Final Attraction Tour 2008, Support: The Glam
Ja es gibt sie noch. Die Konzerte, bei denen die Kids bereits am frühen Nachmittag vor den Toren der Konzertlocation auf den Einlass warten, um sich den besten Platz genau vor ihrem Lieblingsbandmitglied sichern zu können. Was damals NKOTB (die übrigens auch bald wieder auf Tour kommen) oder East17 darstellten, verkörpern heute Formationen wie Tokio Hotel oder Cinema Bizarre. Vor Allem letztere erfuhren im vergangenen Jahr einen enormen Hype und schmückten etliche Magazine, während man Tokio Hotel ja fast schon als junge alte Hasen im Business bezeichnen kann. Und eben Cinema Bizarre sorgten für frühen Andrang am Capitol Hannover, in dem sie zum 17.04. ein Konzert geben sollten.
In dem zu 1/3 gefüllten Capitol war von Klein bis Groß fast alles vertreten. Ob die Großen nun Elternteile oder Fans waren, war meist nicht auszumachen und im Endeffekt auch egal. Konzertbeginn war auf 19:00 Uhr angesetzt. Einige mussten demnach offensichtlich – wie ich – direkt nach der Arbeit angerauscht sein.
Als Supportact hatten sich Cinema Bizarre die Hamburger Jungs von The Glam geholt. Zuvor mal kurz auf myspace reingehört schien alles sehr vielversprechend zu sein. Und The Glam hielten was man sich versprach… eine Mixtur aus sphärischem Pop, einer Prise Muse und Razorlight. Ein optisch als auch stimmlich an Crispian Mills (Kula Shaker) erinnernder Frontmann sang sich trotz nicht ganz einwandfreier Abmischung mit Gefühl und Leidenschaft durch die Setlist. Das Publikum nahm die Hamburger so herzlich auf, als handle es sich um den Hauptact. Standen die Jungs auch nur zu dritt auf der Bühne, verbreitete sich eine atemberaubende Atmosphäre im Raum. Die Anwesenden hingen an Sänger Frederics Lippen und lärmten ungemein zwischen den Songs. Ob dies an dem jungen Publikum, der Vorfreude auf Cinema Bizarre oder The Glam selbst lag, konnte man nicht genau sagen. Doch letzteres schien am wahrscheinlichsten, denn in der Umbaupause schwoll jedesmal lautes Gekreische an, sobald sich ein Bandmitglied von The Glam auf der Bühne blicken ließ.
Kurz nach 20 Uhr war es dann soweit. Das Licht erlosch und das Füße scharren hatte ein Ende. Die Zeit der Berliner Jungs von Cinema Bizarre war gekommen. Nach kurzem Intro erschienen Strify, Luminor, Yu, Shin und Kiro unter ohrenbetäubendem Applaus und Geschrei der Fans auf der Bühne. Ohne Zeit zu vergeuden legten Cinema Bizarre auch sogleich mit „Escape To The Stars“ los. Und auch ohne jegliche Worte an ihre Fans während der ersten Minuten zu verlieren, war die Nähe zu ihnen stets da. Die Posen on stage, als auch die Luftküsschen für die Fans kamen gut portioniert und ein aufmerksamer (objektiver) Beobachter könnte vielleicht sogar meinen gut einstudiert und auf die Sekunde getimt. Wie auch immer, für die Fans war somit alles gut – sympathisch agierten die Bandmitglieder auf der Bühne, ein jeder in seiner Rolle und seinem Element. Keyboards und Schlagzeug waren auf kleinen Emporen positioniert, damit auch Luminor und Shin für jeden gut sichtbar waren.
Und nun wurde auch klar: Es ist egal wieviele Leute da sind, die Stimmung zählt. Und davon war eine ganze Menge vorhanden. Auch wenn Sänger Strify einmal nicht ganz die Töne traf, die Fans überhörten dies… oder übertönten es mit ihrem eigenen Gesang, denn die Textsicherheit des Publikums war immens hoch – aber das hatten wir auch nicht anders erwartet. Strifys schwarze Maske, die derzeit sein Markenzeichen geworden zu sein scheint, flog nach wenigen Songs und entblößte sein wie immer makelloses Gesicht. Apropos Styling: auch da stimmte alles. Kiros Haare… mit was auch immer die eingesprüht waren, sie hielten vom Anfang bis zum Ende… wahrscheinlich 3 Wetter Taft, das soll ja für extrastarken Halt bekannt sein. Zu „Get Off“ wandelte Luminor von seinem Keyboard in die Mitte der Bühne, um mit seiner tiefen warmen Stimme zu betören. Leider fehlte es hier noch ein wenig an Live-Übung, vor allem das Duett mit Strify schien nicht zu harmonieren. Doch Übung werden Cinema Bizarre in naher Zukunft genügend bekommen, denn die Tour dauert noch ein wenig an. Es liegt nicht an mangelndem Talent, denn davon ist genügend vorhanden. Doch die Routine und Erfahrung, die man auf der Bühne sammelt ist natürlich nicht automatisch vorhanden. Dafür, dass Cinema Bizarre noch nicht allzu viele Live Shows absolviert haben, konnte sich die Professionalität und das selbstbewusste Posing sehen lassen. Doch der musikalische Punkt muss noch ausgefeilt werden, dann füllt sich das Capitol beim nächsten mal vielleicht gänzlich.
Nach 12 Songs verließen die Jungs vorerst die Bühne, um nach kurzem Bitten der Fans für 3 Zugabe-Stücke erneut zu erscheinen. Dabei gab es „Escape To The Stars“ im Akustik-Format. Beim folgenden „Spaceman“ – eine Coverversion des Babylon Zoo Hits aus dem Jahre 1996 – wurde erneut Luminor an die Front gebeten. Und mit dem Song, mit dem alles für Cinema Bizarre begann („Love Songs“) endete das Konzert.
Was mir persönlich – und vielen älteren im Publikum wahrscheinlich – auch noch etwas aufstieß waren die vielen Samples, die frech in die Songs gemischt waren. Sehr offensichtlich drangen nicht wenige Töne von „The Great Commandment“ als auch diverseste Depeche Mode Samples durch die Songs… und genau diese Songs machten die größte Stimmung und Atmosphäre aus. Ja es ist vielleicht legal dies zu tun, doch wäre es wirklich schöner man würde die Originale würdigen und selbst etwas komplett neues schreiben. Somit werde ich nun schön auf myspace bei The Glam vorbeischauen und mir etwas wirklich innovatives und selbstgemachtes anhören!