Tour 2006
Das Negative zuerst: Die Chance Chris Rea hierzulande in naher Zukunft noch einmal live zu erleben ist gleich Null. Aufgrund einer schwerwiegenden Krankheit, die hier nicht unbedingt erwähnt werden muss, haben ihm seine Ärzte absolutes Auftrittverbot verhängt. Auf den Werbeschildern vor der Halle bedankt sich Rea exklusiv bei seinen Fans mit einem Spruchband für das ausverkaufte Konzert. In der Halle sagt er an diesem Abend jedoch wenig.
Nachdem ich dann aufgrund der katastrophalen Parksituation an der Philipshalle erst eine knappe halbe Stunde zu spät komme, verpasse ich ein paar Lieder. Das ist schade, aber nicht schlimm, denn Rea verhält sich in den nächsten ein ein halb Stunden genau gleich. Er spielt und spielt und spielt, bedankt sich höflich nach fast jedem Song und spielt weiter. Zwei Stunden lang. Das mag langweilig klingen, ist es aber nicht. Denn wer kann schon Songs wie „Julia“ oder „On the beach“ widerstehen? Fakt ist, die Anwesenden schon einmal nicht.
Das Konzert ist ausverkauft und der Saal bestuhlt, was sicherlich nicht die beste Lösung ist. Auch, wenn ich mit meinen ein und zwanzig Jahren sicher der jüngste im Saal bin, wäre die Stimmung ohne die gemütlichen Polsterstühle sicherlich besser. So kann der eh nicht oft redende, sich nur manchmal schüchtern bedankende Rea, dem Publikum nur wenige Klatschorgien entlocken.
Begleitet wird Rea an diesem Abend von vier weiteren Musikern: Martin Ditcham (Drums), Robert Ahwai (Guitar), Sylvin Marc (Bass) und Paul Hirsh (Keyboard). Musikalisch ist der Abend dann auch einwandfrei gestaltet. Chris Rea spielt seine Hits, einige Solis und seine Stimme klingt live noch viel besser als auf seinen zahlreichen Alben. Oft wirkt er jedoch abwesend, so als würde er seine gesammelten Auftritte innerhalb eines langen Gitarrensolis, von denen es heute viele gibt, Revue passieren lassen. Und es scheint ihm zu gefallen, welche Diskogrpahie er uns bis jetzt geschenkt hat. Denn sein lächeln verrät dem Publikum, das dies auch für ihn, wohl ein gedächtnisreicher Abend ist.
Der erste Höhepunkt ist dann „Easy Rider“; ein wunderschöner, melancholischer Song, der von Rea himself und seiner Band fantastisch umgesetzt wird. Wie bei seinem nächsten Song verzichtet der Musiker fast ganz auf Showeffekte, was dem Abend keinen Abbruch tut. Einzelne Scheinwerfer tauchen ab und zu den Saal in lila farbenes Licht oder flackern in unterschiedlichen Farben über das Publikum hinweg an die Hallendecke. Auffallend ist, wie Rea nahezu versucht in einen gewissen Perfektionismus zu fallen. Die Gitarre wechselt fast nach jedem Song und sogar innerhalb eines Songs wird zwischen Banjo und blauer E-Gitarre getauscht. Alles soll wohl perfekt sein an diesem Abend. Und es ist es auch -fast. Denn mit „I can hear your heart beat“ erreicht der Abend seinen absoluten Höhepunkt. Wer auf abgewandelte Songs wie a la Dylan steht, der ist hier genau richtig aufgehoben. Der Song ist immer wieder gespickt mit fantastischen Gitarrensoli.
Rea spielt mit seiner Gitarre als sei es das alltäglichste der Welt. Es war es auch. Und das ist traurig. Denn trotz der manchmal aufkommenden Langweile, verursacht durch die deplazierte Bestuhlung, ist dies ein grossartiger musikalischer Abend mit einem glänzenden Chris Rea. Wir werden ihn vermissen.