c/o Pop

c/o pop präsentiert: 15 Jahre Jazz thing – das Jubiläumsfestival

14.08.2008 Stadtgarten / Köln

Von: Karsten Kraemer

c/o Pop Köln

Da der Schwerpunkt der c/o pop fast ausschließlich auf elektronische (Tanz-)musik gelegt ist, war es besonders erfreulich, dass das 15jährige Jubiläum der Zeitschrift „Jazz thing“ in die Veranstaltung eingebettet wurde.
Mit vier außergewöhnlichen Live-Acts natürlich an dem Ort, wo man den 5. und auch den 10. Geburtstag schon ausgiebig gefeiert hat – im Kölner Mekka der Jazzmusik, dem Stadtgarten.

Zum Auftakt spielten Andi Kissenbeck`s Club Boogaloo, eine fünfköpfige Formation aus Bayern, deren kurz nach Bandgründung Ende 2006 aufgenommene CD von dem Fachmagazin für ihre Next-Generation-Reihe ausgewählt wurde und mit der aktuellen Augustausgabe des Heftes erscheint. Ihren Stil bezeichnet die Gruppe selbst als „Finest Hammond Organ Jazz“. Gepaart mit Blueselementen, Soul und modern Jazz, dazu eine gehörige Portion Shuffle, Funk und Boogaloo, mal instrumental, mal mit Gesang, mal virtuos, mal cool, immer jedoch groovig und energiegeladen – der Start für einen vielversprechenden Konzertabend war gemacht.

Nun folgte das eigentliche Highlight – das Projekt [re:jazz] unter Leitung von Pianist und Bandleader Matthias Vogt, das mit seinen insgesamt sieben Mitgliedern schon des öfteren im Stadtgarten gastierte. Mit ihrer bezaubernden Sängerin Inga Lühning, die übrigens aus dem Kölner Stadtteil Ehrenfeld stammt, wurde die Formation zunächst dadurch bekannt, akustische Jazzbearbeitungen von elektronischen Titeln aus dem eigenen Backkatalog ihres Labels Infracom!Records zu erstellen. Im weiteren Verlauf entstand eine feste Liveband, die neben Coverversionen dann auch eigene Stücke komponierte. Besonders beeindruckend für das Publikum war die perfekte Harmonie der Musiker und die bis ins letzte Detail ausgereifte Darbietung mit enormen Spaßfaktor – ohne die akademische Verbissenheit, die dem Jazz schon mal gerne nachgesagt wird. Quasi die perfekte Symbiose zwischen Jazz –und Clubmusik, die vor allem auch jüngere Zuhörer ansprechen soll.

Der dritte Act, auf den ich mich persönlich ebenso gefreut hatte, da ich bereits einen ihrer Auftritte im Stadtgarten live miterleben durfte, war die Nicola Conte Jazz Combo aus Italien. Sie spielten eher konservativen Jazz mit Nicola Conte an der Gitarre und einer Besetzung bestehend aus Schlagzeug, Gitarre, Bass, Trompete, Saxophon, Piano und im späteren Verlauf auch noch der Sängerin Kimberly Sanders. Im Gepäck hatte die Combo Stücke des kommenden Albums „Rituals“, das im Oktober erscheinen soll, eine Sammlung feinster und hochdifferenziert arrangierter Soul Jazz-Grooves mit illustren Gästen wie Greg Osby, José James und dem allseits bekannten deutschen Jazz-Trompeter Till Brönner, der in der zweiten Hälfte des Auftritts als Überraschungsgast auftrat. Absolut faszinierend auch hier die hochprofessionelle Perfektion eines jeden Musikers, der im Laufe des Konzertes unter dem Szenen-Applaus der Zuschauer einen mehrminütigen Solopart abliefern durfte.

Zum Abschluß des Abends dann noch die Performance des James „Blood“ Ulmer Trios aus South Carolina/USA, das für seine Mixtur aus Blues, Funk, Soul und Gospel bekannt ist und  mit der Bandleader Ulmer dem komplexen harmolodischen System der Free-Jazz-Ikone Ornette Coleman schon das „Tanzen“ beigebracht haben soll. Leider musste ich hier nach dem ersten Song aufgrund von Müdigkeit die Segel streichen – über vier Stunden Jazz fordern dann doch ihren Tribut. Dennoch hatte ich die absolute Gewissheit, einen sehr angenehmen Abend mit ausnahmslos herausragenden Musikern genossen zu haben.

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