Christmas Moments

Christmas Moments 2011

23.12.2011 Arena Trier / Trier

Von: Andreas Weist

Christmas Moments Trier

Am 23. Dezember steht man in der ältesten Stadt Deutschlands alle Jahre wieder vor einem großen Dilemma, denn es gibt drei Ereignisse, die jedes für sich weihnachtliches Pflichtprogramm sind. Leider müsste man sich dreiteilen oder eine Zeitmaschine erfinden, um dies alles auszukosten: The Rudolphs rocken die Tufa, Guildo Horn gibt sein wichtigstes Konzert ("Weihnachten bin ich zuhaus‘") in der Europahalle und Thomas Schwab sorgt mit Christmas Moments in der Arena für besinnliche Stunden.

In diesem Jahr fiel mir die Entscheidung leicht, denn ich durfte gemeinsam mit 99 weiteren Sängerinnen und Sängern Teil des großen Christmas-Moments-Chores sein und das Konzert bei fünf Songs stimmgewaltig mit verstärken. Ich muss sagen: Es macht großen Spaß und ist ein ganz besonderes Erlebnis, eine solche Produktion (vor immerhin fast 4.000 Zuschauern) von hinter den Kulissen zu begleiten und in allen Facetten mit zu erleben. In einer Zeit, in der viele Chöre zur Notfall-Größe zusammenschmelzen oder ganz von der Bildfläche verschwinden, wurde dieser zusammengewürfelte und generationsübergreifende Haufen Gleichgesinnter schnell zur verschworenen Gemeinschaft und brachte die Freude am Gesang auch überzeugend an die Zuhörerschaft.

Die Show Christmas Moments gibt es bereits im 14. Jahr. Initiator und Vordenker ist Thomas Schwab, der mit 19 Jahren das Musical "Flori" schrieb und in der Region Trier zur Aufführung brachte. Danach verfolgte er verschiedene Showkonzepte, von denen die 1998 erstmals realisierte Weihnachtsshow das erfolgreichste ist. Sie wird alljährlich in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland aufgeführt und erfährt ihr Finale seit 2004 am Tag vor Heiligabend in der Trierer Arena. Eine Tradition, die keiner mehr missen möchte, der einmal dabei war.

Im aktuellen Programm waren sechs Instrumentalisten und sechs Gesangssolisten auf der Bühne vertreten. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Thomas Schwab führte Schauspieler Alexander Grünberg als "Geist der Weihnacht" durch das abwechslungsreiche Programm aus bekannten Popsongs, Eigenkompositionen, religiösen Liedern und Weihnachtsklassikern. Den Anfang machte das ruhige Stück "Wann fängt Weihnachten an", das die aktuelle CD des Ensembles (Titel: "Hope") eröffnet. Guido Illigen, der von Beginn an für die Show singt, interpretierte besinnliche Textzeilen wie "Wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt". Ein gelungener Einstieg.

Weiter ging es mit Neuzugang Anja Lehmann. Die christliche Sängerin ist hauptsächlich im Bereich Gospel und Worship Music unterwegs und sorgte auch bei Christmas Moments für leise Töne, beispielsweise mit "Anybody Here" und dem Klassiker "Oh Holy Night". Musical-Star David Moore sang mit souliger Stimme "This Is Christmas" und dann gab es das Duett "Baby It’s Cold Outside" von Allround-Talent Oliver Rohles und dem neuen Ensemble-Mitglied Kerstin Bauer.

Erster Höhepunkt war aber ohne Zweifel Meike Anlauffs wundervolle Interpretation von Leona Lewis‘ Hit "Run". Ein musikalisch äußerst anspruchsvolles Stück, das Meike so gewaltig und gefühlvoll interpretierte, als stünde die Britin selbst auf der Bühne. Stehende Ovationen schon so früh im Verlauf der Show waren der Dank und machten auch die Sängerin sichtbar sprachlos. Dass der 100köpfige Chor eine von Meike arrangierte Begleitstimme dazu sang, kann man nur als nebensächlich bezeichnen. Dennoch ein schöner Moment für alle Teilnehmer.

