Internationales Sommerfest 2010 - Support: Circuit Diagram
Kampnagel... Eine ehemalige berühmte Fabrik, die im Hamburger Arbeiterstadtteil Barmbek angesiedelt ist, bildet heute ein internationales Zentrum für zeitgenössische darstellende Künste. Auch in diesem Jahr findet wieder insgesamt drei Wochen lang das internationale Sommerfest statt, zu dem zahlreiche internationale Choreografen, Theatermacher, Wissenschaftler, Bildende Künstler und Musiker geladen wurden, um in Form von Kunst und Theorie ihre Sicht auf unsere Realität zu präsentieren. Auf Grund des großen Interesses am Programm in den letzten Jahren wurden die Räume erweitert und sogar die Deichtorhallen sowie die Alster werden erstmalig für Ausstellungen und Aufführungen in das Programm involviert. Als Schwerpunkt setzt man dieses Jahr das Thema Wasser, welches sich seit einigen Jahren nicht nur zu den politisch immer stärker umkämpften Ressourcen etablierte, sondern schließlich auch durch die Extremwetterereignisse wie Überflutungen oder Dürren auch immer mehr zur Bedrohung wird. Neben den Projekten über Wasser durchzieht sich das Thema auch wie ein roter Faden durch die Räumlichkeiten: In der großen Vorhalle schmückt ein durch Lichteffekte in Szene gesetztes Wasserspiel den Raum, während in der Halle nebenan die Geräusche von tropfendem Wasser zu hören sind. Besondere Konzerte ergänzen schließlich auch in diesem Jahr das Theaterprogramm und die Ausstellungen. Neben der norwegischen Metal-Legende Ulver, die nach langer Bühnenpause für eines von wenigen Konzerten hier aufspielen, präsentieren auch 1000Robota ihre neue Platte exklusiv zusammen mit klassischen Musikern. Am heutigen Abend darf man schließlich das Hamburger Quartett Dancing Pigeons begrüßen, die sich bereits im letzten Jahr durch einen fantastischen Auftritt beim Dockville ein wenig ins Rampenlicht gespielt haben und derzeit als "The Next Big Thing" gehandelt werden. Das lasse ich mir selbstverständlich nicht nehmen und so schlage ich bewaffnet mit Stift, Schreibblock und guter Laune im Hamburger Kampnagel auf.
Durch viel Liebe zum Detail und äußerster Raffinesse lässt sich heute nur noch vermuten, dass es sich hier mal um Lager- und Maschinenräume handelte. Ein entsprechendes Bühnenbild findet man in der kleinen Halle vor, in der das heutige Konzert stattfinden soll. Goldene Schallplatten hängen von der Decke, mit runden Leuchten, die über die ganze Bühne verteilt aufgestellt sind, schafft man eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die Rückwand der Bühne bildet eine riesige Leinwand, auf die fortan von Konzertbeginn an ein Film aus den 30er oder 40er Jahren projiziert wird.
Als die Vorband Circuit Diagram die Bühne betritt, ist der Raum schon gut gefüllt. Die anwesenden Zuschauer lassen sich von den Electroklängen des Duos gut zum Tanzen animieren, nicht zuletzt wahrscheinlich weil am Schlagzeug niemand geringeres sitzt als Nick, der auch für die Pigeons die Drumkeule schwingt. Ich persönlich finde die beiden ganz nett, mir fehlt jedoch ein wenig das Besondere.
Eher ernüchternd soll es schließlich auch mit den Dancing Pigeons weiter gehen. Während mich das Quartett beim Dockville Festival 2009 voll und ganz in seinen Bann gezogen hat, frage ich mich am heutigen Abend, was mit dieser Band passiert ist. Obwohl die Musik wirklich ansprechend ist und durchaus zum Tanzen einlädt, schaffen es die Jungs nicht, mich und scheinbar auch zahlreiche andere Besucher zu erreichen. Regelrecht lustlos und fast schon abwesend spielen sie ihr Set runter, als wäre der Auftritt eher eine Last. Zwar scheinen einige junge Zuschauer in den ersten Reihen und eine Gruppe angetrunkener Gäste sehr angetan von dem Auftritt des Quartetts zu sein, ein Blick in die hinteren Reihen bestätigt jedoch meinen Eindruck, dass sie gekonnt ihre Langeweile auf das Publikum übertragen. Zum Ende hin habe auch ich schon keine richtige Lust mehr, mich zu den äußerst tanzbaren Nummern zu bewegen und zur Zugabe ist der Raum schon deutlich luftiger geworden.
Dabei könnte man doch eigentlich annehmen, dass eine Band mit Heimspiel es ordentlich krachen lässt. Dem scheint hier allerdings so gar nicht zu sein. Da ist sogar der auf die Wand projizierte Film spannender. Sehr schade, dass die Dancing Pigeons den guten Sound, die tolle Bühne und vor allem auch die Nähe der Fans, für die sich diese Bühne ganz hervorragend eignet, nicht zu nutzen wissen. Das einzige, was man ihnen dann doch zugute halten muss, ist das lange Set, was sie den Zuschauern dann immerhin für die 15 € Eintritt bieten. Jedoch wird dieses durch unerträglich lange Pausen zwischen den Songs erschwert, in denen die Band scheinbar mehr Wert darauf legt, sich untereinander zu unterhalten, als dann doch mal den Kontakt zum Publikum zu suchen. Lediglich an einer Hand ist abzuzählen, wie häufig sich Sänger Johannes bei den Zuschauern bedankt und beiläufig erwähnt, dass sie aus Hamburg kommen. Schon ungefähr zur Hälfte des Sets beginne ich immer wieder auf die Uhr zu gucken, fast schon erleichtert bin ich, als das Konzert dann endlich zu Ende ist. Zu hoffen bleibt nur, dass sie beim nächsten Gig zu bekannter Live-Qualität zurückfinden und ihren tanzbaren Indie-Electropunk und Nu Rave besser ins Szene setzen.