Crippled Black Phoenix

Tour 2011

06.11.2011 Yard Club / Köln

Von: Shirin K

Crippled Black Phoenix Köln

Crippled Black Phoenix ist eher eine dieser Bands, zu denen man nicht viel mehr sagen kann, als dass man sie gesehen haben muss, um ihre Musik schätzen zu lernen. Songs wie "Rise Up And Fight" und "Burnt Reynolds" aus ihrem gefeierten, 2009 erschienenen Album "200 Tons Of Bad Luck" sind vielen Fans der ausufernden Rockmusik sicherlich ein Begriff. Auch der letzte Longplayer "I, Vigilante" aus 2010 ist nicht unbeachtet von der Musikpresse veröffentlicht worden. Wer und was nun Crippled Black Phoenix sind und was sie für Musik machen, ist schwierig zu beschreiben, nicht zuletzt, weil die Band selbst auf ihrer Seite eher darauf hinweist, was von dem, was über sie kursiert, nicht stimmt, als dass sie Antworten gibt. Ich selbst bin zwar im Besitz aller Veröffentlichungen, habe aber bisher eher selten das Bedürfnis gehabt, die in voller Länge anzuhören. Das wird sich allerdings jetzt, wo ich die Band live gesehen habe, ändern.

An diesem Sonntagabend im Kölner Yard Club hat sich ein buntes Publikum aus Jung und Alt zusammengefunden, um CBP zu lauschen. Der Laden ist recht klein und die Musiker müssen durch die Menge durch, um auf die Bühne zu gelangen. Immerhin sind es sieben Leute, die sich auf der kleinen Bühne präsentieren müssen. Als erstes fällt auf: einige Musiker sind neu, zumindest kann ich sie nicht zuordnen (und leider auch jetzt im Nachhinein habe ich es nicht geschafft, die Namen von allen Neuzugängen zusammenzubekommen). Meine Begleitung sagt später, dass sie aussähen, als hätten sie sich alle am Abend zuvor zufällig getroffen und aus einer Laune heraus beschlossen, gemeinsam Musik zu machen.

Und in der Tat, während Bassist Christian Heilmann wie ein 68er Blues-Musiker rüberkommt, sieht Gitarrist Justin Greaves mit dem Käppi, dem Tuch vor dem Mund (das später noch abkommt) und dem Rauschebart eher aus, als wäre er einer Death-Metal-Combo entlaufen. Links sitzt eine wunderschöne schlanke Frau mit großen schwarzen Augen an den Keyboards, dahinter wieder ein älterer Herr an noch mehr Keyboards, hinten in der Mitte ein blutjunger Drummer, rechts der kleine italienische Gitarrist Karl Demata mit ordentlichem rotem Hemd, Krawatte und strukturierter Bartfrisur, und mittendrin Sänger Joe Volk, der mit seinem Milchbubi-Gesicht eher wie ein Teenager aussieht, der gerade vom Fußballspielen gekommen ist. Bei schummerigem Licht fängt das Septett mit seinem hypnotischen Spiel an.

Mit dem Opener "Troublemaker" brechen flächige Gitarrenwände über uns herein, Volk singt mit seiner weichen, säuselnden Stimme gegen die schweren Wüstensounds an, und daraus entsteht die wunderbarste Musik, die man sich vorstellen kann. So geht das den ganzen Abend, ob nun die depressiven Balladen uns in Trance versetzen oder Hymnen wie "Rise Up And Fight" oder "Burnt Reynolds" zum Kopfnicken zwingen, es gibt keinen einzigen Song, der auch nur eine Minute langweilt. Joe Volk und seine Mitmusiker sind von Anfang an sehr publikumsorientiert und unterhalten uns mit zusätzlichen Witzchen und Fragen an das Publikum. Der Höhepunkt des Abends ist "Burnt Reynolds", bei dem der ganze Club ab dem ersten Refrain den Song mit dem hymnischen "Woooohoooo"-Gesang begleitet – absolute Gänsehaut stellt sich ein! Für mich gibt es auch noch eine kleine Überraschung, als die Band bei der ersten Zugabe eine angepunkte Version des italienischen Klassikers "Bella Ciao" spielt – ein Song, der in meiner Kindheit eine große Rolle gespielt hat. Gesungen wird er von Karl Demata, der das Publikum ordentlich zum Mitsingen animiert (naja, zumindest den "Bella Ciao!"-Part).

Ja, wat soll man da noch sagen, außer scheee war's! Ich kann nur hoffen, dass die Band nächstes Jahr auf eine ausgedehnte Tour geht und ich sie mir noch ein paarmal anschauen kann, denn bei diesem ersten Mal war ich einfach zu sehr verzückt von der Urgewalt dieser Band, um mich der Musik richtig hinzugeben. Bis dahin, alle Daumen hoch für diese brillante, epische Show!!

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