Tour 2007
Im Refrain eines von Corinne Bailey Raes Hits heißt es „Just like a star“Â…. Wer die 28-jährige aber einmal auf der Bühne hat singen hören, muss dies für britisches Understatement halten und genau dieses Vergnügen hatte ich heute Abend mit einigen hundert anderen Besuchern im Kölner Tanzbrunnen.
Im Vorfeld wurde bekannt, dass der angedachte Supportact des Abends ersatzlos gestrichen wurde, was jedoch niemanden so wirklich störte. Somit fehlte zwar die Vorspeise, dafür kamen wir zeitig zum Hauptgang.
Würde einem der hübsche, aus Leeds stammende und fast schüchtern wirkende Milchkaffee Corinne Bailey Rae auf der Straße begegnen wäre man fast geneigt, sie tröstend zur Seite zu nehmen und ihr sagen zu wollen, dass schon wieder alles gut werden wird. Wenn man sie dann jedoch auf der Bühne erlebt und hört, wie viel Stimme sie aus dem kleinen Resonanzkörper hervorholt versteht man, warum sie als eine der ganz großen britischen Musikhoffnungen gilt.
Mit einer Combo bestehend aus drei Blasmusikern, zwei Gitaristen, zweier Backgroundsängerinnen, einem Drummer und einem Keyboarder steht sie bei Ihrer ersten Tour auf der Bühne und eröffnet der Konzertabend mit dem Song I´d like to. Das Publikum hat sie binnen Sekunden auf ihrer Seite und auch an dem aufmerksamen Verhalten der Besucher erkennt man, dass niemand etwas verpassen will. Kein lästiges Konzertgequatsche stört den Opener.
Eine Konzertreview von Corinne Bailey Rae wird wohl niemals von spektakulären Vorfällen und extrovertiertem Stargehabe berichten. Bei ihr stehen vielmehr Musik und Texte im Vordergrund, haben dabei aber weitaus mehr Substanz als viele Happenings der vermeintlich Großen und zwischen den Stücken schlägt sie leise Töne an. Sie bedankt sich artig in Landessprache beim Publikum und erzählt das ein oder andere zu der Bedeutung oder der Entstehung Ihrer Lieder. Wie bei Breathless, bei dem sie an einen sehr guten Freund denkt und den Song auf der Gitarre selber begleitet oder Call me when you get this. Der Song beschreibt die Situation, abends unter dem beleuchteten Fenster der heimlichen Liebe zu stehen und nicht den Mut zu haben anzuklopfen. Eine nicht weniger gute Figur macht sie aber auch bei Songs, die nicht aus ihrer eigenen Feder stammen wie Jimmy Hendrix´ Long hot summer. Darüber hinaus hat sie trotz erst einem veröffentlichten Album die Möglichkeit mit ihren Hits Like a star und Put your records on eigene Ausrufezeichen zu setzen. Die Mischung stimmt einfach und lässt keine Wünsche offen.
In einem waren der Kollege für die Bilder und ich uns bereits vor dem eigentlichen Konzert einig und aufgrund des bemerkenswert hohen Anteils gutaussehender Frauen im Publikum lassen wir uns ab sofort nur noch auf „Frauenkonzerte“ schicken. Viel wichtiger aber war natürlich der Musikteil, für den sich Corinne und ihre Band eine glatte Eins verdient haben. Wenig Show und viel Musik in Kombination mit dem angenehmen Publikum ist die scheinbar einfache Formel, die einen Abend bei Corinne Bailey Rae zu einem Konzerttipp macht. Das Genre „Singer & Songwirter“ ist in jeder Beziehung um eine Attraktion reicher und in Erinnerung bleibt eine höchstsymphatische Musikerin, die ein qualitativ hochwertiges, musikalisches Angebot machtÂ…