Tour 2008 - Support: Redeem
In seiner bislang kurzen Karriere hat Christopher Adam, kurz Chris Daughtry schon einiges an Meriten eingeheimst. Sein Debütalbum "Daughtry" verkaufte sich seit seiner Veröffentlichung im vergangenen Jahr alleine in den USA über drei Millionen Mal und ging als das am schnellsten in die Multimillionen-Sphäre katapultierte Album in die US-Musikgeschichte ein. Sein New Rock-Mix Marke Nickelback oder Creed ist zwar beileibe nicht neu, scheint jedoch das gewisse Etwas zu haben. So bin ich dann auch recht gespannt auf die Livequalitäten des Quintetts aus Virginia, als ich mich - Sturm und Regen trotzend - auf den Weg in die Live Music Hall mache. Dass der Mann vor zwei Jahren bei der amerikanischen Castingshow "American Idol" (dem ebenso unsäglichen Gegenstück zu "Deutschland sucht den Superstar") teilgenommen und den vierten Platz belegt hat, versuche ich unterwegs zu verdrängen.
In der Halle angekommen, strampelt sich gerade die Vorgruppe Redeem ab. Auch deren Musik (aktuelles Album "Eleven") schwankt irgendwo zwischen Live und Audioslave, passt also bestens ins Konzept des Abends. Die drei Schweizer wirken auf mich dementsprechend beliebig und langweilig. Das sieht anscheinend auch die Mehrzahl der etwa 1.000 Fans in der gut gefüllten Live Music Hall so und entlässt die Band nach einer halben Stunde mit erleichtertem Applaus. Unter ihnen entdecke ich Zweitligakicker Thomas Reichenberger, der wohl schon mal die kalte Kölner Luft schnuppert, bevor er am 15. April mit "seinem" VFL Osnabrück beim 1. Fussball-Club der Stadt antreten muss.
Um kurz nach halb Neun entern dann Chris Daughtry, Bassmann Josh Paul (früher immerhin mal bei den grossartigen Suicidal Tendencies aktiv), Schlagzeuger Joey Barnes und die beiden Gitarristen Josh Steely (Lead) und Brian Craddock (Rhythmus) die Bühne. Der Rest ist schnell, sehr schnell erzählt...
Denn was sich Daughtry heute abend in der Live Music Hall leisten, ist schlichtweg eine Frechheit ihrer zahlenden Kundschaft gegenüber. Musikalisch ist der Band dabei nichts vorzuwerfen. Handwerklich spielt sie sich absolut professionell und auf einen schön fetten Sound gestützt durch die insgesamt zwölf Songs ihres Albums. Merkt ihr was? Das muss man wirken lassen! Zwölf Songs. Mehr gibt es nicht! Nach anfänglicher Zurückhaltung werden "It`s Not Over", "Home" oder die aktuelle Single "Over You" ebenso begeistert gefeiert wie etwa "Breakdown" oder "Used To". Da weiß aber noch niemand, dass die Zeit nicht reichen wird, um überhaupt ins Schwitzen zu kommen. Auf der Bühne geht auch relativ wenig ab, lediglich Chris Daughtry weiß sich gekonnt selbst zu inszenieren und mit Megaphon (das darf sonst eigentlich nur Axl Rose) und Akustikgitarre einige Farbtupfer zu setzen. Doch bevor das Konzert richtig Fahrt aufnehmen kann, ist es auch schon wieder vorbei. Inklusive dreier Zugaben hat die ganze Aktion lächerliche 55 (in Worten: Fünfundfünfzig) Minuten gedauert!
Als in der Halle das Licht angeht, herrscht um mich herum ungläubiges Staunen. Die Leute sind offensichtlich derart paralysiert, dass die erwarteten Unmutsäußerungen fast völlig ausbleiben. Ich hatte mit Pfiffen oder wenigstens ein paar fliegenden Bierbechern gerechnet. Ist die PA durchgebrannt? Hat Chris Daughtry einen Anfall plötzlicher Heiserkeit erlitten? Nichts dergleichen ist zu erkennen. Vielleicht sind Daughtry-Konzerte ja so kurz und ich wusste bisher nur nichts davon. Sorry Jungs, aber dann habt ihr auf einer Bühne nichts verloren! Man freut sich zur Abwechslung zwar auch mal über einen kürzeren Arbeitstag, aber heute abend hätte ich gleich zuhause bleiben und lieber Ostereier färben können.