Year Of The Black Rainbow-Tour 2010 - Support: Horse The Band
Es ist endlich Sommer geworden in Deutschland – wenn auch fast ein wenig zu heiß!! Außerdem ist WM-Zeit. Da muss es schon einen sehr guten Grund dafür geben, um sich mit ein paar Hundert schwitzenden Anderen in eine stickige Halle zu quetschen und der Dinge zu harren, die da kommen sollen. Diesen Grund gibt es am heutigen Abend, und er heißt Coheed and Cambria. Eine Band, von der man immer wieder etwas hört, die aber zum Glück nie wirklich kommerziell ausgeschlachtet wurde. Das ist auch schwierig bei der doch sehr non-konformen Musik, die die Amis machen: anspruchsvoller, zuweilen epischer Rock mit einem Hang zum Progressiven und Ausflügen in ihre ganz eigene Interpretation von Punkrock und Metal. Die Band veröffentlicht nur Konzeptalben, in denen die ziemlich komplizierte Geschichte des Ehepaares Coheed und Cambria und ihres Sohnes Claudio vom Planeten Paris Earth erzählt wird. Oder besser gesungen - und zwar von Sänger (und Autor der Amory Wars Geschichte) Claudio Sanchez, dessen sehr hohe und gewöhnungsbedürftige Stimme sicherlich nicht jedermann gefallen dürfte.
Nicht jedermann gefallen hat sicherlich der Supportact an diesem Abend: Horse The Band startet mit einem sehr energetischen Intro, bei dem der Keyboarder sich beinahe einen Arm ausreißt, während er wie ein Wahnsinniger in die Tasten haut. Der Sänger, der wie ein typischer britischer Hool aussieht, betritt schreiend und bangend die Bühne und hält diesen Zustand auch während des gesamten Auftritts durch. Musikalisch gibt es Hardcore der simpleren Sorte mit Synthie-Einsatz, weswegen die Band selbst ihre Musik als Nintendo-Core bezeichnet. Die Show ist zwar witzig anzuschauen, aber nach einer Weile wird das Gehämmere doch ein wenig eintönig und die Aussicht auf frische Luft, Bier und Würstchen vor der Essigfabrik lockt viele wieder nach draußen.
Nach dem chaotischen Pferdecore ist es dann endlich Zeit für Coheed and Cambrias ausgefeilte und technisch brillante Musik – was für ein Kontrast! Nach dem kurzen Instrumentalstück und Opener des neuen Albums "Year Of The Black Rainbow" geht es los mit "The Broken". Die Halle ist mittlerweile wieder prall gefüllt und die ersten Reihen geben trotz Hitze alles. Die Band ist eher ruhig unterwegs auf der Bühne, nur manchmal schwingt Sanchez seine wilde Lockenmähne durch die Luft und hüpft wie von einer Wespe gestochen auf der Bühne herum... um dann wieder konzentriert am Mikro klebenzubleiben. Außer ein paar sehr wenigen Ansagen gibt es auch keinen Kontakt mit dem Publikum. Die Band konzentriert sich auf die Musik und spielt sauber die Setliste runter – hier und da zu sauber für meinen Geschmack. Mit Songs wie dem raffinierten "No World For Tomorrow" (ich sag nur "bye, bye world!") "The Suffering", "A Favor House Atlantic" und vor allem dem letzten und bekanntesten Song "Welcome Home" (göttlich!) zeigen Coheed and Cambria an diesem Abend, was sie musikalisch und technisch zuwege bringen.
Persönlich bin ich nach diesem Abend immer noch kein Riesenfan, denn mir fehlen die ganz großen Melodien und das echte Gefühl hinter den Songs. Und irgendwie kann ich mich einfach nicht mit Sanchez Stimme arrangieren. Dennoch kann man jedem, der auf hervorragend gemachte Musik steht, guten Gewissens ein Coheed and Cambria Konzert ans Herz legen. Bei hoffentlich etwas niedrigeren Temperaturen macht es dann auch sicherlich noch mehr Spaß!