Dark Decadence

Dark Decadence Tour 2011 mit Hardcore Superstar - The 69 Eyes - Crash Diet

12.04.2011 Essigfabrik / Köln

Von: Fenja Volkmann

Dark Decadence Köln

Unter dem Titel "Dark Decadece" haben sich drei Bands aus Skandinavien zusammengefunden, um gemeinsam durch die Lande zu touren. Heute Abend sind sie in der Kölner Essigfabrik zu Gast, um Glam, Sleaze und Düsternis an den Rhein zu bringen. Schon zu Beginn ist die Halle gut gefüllt, so scheinen viele der Anwesenden, vor allem die weiblichen Fans, Crash Diet, die Nummer eins heute Abend, freudig zu erwarten.

Die Stockholmer Band musste in ihrer relativ jungen Karriere bereits einige Rückschläge erleiden. Nachdem das erste Album "Rest In Sleaze" veröffentlicht wurde, sollte dieser Titel wenig später zu einem traurigen Synonym werden. Dave Lepard, Sänger und Kopf der Glam Rock-Formation begeht, aufgrund von Depressionen, im Januar 2006 Suizid. Man entschließt sich jedoch die Band nicht mit ihm sterben zu lassen. Nach einiger Zeit nimmt man mit Olliver Twisted als neuem Sänger das zweite Album "The Unattractive Revolution" auf, nach dessen Veröffentlichung die Band zum ersten Mal mit Hardcore Superstar auf Tour geht. Trotz sehr guter Resonanz von Seiten der Fans trennt man sich wenig später von Twisted, was man wohl als weiteren Rückschlag bezeichnen kann. Dann wird es erst einmal still um Gitarrist Martin Sweet, Drummer Eric Young und Bassist Peter London, bis man letztendlich Simon Cruz mit ins Boot holt. Cruz, welcher zuvor in regionalen Bands wie "Foxey" spielte, ist ein nicht ganz unbekanntes Gesicht der Stockholmer Glam-Szene. Dies mag zum einen an seiner Stimme, und zum anderen an seinem ungewöhlichen Stil liegen. Inzwischen ist Tonträger Nummer drei, "The Generation Wild" auf dem Markt, zu dessen Titelsong ein vielversprechendes Video produziert wurde. Die Frage, wie es ihm nun gelingt, Songs von gleich zwei Vorgängern zu performen, wird sich gleich beantworten lassen.

Die Stimmung ist gut als Crash Diet die Bühne betreten und direkt mit "Down In The Dust" loslegen. Der Sound kling leider etwas blechern, was sich während des ganzen Gigs nicht ändern wird. Weiter geht es mit "Alive" und "Riot In Everyone". Cruz animiert die Fans mit einer guten Performance, wirkt jedoch manchmal zu gelassen und cool, dass man den Eindruck von Langeweile seinerseits gewinnen könnte. Nur bei den von ihm selbst eingesungenen Stücken wie "Beautiful Pain" oder "Generation Wild" scheint er sich zu hundert Prozent wohlzufühlen. Der Gesang klingt hier kraftvoll und klar, wohingegen sich die alten Stücke im Vergleich leider eher etwas lahm anhören. Nach neun Liedern und 40 Minuten Spielzeit verlassen uns Crash Diet. Heute wurden die Erwartungen leider nicht ganz erfüllt, man kann jedoch wahrnehmen, dass trotzdem jede Menge Potenzial in den Jungs steckt.

