiert sich Charlotte Roche mit ihrem „Baby“, das der KiWi-Verlag als pornografisch ablehnte und das nun bei Dumont ein schnuckeliges Zuhause gefunden hat. Der Roman regt zum Lachen, Denken und Ekeln an, und das weiß die Autorin anscheinend selbst am besten, denn wie sonst kann man sich ihre Lacher erklären, wenn es im Publikum raunt, lacht und murmelt?
Bevor es für Frau Roche zum Signieren des Werkes geht, schiebt sie noch eine kurze Frage-Runde ins Programm. Klar, das Publikum ist neugierig und Charlotte Roche über so manche Frage ziemlich überrascht. So wollte man wissen wie es um ihr eigenes Sexleben nach dem Buch bestellt ist, was ihre Eltern zu dem Buch sagen und ob ihre Tochter eben dieses später einmal lesen dürfe. Zum Schluss gibt es noch eine standesgemäße Verbeugung und ein bisschen schlauer schlendert man nach knappen anderthalb Stunden nach Hause; der ein oder andere sicher überlegend, wem er dieses Buch demnächst schenken könnte.