Tour 2009
Der Museumsplatz in Bonn gehört meines Erachtens zu einem der schönsten Plätze für ein Open Air Konzert wenn die Sonne scheint. Und das tut sie im Heimatland von Chris de Burgh laut eigenen Angaben nur nachts. Dementsprechend gut gelaunt und mit ein paar lockeren Sprüchen auf den Lippen führt der mittlerweile 60-jährige Chris durch das dreistündige Konzert, nur unterbrochen durch eine kurze Pause nach cirka der Hälfte der Zeit.
"Footsteps" heisst sein aktuelles Album, und die hat nicht nur er hinterlassen, sondern auch andere Musiker bei ihm. Wie z.B. die Beatles oder Bob Dylan oder Toto. Und genau das ist auch das Thema seiner aktuellen Platte. Munter covert Christopher John Davison, der 1948 in Buenos Aires als Sohn eines britischen Diplomaten zur Welt kommt, die Songs, die ihn während seiner Schaffenszeit geprägt haben. Das gelingt ihm bei Bob Dylan's "All Along The Watchtower" und vor allem bei Nilsson's "Without You", welches ja auch durch die Mariah Carey Version bekannt ist, sehr gut. Nicht so gut dagegen Toto's "Africa", aber das dürfte den etwa 2.000 Besuchern an diesem Abend eher egal gewesen sein. Denn spätestens, wenn Chris de Burgh alleine am Flügel sitzt und "Borderline", einen seiner größten Hits anstimmt, dann merkt man, dass er einer der alten Garde ist. Ein Künstler der es schafft ohne Pyros, Computer und Bühnenshow, Gefühle zu transportieren und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Und das muss man ihm, auch wenn man wie ich eher die rockigeren Töne bevorzugt, eingestehen. 45 Millionen verkaufte Platten und 30 Jahre Musikbusiness sprechen halt eine klare Sprache.
So ist es aber auch nicht verwunderlich, dass dort wo einen Abend vorher noch Black Sabbath mit Ronny James Dio als "Heaven and Hell" die Meute aufgeheizt haben, jetzt fein säuberlich durchnummerierte Stuhlreihen ihren Platz finden. Etwas befremdlich, und vielleicht liegt es auch daran, dass bei mir in der ersten Hälfte nicht so richtig ein Konzertgefühl aufkommt. Das legt sich auch erst am Ende, als de Burgh seine Top-Hits wie "Lady In Red", "Don't Pay The Ferryman" und "High On Emotion" spielt und das Publikum sich endlich aus den Stühlen erhebt um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. So geht es wohl auch unserem "Supertalent Michael Hirte", der seine Mundharmonika heute gegen einen Filzstift tauscht und fleissig Autogramme gibt.
Bei alledem muss man auch erwähnen, dass die Band um Chris de Burgh fantastisch ist. Nigel Hopkins, Al Vosper, David Levy und Tony Kiley leisten hervorragende Arbeit und komplettieren das Klangerlebnis, das wirklich stimmig ist. Chris de Burgh ist ein Songwriter und exzellenter Sänger. Und das hat er an diesem Abend wieder einmal unter Beweis gestellt.