Monster Philosophy Tour 2009 - Support: Heaven`s Basement
Seit nunmehr 25 Jahren sind die dänischen Rocker von D-A-D jetzt schon im Geschäft. Ihren internationalen Durchbruch schaffte die Band mit dem 1989 veröffentlichten Album "No Fuel Left For The Pilgrims". Damals noch unter dem Namen "Disneyland After Dark", den das Quartett aber nach einem gerichtlichen Einspruch der Walt Disney Company zu D-A-D verkürzen musste. Seitdem erschienen sieben weitere Alben, zuletzt "Monster Philosophy" im vergangenen Jahr. Ob nun Disneyland After Dark oder D-A-D, ein Markenzeichen der Brüder Jesper (Gesang) und Jakob Binzer (Gitarre), zusammen mit Schlagzeuger Laust Sonne sowie Stig Pedersen am Bass, ist und war von jeher ihre grossartige Live-Präsenz.
Dies wird heute in der Kölner Essigfabrik nicht anders sein, soviel vorweg. Das Konzert in der Domstadt bildet den Auftakt der insgesamt 13 Termine umfassenden Deutschlandtour im September. Die Essigfabrik gehört dabei sicherlich zu den angenehmsten Locations in Köln, sollte aber mal dringend in ihr Belüftungssystem investieren. Denn schon beim Betreten der Halle herrscht im Inneren eine schweißtreibende Temperatur. Und das, obwohl das Konzert mit letztlich etwa 300 Besuchern bei weitem nicht ausverkauft und die Halle sogar teilweise mit grossen schwarzen Tüchern abgehangen ist.
Diejenigen, die gekommen sind, werden zunächst 35 Minuten lang von Heaven`s Basement angeheizt und das macht der Fünfer aus Grossbritannien richtig gut. Vom Outfit her sind die Mannen um Sänger Richie Hervanez zwar offensichtlich im Sleaze Rock-Zeitalter stehengeblieben und so manche ihrer Posen wirkt unfreiwillig komisch, musikalisch wissen sie aber durchaus zu überzeugen und schaffen es mit Songs wie "Reign On My Parade" oder "Executioner`s Day" nach einer kurzen Aufwärmphase tatsächlich gute Stimmung zu verbreiten. Verdienter Applaus ist der Lohn für eine engagierte Leistung. Nur der Sound ist, wie bei Vorgruppen leider allgemein üblich, viel zu laut und unausgegoren.
Um kurz nach 21 Uhr künden dann künstlicher Nebel und Gladiatorenmusik vom Einzug des Hauptacts. Insbesondere Stig Pedersen taucht daraus quasi wie von einer anderen Welt auf. Sein Latex-Anzug ist eine Mischung aus Frank N`Furter- und Graf Dracula-Dress, von seinen skurrilen Basskonstruktionen, die er im Verlaufe des Abends präsentiert, ganz zu schweigen. Das erste Modell, das er sich umgeschnallt hat, besteht aus Plexiglas und leuchtet blau. Im Hintergrund strahlt ein riesiger "Disneyland After Dark"-Schriftzug. "True Believer" ist der Einstieg ins Set. Der Sound ist jetzt schön fett und nach "Beautiful Together" folgt mit dem Klassiker "Jihad" ein erster Höhepunkt. Stig Pedersen steigt auf die Bassdrum und die Fans singen lauthals mit, obwohl Jesper Binzer derartige Unterstützung gar nicht nötig hätte. Der D-A-D-Shouter präsentiert sich stimmlich in Topform und gewinnt schon alleine durch seine Ansage vor "Rim Of Hell" die Symphatien der Kölner: "Last week we were in Düsseldorf... Oh no, no, no" (und schüttelt den Kopf). Obwohl das ja nicht stimmen kann... Stig Pedersen turnt derweil auf den Marshall-Verstärkern herum und bearbeitet seinen Bass, der gerade die Form einer Cruise Missile-Rakete angenommen hat. Ganz grosser Sport!
Auch Jakob Binzer hat zwischendurch immer wieder die Gelegenheit für ausgiebige Soli. So bei "Everything Glows", "Evil Twin" oder "Monster Philosophy". Jesper macht seine Ansagen in fast tadellosem Deutsch ("Mein Bruder hat eine andere Gitarre mitgebracht. Und was bedeutet das? Andere Musik!") und kommt wie seine drei Kollegen dabei sehr symphatisch rüber. Sein "Favourite Kölsch drinking Lied", gemeint ist "Chainsaw", setzt die Party fort. Es herrscht extrem viel Spass auf und vor der Bühne, der in einem "Komm schon Laust, wir wissen du schaffst es"-Chor gipfelt. Stig Pedersens Bass gleicht inzwischen einem Bügelbrett.
Auch beim Zugabenblock bleibt die Stimmung herrlich ausgelassen. Zumal mit "Sleeping My Day Away" und "Laugh`N`A Half" zwei D-A-D-Überhits folgen. Letzteres von Jesper und Jakob Binzer rein akustisch vorgetragen. Im Publikum brennen sogar Wunderkerzen. Zwei um genau zu sein. Die Fans übernehmen noch einmal den Gesangspart und wer hier keine Gänsehaut hat, der lutscht zum Frühstück auch Eiswürfel. "Ridin`With Sue" wird dann von "Mr. Universe" (O-Ton Jesper Binzer) Stig Pedersen gesungen und "It`s After Dark" setzt schließlich nach gut anderthalb Stunden den passenden Schlusspunkt: "Disneyland is closed".
Fazit: Dieses Konzert hätte eindeutig mehr Zuschauer verdient gehabt. Ein Knallerset aus purem Rock`n Roll! Jeder der dabei war, geht anschließend mit einem ganz breiten Grinsen im Gesicht nach Hause und zumindest meines ist auch beim Schreiben dieses Reviews immer noch nicht wieder verschwunden.
Setlist:
True Believer
Beautiful Together
Jihad
Rim Of Hell
Everything Glows
Reconstrucdead
Grow Or Pay
Evil Twin
Bad Craziness
Chainsaw
Monster Philosophy
---------------
Sleeping My Day Away
Laugh`N`A Half
Ridin`With Sue
It`s After Dark