Auch wenn Meike Anlauff überragend singt, soll das die Leistung der weiteren Solisten nicht schmälern. Oliver Rohles bewegt mit einer sanften Stimme, die ein wenig an Roger Cicero oder Stefan Gwildis erinnert, und das von Thomas Schwab vertonte Kästner-Gedicht "Der Dezember" war ein weiteres Highlight der ersten Hälfte. Kerstin Bauer, die auch als regionaler Musical-Star ("Musical Magics") glänzt, überzeugte in höchsten Sphären mit einer sehr klassisch interpretierten Version des "Ave Maria". Thomas Schwab wies im Anschluss auf die Unterstützung für das gemeinnützige Projekt "Nestwärme" hin und es folgte seine Eigenkomposition "Die Geschichte von Marie", welche das Schicksal vernachlässigter Kinder thematisiert. Zum Abschluss vor der Pause durfte der Chor als Begleitung zu "The Living Years" wieder ran – und an dieser Stelle ist mal ein Kompliment an den Saxofonisten Andreas Steffens fällig, der sowohl den Chor als auch die großartige Liveband stets voll im Griff hatte.

Grünberg als "Geist der Weihnacht" war in ein farbenfrohes Kostüm aus schrillen Krawatten gekleidet und verband die Songs mit besinnlichen Texten und lustigen Überleitungen. Im zweiten Teil wurde es allgemein bunter: Rohles besang den "Schneemann Fritz", zwei Zuschauerinnen lieferten sich ein Duell im Schneemann-Bauen und überhaupt war die Bühne schnell von einer weißen Pracht bedeckt. Die große LCD-Leinwand im Hintergrund kam das ganze Konzert über zum Einsatz und verzauberte so manche Szene. Welche Songs soll ich herausgreifen? David Moores souliges "Agnus Dei", den Hymnus "Merry Christmas Everywhere", Kerstin Bauers ergreifendes "Adagio" oder Meike Anlauffs erneute stimmliche Brillanz in "Love The One You’re With" – die Stücke griffen trotz der unterschiedlichen Genres hervorragend ineinander und boten abwechslungsreiche Unterhaltung.

Zum Finale kam der Chor über drei Songs am Stück zum Einsatz. Zunächst gab es mit "Stille Nacht" den Weihnachtssong schlechthin. Kerstin Bauer begann ganz leise zu akustischer Gitarre, dann setzte der Chor summend ein und mit der dritten Strophe gab es ein mehrstimmiges Arrangement. Ganz zum Schluss sang die komplette Arena mit. Ergreifend! Es folgte mein persönliches Highlight des Konzerts, der Song "Heilig, heilig das Lamm Gottes" (nach dem englischen "Revelation Song"), der mir bis zu den Proben völlig unbekannt war, der jedoch alles wiederspiegelt, was die weihnachtliche Stimmung im religiösen Kontext ausmacht. Anja Lehmann wuchs in ihrer Interpretation über sich hinaus und erzeugte Gänsehaut allerorten.

Natürlich darf kein Moments-Konzert ohne Thomas Schwabs Eigenkomposition und bekanntestes Stück "Der Traum von Bethlehem" enden. Als Zugabe dargeboten verließen Solisten und Band nach drei Stunden Programm durch die Zuschauermenge die Konzertarena und der Chor durfte den Song in seinem breiten Arrangement noch halbwegs a cappella in die Menge schmettern. Ein bewegender Abschluss und ich muss sagen: Im nächsten Jahr wird mir die Entscheidung sehr leicht fallen, wo ich den Abend des 23. Dezember verbringe. Das Ensemble um Thomas Schwab bringt einfach am besten in weihnachtliche Stimmung, ohne dabei in Herzschmerz und kitschige Wehmut zu verfallen. Die poppigen Einsprengsel der Show sind das Salz in der Festtagssuppe. Thomas Schwab sagte kurz vor 23 Uhr mit Blick auf die Uhr und bedauerndem Lächeln "Es ist schon fast Heiligabend", woraufhin eine lautstarke Zuschauerin aus den ersten Sitzreihen mutig brüllte "Ihr habt noch eine Stunde!". Damit sprach sie vielen Anwesenden aus der Seele: Man hätte dem Ensemble noch lange zuhören können.

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