Nun herrscht erst einmal Verwunderung darüber, dass plötzlich Hardcore Superstar Banner gehisst werden. Sollten doch die Rocker aus Göteborg als Headliner spielen. Nun gut, dann halt: Lights out, Spots on! Es wird unruhig in der nun mehr als gut gefüllten Halle, als die "Superstars" auf die Bühne treten. Es scheint so, als hätte man die vierköpfige Gruppe aus Schweden regelrecht vermisst. Sofort springt der Funke über, als Sänger Jocke auf Boxen springt, welche sich auf der Bühne befinden und den Fans ordentlich einheizt. Hardcore Superstar, welche es verstehen Sleaze Rock mit Trash Metal zu verbinden, veröffentlichten vor kurzem ihr inzwischen neuntes Album "Split Your Lip", mit dessen Song "Sadistic Girls" die Show beginnt. Der Titelsong wird direkt an dritter Stelle gespielt, danach kommt "Liberation". Die Stimmung ist fantastisch, denn die Band tritt äußerst gerne mit den Fans in Kontakt, um sie in das Konzert mit einzubeziehen. Bei Songtexten wie "Wild Boys" huscht dem einen oder anderen ein Schmunzeln über das Gesicht, wenn es heißt "when you walk in your boots looks like you crapped in your pants... wild boys will be wild, still acting like a child". Sehr amüsant wird es, als Drummer Adde bei "Bang On Your Head" das Drumset verlässt, um sich an der Front blicken zu lassen. Erst bei näherem Hinsehen bemerkt man, dass Crash Diet-Drummer Eric für einen Moment seine Position einnimmt. Danach kommt wohl eines der Highlights der Show mit "Last Call For Alcohol", ebenfalls vom neuen Album. Die Textsicherheit des Publikums ist, obwohl es sich um eines der neuen Stücke handelt, bemerkenswert. Dieses Lied hat wohl mehr als das Potenzial ein Partyhit zu werden, denn es scheint mit Zeilen wie "the party ain‘t over ‘til I say so" regelrecht schon einer zu sein. So werden zusätzlich noch zwei Mädels auf die Bühne gebeten, welche es offensichtlich genießen mitsingen zu dürfen. Der Jubel reißt nicht ab als Hardcore Superstar nach zwölf gespielten Stücken die Bühne verlassen. Als Zugaben gibt es "Moonshine" und die Hymne "We Don‘t Celebrate Sundays". Letzteres sollte noch einmal so richtig Benzin ins Feuer gießen. Ganz nach dem Motto, man solle die Party verlassen, wenn sie am besten ist, verabschieden sich Hardcore Superstar nach einer bravourösen Vorstellung.

Nun werden es The 69 Eyes richtig schwer haben diese Darbietung zu toppen. Verwunderlich ist es generell,warum die eher düsteren Goth Rocker aus Helsinki mit zwei Glam/Sleaze-Bands auf Tour gehen. Dass das nicht recht passen mag, wird klar, als man den Blick durch die Location schweifen lässt, denn die meisten Leute sind bereits nach Hause gegangen. In schwarzem Leder gekleidet betritt Sänger Jyrki69 zusammen mit seinen "Helsinki Vampires" die Stage. Sie legen sofort mit dem Klassiker "Devils" los. Leider stellt sich heraus, dass die Finnen nicht gerade gesprächig sind. So spielen sie die ersten drei Songs, ohne sich auch nur ein einziges Mal an ihre Fans zu wenden. Das kommt nicht besonders gut an. Die Stimmung ist inzwischen am Tiefpunkt des Abends angelangt. Musikalisch ist nichts auszusetzen, jedoch besteht eine gewisse Distanz, die nicht überwunden werden will. Selbst wenn Jyrki kurze Ansprachen hält, herrscht Stille anstatt Jubel. Im Gepäck haben sie ihren neunten und 2009 erschienenen Tonträger "Back In Blood", mit dem sie vor einiger Zeit unter anderem auch in Deutschland tourten. Ein bisschen Stimmung kommt bei Songs wie "Christina Death" auf, aber das war es dann auch. Auch als die Band die Bühne verlässt, gibt es nicht einen einzigen Zugabe-Ruf, verwunderlich, denn der harte Kern der 69Eyes-Fans ist natürlich geblieben. Trotzdem kehren die Finnen mit vier Zugaben zurück. Unter anderem "Feel Berlin" und "Lost Boys". Viel mehr gibt es leider nicht zu den Eyes zu sagen. Schade, denn von ihnen hat man einiges mehr erwartet.

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