Cristin Claas

Tour 2008

21.05.2008 Altes Pfandhaus / Köln

Von: Wolrad Wolff

Cristin Claas Köln

Dass man, um sein Publikum in den Bann zu ziehen, nicht unbedingt große PA Anlagen, eine Mega-Lightshow und jede Menge an Spezialeffekten benötigt, das stellte Cristin Claas mit ihrem Kölner Konzert im Alten Pfandhaus mehr als eindrucksvoll unter Beweis.

Auch an diesem Abend wird klar, dass das Alte Pfandhaus, das inmitten der Kölner Südstadt liegt und nun schon seit einigen Jahren als Kulturzentrum mit Konzertsaal und Ausstellungshalle fungiert, der ideale Veranstaltungsort für ein Konzert ist, dessen Atmosphäre zu einem Großteil auf der Intimität zwischen Künstler und Publikum beruht.

Die in Berlin lebende Cristin Claas ist eine solche Künstlerin, die großen Wert auf Publikumsnähe legt. Mit ihrer im Mai 2008 veröffentlichten CD "Paperskin" erscheint ein Werk der sanften, ruhigen und melancholischen Töne. Während viele Songs auf "Paperskin" jedoch mit der Unterstützung der Gruppe l’arc six und der Anhaltischen Philharmonie entstanden und aufgenommen worden sind, bestreitet Cristin Claas ihre Tournee allein mit ihren jahrelangen Weggefährten Stephan Bohrmann (Gitarren) und Christoph Reuter (Tasten).

An diesem Abend ist das Publikum vom ersten Ton an gefesselt, und zwar nicht nur durch die glasklare und glockenreine Stimme der Sängerin, auch die beiden Instrumentalisten glänzen durch gekonntes virtuoses, aber niemals aufdringliches Spiel. Nach den ersten zwei Stücken begrüßt Cristin Claas ihr Publikum. Sie freue sich sehr, in Köln zu spielen, und sie hätte ja gehört, dass Köln eine Millionenstadt sei, und dieser Abend ermögliche es ihr nun endlich, jeden Kölner einmal persönlich kennenzulernen. Diese Art der Ironie kommt bei den knapp 40 Zuschauern sehr unterschiedlich an! Vielleicht gibt es da eine Mauer zwischen ostdeutschem Witz auf der einen Seite und karnevalistischer Heiterkeit im tiefen Westen auf der anderen. Oder Publikumsansprachen gehören einfach nicht zu den Stärken der außer beim Singen eher zurückhaltend wirkenden Cristin Claas. Aber das ist schnell verziehen, und im weiteren Verlauf geht sie dazu über, ihre Ansprachen zu singen, was beim Publikum Verwunderung und Entzückung auslöst.

Ungefähr zwei Stunden spielt das Trio die Highlights der drei erschienenen CDs. Darüber hinaus werden auch eigens vertonte alte deutsche Gedichte in sehr gelungener Weise präsentiert. Die Atmosphäre im Konzertsaal ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Das Ensemble hat neben hervorragend arrangierten Songs vor allem auch dynamisch sehr viel zu bieten. In den leisen Passagen traut man sich kaum Luft zu holen, jedes Husten oder Räuspern fällt auf!

Es war ein gelungener Abend im Alten Pfandhaus, und dies nicht zuletzt, weil Künstler und Veranstaltungsort sehr gut zusammenpassten. Wer das Alte Pfandhaus in der Kölner Südstadt nicht kennt, der sollte dort unbedingt mal ein Konzert besuchen. Wer sanfte Töne mag und Cristin Claas nicht kennt, der sollte unbedingt mal ein Konzert von ihr besuchen. Beides an einem Abend unter einen Hut zu bekommen wird wohl frühestens auf ihrer nächsten Tour möglich sein. Wir freuen uns drauf!

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